Ein Sommer der Reflektionen

Gedanken zum Musiktheater in Zeiten einer Krise

 

Andrea Chenier 2011
Copyright Midou Grossmann

Eigentlich hätte es einen Sommer der Reflektionen hinsichtlich Oper und Konzert werden müssen.  Ein Großteil der Festivals annullierte die Saison, da die Corona-Maßnahmen ein bewegendes Musiktheater nicht erlauben, so schien es. Eine Phase des Nachdenkens hätte nützlich sein können, doch sind natürlich die wirtschaftlichen Begebenheiten nicht immer glänzend und so versuchen manche Institutionen nun eben ein Spagat zwischen Einnahmen und Kunst, zudem auch, um in den Schlagzeilen zu bleiben.

Leider ist doch ein Hype entstanden. Die Medien zeigen Sängerstars in Aktion unter südlichem Sternenhimmel, in heimischen Gärten und sogar in Wohnzimmern, man feiert so die Auferstehung der Kunst. Selbst Bayreuth im kühleren Franken ist enorm aktiv, man präsentiert Konzerte am Badesee. Richard Wagner ist immer gut für eine Schlagzeile, der Bayerische Rundfunk verkündet stolz: „Selbst Corona kann Wagner nichts anhaben“. Dabei wäre es eine perfekte Gelegenheit gewesen, jetzt endlich einmal über die Aussagen der Wagneropern zu sinnieren, gibt es da nicht Parallelen zur aktuellen Krise? Zeigt uns der Komponist nicht einen tieferen Zugang zur vordergründig so flüchtigen irdischen Existenz? Wäre ein kreativer Neubeginn nicht zwingend notwendig gewesen? Nun, was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Salzburger Festspiele setzten auf ‚Salome‘ (in den letzten Jahren) und heuer auf ‚Elektra‘. Diese Opern von Richard Strauss gleichen den antiken Originalen vom Libretto her nun eigentlich sehr wenig. ‚Salome‘, nach Oscar Wilde, von Strauss selbst ‚eingerichtet‘. ‚Elektra‘, von Hugo von Hofmannsthal, nach dem Drama Sophokles’ umgeschrieben, passend für den Zeitgeist einer ‚aufgeklärten‘ Gesellschaft. Beide Opern sind aktuell etwas konturlos geworden, wage ich zu behaupten, nie konnte Richard Strauss an Wagners Mystik anknüpfen . Es könnte reizvoll sein, eine neue ‚Elektra‘ zu konzipieren, enger an Sophokles, und was ‚Salome‘ betrifft, ist die Version von Antoine Mariotte vielleicht doch spannender.

Eine passende Oper für diesen Sommer wäre ‚Andrea Chénier‘ von Umberto Giordano gewesen. Das spannende Libretto von Luigi Illica (die Handlung spielt während der Französischen Revolution), von Giordano mit einer genialen musikalischen Urkraft vertont, geht unter die Haut und ist immer noch hoch aktuell.  Durchleben wir nicht momentan auch eine Zeit des Umbruchs? Zwar hat das Werk in den letzten Jahren einige wichtige Aufführung erlebt, doch der große Durchbruch lässt noch auf sich warten, vielleicht auch aus dem Grund, dass man drei hervorragende Hauptdarsteller aufbieten sollte, die stimmlich sowie darstellerisch den Verismo mit seiner Dynamik verstehen. Dies gilt auch für den Dirigenten, der die ungemein farbenreiche Komposition Giordanos mit all ihrer Dramatik – aber auch Lyrik – packend zu gestalten hat, doch gleichzeitig die Sänger gekonnt durch die anspruchsvolle Partitur bringen muss.

Eine Referenz-Aufnahme ist immer noch der Mitschnitt aus der Mailänder Scala von 1955 mit Maria Callas, Mario Del Monaco und Aldo Protti, unter dem hervorragenden Dirigat von Antonino Votto. Als Musterbeispiel der letzten Jahre darf die Aufführung auf der Bregenzer Seebühne gelten, in der Regie von Keith Warner und dem Dirigat von Ulf Schirmer (2011/12). Hier war perfektes Musiktheater in einem einmaligen Outdoor-Ambiente zu erleben, das mit seiner szenischen Wucht die gesamte Bregenzer Bucht einbezog und so ein einmaliges Kunstwerk schuf, das zu einem wahrhaft transzendenten Erlebnis wurde. Hier darf man auch das beeindruckende Bühnenbild von David Fielding erwähnen. Er schuf ein gelungenes Kunstwerk, das so selten zu erleben ist.

Hoffen wir, dass sich das Musiktheater in den kommenden Jahren in diese Richtung bewegen kann, denn inmitten der Krise öffnen sich kontinuierlich neue Portale.

Copyright Midou Grossmann 2020

Fotos Copyright Midou Grossmann 2012-2020

 

 

Festspiele in Bregenz heuer nur reduziert

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Seebühne Bregenz Austria – Foto Midou Grossmann July 2020

„Es wird alles wieder gut“, so lautet die Nachricht aus dem Festspielhaus Bregenz, und man verkündet, dass Festtage im Festspielhaus von 15. bis 22. August stattfinden werden. Man möchte doch nicht ganz aus dem Feuilleton verschwinden und bis Ende August sollten in Österreich noch weitere Lockerungen bezüglich der erlaubten Zuschauerzahlen verkündet werden. Drei Konzerte, ein Arienabend und eine Musiktheater-Uraufführung laden während der achttägigen Veranstaltungsreihe in den Großen Saal des Festspielhauses. Im Seestudio stehen zwei Abende von Musik & Poesie auf dem Programm. Das Kunsthaus Bregenz wird mit einem Konzert im KUB ebenfalls zum Schauplatz der Festtage.

Die aus Tirol stammende Musicbanda Franui ist gemeinsam mit Bassbariton Florian Boesch bei einem außergewöhnlichen Konzert am 15. August im Festspielhaus zu erleben. Den Schlusspunkt der Festtage bildet am 22. August ein Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker unter Philippe Jordan, der letztmals als deren Chefdirigent in Bregenz zu Gast sein wird. Ein weiteres Konzert spielt das Symphonieorchester Vorarlberg mit Enrique Mazzola am Dirigentenpult sowie Sopranistin Mélissa Petit. Beim Arienabend Viva Verdi – Viva l’Opera sind in kleiner Orchesterbesetzung Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters St. Gallen ebenfalls unter Enrique Mazzola zu erleben, es singt die Sopranistin Anna Princeva.

Angesichts dieser ‚Leckerbissen‘ ist sicherlich so mancher Musikfreund motiviert die Bodenseeregion zu besuchen. Denn nicht nur die Musik klingt hier intensiver, sondern auch die Landschaft am ‚Schwäbischen Meer‘ bezaubert immer wieder und belebt Körper sowie Geist. Kulturgenuss unten im Festspielhaus, Erholung auf dem Berg, ein perfekte Symbiose. So habe ich das über lange Jahre geplant und gelebt.

Neben dem Pfänder, dem über 1000 Meter hohen Hausberg, gilt das weniger überlaufene Eichenberg immer noch als Geheimtipp. Auch als Luftkurort gehandelt, liegt der Ort auf 793 Meter auf einem Sonnenplateau, mit einer Aussicht, die man einmalig bezeichnen darf. Weit bis in das Rheintal schaut man, nach Konstanz, Ravensburg und in das Allgäu hinein. Das bäuerliche Flair des Ortes konnte bis jetzt erhalten bleiben, zugleich sind Hotels sowie Ferienwohnungen vorhanden.

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Terrasse Hotel Sonnenhof Eichenberg Austria Foto Midou Grossmann July 2020

Wunderbar platziert am Dorfausgang, neben einem Wald und mit einer unverbaubaren Terrasse, das Hotel Sonnenhof, welches mit seinen modernen Zimmern, die fast alle mit Küchenzeile ausgestattet sind, für einen Langschläfer ein Segen sein kann.  Wenngleich das opulente Frühstück des Hauses sehr zu empfehlen ist. Eine große Suite mit eigener Terrasse ist ideal für Familien mit Kindern. Zudem bietet auch der Wellnessbereich, mit einem Hallenbad und Liegewiese, einen grandiosen Blick über den See. Was will man mehr? Kultur, Komfort, Natur und gutes Essen in einer geschichtsreichen Region sind immer ein Gewinn in turbulenten Zeiten.  Ein Besuch allein reicht nicht, um all das zu entdecken. Gerade in der Krise mit den Reisebeschränkungen bleibt der Bodensee ein wirklich lohnenswertes Ziel, da es mit seinem internationalen Flair für jeden Besucher etwas zu bieten hat.

 

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Hotel Sonnenhof Eichenberg Austria July 2020 Foto Midou Grossmann

https://bregenzerfestspiele.com/

http://www.sonnenhofhotel.at/site/inhalt.php?ID=18&menu1=18&menu2=0&sprache=1&active=18

https://www.bodensee.de/region/vorarlberg/eichenberg

Copyright Midou Grossmann  – Fotos Copyright Midou Grossmann

 

 

Singen Verboten ? Bitte Aerosol-Tests überdenken!

getintuneMattia Battistini (Youtube)

Seit Monaten ist es zumeist still in der Oper- und Konzertszene. Das Aufatmen war nur kurz als einige mutige Intendanten doch schnell Ein-Personen-Auftritte auf die Bühne brachten. Doch aktuell schockieren Meldung die Musikbranche, weil wissenschaftliche Messungen belegen, dass beim Singen Viren über zwei Meter weit in den Raum geschleudert werden. Ein Aus für Chöre für lange Zeit, für große Oper ebenso?

Ich habe heute gelesen, dass die Tests nach dem Einatmen von Rauch (E-Zigaretten artig) stattfanden, lautes Husten und Singen kennzeichneten die Untersuchungen. Es wäre an der Zeit einmal zu überdenken, ob wir generell nicht zum Belcanto auf breiter Basis zurückkehren müssen. Mattia Battistini betonte immer, dass er nur so leicht beim Singen atmen würde, als ob er an einer Blume riechen wolle, das Ausatmen erfolgt dann auf eine noch sanftere Art. Auch Angelo Loforese sprach immer davon, dass er gar nicht so sehr auf den Atem achten würde, der käme schon von allein, wenn man geistig gut eingestimmt sei. Wer mit einer Art Yogi-Atem das Singen angeht, benötigt bedeutend weniger Volumen, das bestätigte auch die Primadonna Amelita Galli Curci, die über Jahrzehnte eine alte vedische Meditation praktizierte. Der Begriff des Singens in die Maske  ist etwas in Veruf gekommen, das inalare (oft auch als inhalare bekannt) der Stimme ebenso, aber nur weil man heute eigentlich die geistige Art des Singens nicht mehr verstehen und sie auch selten ‘wissend’ lehren kann.

Vielleicht wäre es an der Zeit sich wieder darauf zu besinnen und dann erneut zu messen, wie stark die Luftströme sind. Auch Chöre sollten sich umstellen, einige machen das ja schon seit Jahren. Ich könnte mir vorstellen, dass ein bedeutend geringerer Luftausstoß  gemessen werden würde. Musik und Gesang sind lebenswichtige Elemente für die Menschen, daher gilt es einen Weg zu finden.

Diese Art von Singen setzt eine innere Konzentration voraus, die einigen große Künstlern schon in die ‘Wiege’ gelegt war, andere könnten es lernen, wenn sie denn wollten. Einfach einmal das ‘höhere Selbst’ entdecken mit leichten Übungen und einer besonderen Einstellung der Verinnerlichung.

Copyright Midou Grossmann 2020

The three dimensional Mensch

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Photo Midou Grossmann – Lake Constance 2012

Corona Lockin does give time to go deep inside. Classical Music does help to enhance the journey towards within for those who don’t have a personal technic of meditation.

We as people are somehow three dimension layered energy balls. With our bodies we resonate on the grossest level but with our minds we can go above. And it is not only the mind; we need to heighten our personal vibrational energy to overcome the body vibes which tend to bind us to a limited world with heart and mind. Music – if performed out of the heart chakra – can help us to overcome our body consciousness and that’s why so many people sit extremely still during concert performances. It is a kind of meditation. Music is a free ticket to travel ahead into a vibrational realm where we can find inspiration and solutions for problems seemingly unsolvable, strenght to go on. Music can lead us to the storehouse of magic, the sheer bliss dimension. That’s what we do need in these times. Men and women can rise above the panic and fear. Unfortunately music is closed down. Let’s go inside during these days dear musicians and maybe new masterpieces can be created. Livestream music is helpful but it does rarely have the intense vibrational force as live concerts to provide.

Let’s take this time to create new ways of thinking, rise above the seemingly strong limitations from outside. Music can be very helpful to reach our higher dimensions of being. In this sense we can build a new society free of old control patterns.

Article about Corona and Art – Kulturexpresso

Copyright Midou Grossmann 03/2020

Berührende Klänge in München

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Haydn und Mozart weiterhin Publikumsmagnet

Der Wiener Concert-Verein zu Gast im Prinzregententheater

Weihnachtszeit, der Konzertbetrieb boomt. Am letzten Sonntag gab es gleich drei Konzerte im Prinzregententheater. Alle ausverkauft. Auch das um ‚halb 4‘ mit dem Untertitel ‚Symphonik aus Freimaurerhand‘. Dahinter versteckte sich ein klassisches Programm mit Werken von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Das Publikum war zumeist wegen Mozarts Symphonie Nr.41 C-Dur gekommen, auch als Jupiter Symphonie bekannt. Jedenfalls erfuhr man das während den Pausengesprächen.

Wien bleibt Wien

Das bewies erneut wieder der Wiener Concert-Verein. 1987 gegründet von vier Mitgliedern der Wiener Symphoniker, mit dem Ziel eine Brücke zwischen Tradition und Moderne zu bauen. Mittlerweile ist das Kammerorchester weltweit bekannt und überall gern gesehener Gast. In München stand Claus Peter Flor am Pult. Schon der Auftakt mit Haydns Symphonie Nr. 87 A-Dur überraschte wieder einmal mit einer unverkennbaren Virtuosität sowie einem exquisiten Klangempfinden der Wiener Musiker. Dynamisch schwebend, entfaltete dieses bekannte Werk einen ganz neuen Charme. Immer wieder erstaunlich, wie das Orchester diesen speziellen Wiener Klang pflegen kann in einer globalisierten Welt. Brillant pointiert, schwingend, flexibel und glänzend das Musizieren. Eine Art metaphysischer Klangraum kann so entstehen und das Publikum mit auf eine wohltuende Reise nehmen.

Diesem Stil passte sich der junge Geiger Yury Revich als Solist in Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 B-Dur perfekt an. Ein wunderbarer Dialog konnte so entstehen zwischen Orchester und Solist,  welcher mit seiner genialen Virtuosität eine stark schöpferische Anziehungskraft aufbauen konnte, dessen Schwung sich letztendlich niemand wiedersetzen konnte. Wieder einmal wurde gezeigt, dass der junge Mozart auch in den frühen Werken sein Genie wie selbstverständlich einzusetzen verstand. Viel Applaus schon vor der Pause.

Jupiter – Herrscher des Himmels

So bezeichneten jedenfalls die Römer das Gestirn. Nach der Pause war als Highlight Mozarts Symphonie Nr. 41 C-Dur strahlend und mächtig zu erleben. Das schwebende Element des Werks bildete dazu einen schönen Kontrast. Die Wiener Musiker verstanden es, die darin beschriebenen Seelenkräfte in ein harmonisches Gleichgewicht zu setzen. Vielleicht kennt dieser Klangkörper noch eine Forderung der großen Komponisten der Vergangenheit: Alle Töne entstehen im menschlichen Herzen. Doch das lernt man nicht während des Studiums. So etwas lernt man in der Gruppe, so etwas wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wie sagte doch kürzlich jemand: Kunst hat immer einen Anfang, doch nie ein Ende.

WCV

Copyright Midou Grossmann 2019 – Photos Midou Grossmann 2019

Der Sänger und die innere Stimme

Auch heute nocht ungemein wichtig!

Richard Wagner über den Tenor Ludwig Schnorr

1857 erzählte  der Tenor Josef Tichatschek Richard  Wagner von dem hochbegabten jungen Tenor Ludwig Schnorr. Zudem wurde aber auch berichtet, dass der junge Künstler an einer ihn entstellenden Fettsucht leide. Im Sommer 1861 weilt Richard Wagner in Karlsruhe, wo Schnorr als Gast den Lohengrin sang. Ganz inkognito wollte er die Vorstellung besuchen und schnell wieder abreisen. Doch schon nach dem ersten Auftritt des Sängers änderte sich sein Gefühl und er spürte sofort den Zauber des jungen Künstlers. Es kam zu einem Treffen, Schnorr reiste im folgenden Jahr auch nach Wiesbaden/Biebrich und wurde dort schon von Richard Wagner mit dem Tristan vertraut gemacht.

Wagner schreibt später in seinem ‚Braunen Tagebuch‘ am 03. Mai 1968: Die Unerschöpflichkeit einer wahrhaft genialen Begabung war uns so recht begreiflich aus unsren Erfahrungen an dem Stimmorgane Schnorr’s klar geworden. Dieses Organ, voll, weich u. glänzend, machte, sobald es zum unmittelbaren Werkzeug der Lösung einer geistig vollkommenen bewältigten Aufgabe zu dienen hatte, auf uns eben jenen Eindruck der wirklichen Unerschöpflichkeit.

Was kein Gesangslehrer der Welt lehren kann (*), fanden wir einzig bei ihm. (…) Die musikalische Seele des Organs muss entwickelt werden. (…) Entgegen der alten italienischen Schule der Kastraten sucht die neuere Musik, unter der unweigerlich anerkannten deutschen Tonkunst, namentlich durch Beethoven, zu der Höhe wahrer Kunstwürde, nicht nur das Sinnlich-Wohlgefällige sondern das Geistig-Energische u. Tiefleidenschaftliche steht hier im Vordergrund. (…) Wie irrtümlich hier verfahren wird, lässt sich leicht denken, denn jedes nur auf materielle Kraft abgerichtete männliches Gesangsorgan wird beim Versuche der Lösung der Aufgabe der neueren deutschen Musik, wie sie in einem dramatischen Arbeiten sich darbieten, sofort erliegen und erfolglos sich abnutzen, wenn der Sänger dem geistigen Gehalte der Aufgabe nicht vollkommen gewachsen ist. Im Dienste des geistigen Verständnisses zu sein ist Voraussetzung.

Sechs Wochen nach den Tristan-Vorstellungen in München, auch sang er zudem einen Erik, verstarb Ludwig Schnorr 21. Juli 1865 in Dresden. Vorher hatte er noch zu Wagner gesagt, dass ihn keine Partie auf der Bühne jemals angestrengt habe, nur das schludrige Arbeiten in den Theatern könne ihn umbringen. Denn keiner würde den fürchterlichen Luftzug abstellen, welcher eiskalt über den regungslos am Boden liegenden Sänger im dritten Akt nach großen schweisstreibenden Erhitzungen gefährde. So geschah es, er verstarb an einem Rheuma-Anfall in seinem Knie, die Partie des Tristan hat ihn offensichtlich nicht getötet. Die Uraufführung war am 10. Juni 1865 im Hoftheater München. Auch in Dresden hatte der Sänger kurz zuvor Theaterproben gesungen und seinen Kollegen gezeigt, dass er sehr wohl noch Stimme habe.

(*) Wahrscheinlich können viele Gesangslehrer dabei nicht behilflich sein, dennoch gibt es Wege das Innere Selbst des Künstlers aufzudecken und ihm verständlich zu machen. Im Frühjahr 2020 werde ich zu diesem Thema ein Workshop im Chiemgau veranstalten. Details sind erst ab Ende Januar 2020 bei mir zu erfahren: midou_grossmann@yahoo.de

Singing

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https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Schnorr_von_Carolsfeld_(S%C3%A4nger)

 

Löse von der Welt mich los….

….oder das Wunder im Orchestergraben – Premiere ‘Tristan und Isolde’ Oper Leipzig 5.10.19

Oper Leipzig
Oper Leipzig – Richard Wagner “Tristan und Isolde” HP2 am 30.09.2019 Foto Tom Schulze Tel. 0049-172-7997706 http://www.tom-schulze.com post@tom-schulze.com

Wer – wie ich – seinen ersten Tristan 1986 in Bayreuth erlebt hat, wird diese Produktion wohl nie mehr vergessen. Das war der sagenhafte Ponnelle-‚Tristan‘, mit dem berühmten silbrigen Baum im zweiten Akt. Dazu noch Peter Hofmann und Janine Altmeyer als Titelpaar! Ich glaube, ich habe jede Aufführung damals gesehen. Löse von der Welt mich los…, das gelang grandios, alle Mitwirkenden sowie das Publikum werden das jederzeit bestätigen. Der große Zauberer Jean-Pierre Ponnelle wusste genau, wie man die Opern von Richard Wagner zu inszenieren hatte.

Der Eindruck der Leipziger Premiere ist ein gespaltener. In den Opern von Richard Wagner geht es immer um den ‚dreidimensionalen‘ (ganzheitlichen) Menschen: Körper, Geist und Seele. Auszugehen ist zudem auch von einer Wiedergeburt der Seele in einem neuen Körper. Diese Sichtweise war Wagners Philosophie und darauf basierte die Erlösung letztendlich in seinen Opern: es geht für uns Menschen in einem anderen Schwingungsfeld als Seele weiter. Nichts mit schwarzem Loch oder Nirwana, das wäre zu einfach.

Wagner sowie Schopenhauer basierten ihre Suche auf den uralten indischen Veden, auch der Buddhismus in seiner aktuellen Form ist aus dem Ur-Hinduismus entstanden. Das Schopenhauer-Archiv in Frankfurt spricht von 179 Werken, die er zu diesem Thema studiert hat, im Archiv selbst ist noch ein Rest von 125 indologischen Titeln vorhanden. Wagner schreibt ebenfalls immer wieder in seinen Aufzeichnungen von diesen uralten indischen Lehren, den Upanischaden, er liest die indischen Märchen und Sagen regelmäßig. Des Weiteren finden sich unzählige Hinweise auf dieses Thema in seinen Schriften, diese Lebensphilosophie ist ihm Trost.

Zeigt Richard Wagner mit seinem Ring des Nibelungen eine karmische ‚Gruppenhandlung‘ über mehrere irdische Leben hinweg, begrenzt er die Handlung bei ‚Tristan und Isolde‘ auf die intime Form der menschlichen Liebe zwischen zwei Menschen, die sich schon vor dem ersten Treffen in Irland in einer anderen Zeit und Form geliebt haben. Daraus ergeben sich nun die tragischen Ereignisse, alles ganz einfach letztendlich.

Theaterregisseur Enrico Lübbe traute der Geschichte wohl nicht so ganz und daher gab es noch den Co-Regisseur Torsten Buß. Gezeigt wird gutes Theater aber kein wirklich großes Musiktheater. War der erste Akt noch spannend, was hoffen ließ, wurde der transzendente zweite Akt zu einer konfusen psychologischen Parabel, die dann letztendlich mit der wunderbaren Musik aus dem Orchestergraben gar nichts mehr zu tun hatte.

Paradisi Gloria Juli 2010 Foto Midou Grossmann
Paradisi Gloria Juli 2010 Foto Midou Grossmann

Überhaupt geschah das Wunder des Abends im Orchestergraben. Intendant und GMD Ulf Schirmer sowie das Gewandhausorchester zauberten Töne in den Raum, ganz auf der Linie von Herbert von Karajan und Leonard Bernstein, welche man so lange nicht mehr gehört hatte. Schon das Vorspiel löste den Geist von der Erdenschwere und hier wurde mit geschlossenen Augen gelauscht, verpasst habe ich dann wohl  einige Hinweise hinter dem Gazevorhang. Lieber Theaterregisseur, so ist das eben mit Opernbesucher, bitte keine Vorlesungen. Die silbrigen Klänge im zweiten Akt, die ganz unterschwellig auch kontinuierliche Walzerrhytmen als Hinweis auf eine höhere Welt beinhalten, wurden durch das Versteckspiel von Tristan und Isolde empfindlich gestört, getrennt wanderten beide nervös am Bühnenrand entlang. Anfassen oder Ansehen war gar verboten.

Was aus dem Graben im dritten Akt erklang, ist so nur sehr selten zu erleben. Wahnsinnsakkorde, die Tristan auf der Bühne fehlten, peitschten das Gewandhausorchester bis an die Grenze des menschlich machbaren Musizierens. Ulf Schirmer hatte die Uraufführungspartitur von München 1865 zur Verfügung und konnte anhand der Anmerkungen erkennen, welches Klangbild Richard Wagner vorschwebte. Breiter, ruhiger Fluss, mit zugleich immer wieder starken Gefühlsausbrüchen, die wie Wellen aus einem Meer aufsteigen und verebben.

Ich gehe nicht im Detail auf das Bühnenbild von Etienne Pluss ein, es genügt zu wissen, dass man sich in einem Schiffswrack befindet, schief und dunkel das Ambiente. Viel Licht gab es daher nicht, wenngleich Olaf Freese doch einiges richten musste, wohl auch die Neonstäbe, die eine Art Rahmen auf der Bühne bildeten, aus diesem Rahmen ‚fallen‘ durften am Premierenabend nur Tristan und Isolde.

Auch gesanglich sowie darstellerisch kann man leider von keiner homogenen Leistung sprechen. Meagan Miller war sicherlich der Pluspunkt der Inszenierung. Ihr gelang es schon den ersten Akt enorm spannend zu gestalten, mit kluger Phrasierung und ausgefeilter Diktion. Sie besitzt eine schöne Stimme mit klarer Höhe, die noch wachsen kann.  Darstellerisch blieb sie ebenfalls ungeschlagen an diesem Abend, bis zur letzten Szene eine verheißungsvolle Leistung. Barbara Kozelj, die  junge Mezzosopranistin in der Partie der Brangäne, wirkte zuweilen doch unsicher, die gesangliche Linie klingt etwas unausgeglichen, abgesehen von dem berühmten Wachgesang, hier schwebte ihre Stimme mit perfektem Legato durch das Haus. Sebastian Pilgrim als König Marke zeigte eindrucksvoll wie Wagner zu singen ist, nämlich mit sprachlicher Stilsicherheit aber auch mit viel Belcanto. Er war ein weiteres Highlight des Abends.

Nun kommen wir zum Helden Tristan alias Daniel Kirch. Das ist nicht seine Partie, Kirch fehlt das heldische Timbre, auch an Ausstrahlung mangelt es ihm. Währen den ersten beiden Akten frug man sich, wie Kirch den dritten Akt schaffen wolle, seine Stimme klang brüchig und sehr baritonal, doch dann überraschte er. Es war nun eine One-Man-Show und hier konnte er gestalten ohne auf andere zu achten, es gab schöne Stellen, die durchaus beachtlich klangen, dennoch fehlte auch in dieser tragischen Szene das Gestalterische. Eigentlich war man froh als Meagan Miller ihren wunderschönen Liebestod sang und endlich mit Tristan vereint in den Kulissen entschwinden durfte. Einspringer Jukka Rasilainen als Kurwenal immer noch sehr beachtlich, ordentlich auch Martin Petzold (Hirt), Franz Xaver Schlecht (Steuermann) und Alvaro Zamrano (junger Seemann).

Mit einigen Retuschen im zweiten Akt könnte diese Inszenierung dann wohl auch für den Wagner-Marathon 2022 zu einem Highlight werden, denn wie gesagt, das Schönste kam aus dem Orchestergraben.

Nächste Vorstellung 12. Oktober

http://www.oper-leipzig.de

Copyright Midou Grossmann 2019

König Ludwig II auch Umweltschützer

“Hier freut man sich aufs Wochenende!”

Herrenchiemsee
Rückseite Blick vom Park

Das Schönste am Chiemsee ist die Herreninsel, wenngleich das letztes Schiff um 19:15 Uhr ablegt und es keine Hotels auf der Insel gibt. Also kein Touristengewusel des Nachts. Dem König würde das gefallen. Es gibt wohl einige Menschen, die auf der Insel wohnen und auch Landwirtschaft betreiben sowie einen Gasthof mit Traumterrasse. Die Natur ist also ungestört des Nachts und kann sich

regenerieren. Das macht vielleicht den größten Charme sowie den Erholungswert dieser Insel mitten im See aus. Selbst im Sommer konzentrieren sich die zahlreichen Besucher auf Schloss und Klostergebäude. Wenn man Einsamkeit auf dem  230 ha großen Naturschutzgebiet sucht, bieten die gepflegten Wanderwege ein einzigartiges Paradies mit herrlichen Aussichten auf den Chiemsee, inmitten alter Bäume und einer seltenen Tier- und Pflanzenwelt. Dabei wäre die Insel fast einmal abgeholzt worden von einer württembergischen Holzverwertungsgesellschaft. König Ludwig II. von Bayern verhinderte dies und kaufte 1873 die ganze Insel für 350.000 Gulden, um ab 1878 hier sein „Neues Schloss Herrenchiemsee“ zu errichten. Während den Bauarbeiten richtete er sich eine Wohnung in dem alten Klosterbau ein, der noch  heute ‚Altes Schloss‘ genannt wird. Continue reading “König Ludwig II auch Umweltschützer”