Wagner’s operas ‘decoded’!

Yes, it is so easy to understand if one does know eternal basic spiritual laws. The cosmos is as structured as nature. Nothing ‘en vain’ – all is connected. Wagner wanted to put these laws on stage as did the ancient Vedic Masters with their writings and as their art is still showing.

My book is out of print – only available in Kindle now. Maybe I should make a ‘Gofundmepage’ to collect funds for a new edition and a translation into English. In Germany most people don’t care and the opera instituitions work on a different level. Director’s fantasies do sell well, so it does seem. But many people dont go to these places anymore.

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When did the world turn ‘sour’?

Lets turn things around

Oh, it was never Shangri-La, but 50 years ago mutual respect seemed to be more normal and also the readiness to help each other. Some say it is because of greed, maybe, but I do think that mass media and digital tools have turned human compassion further down to frozen. “What the hack, I want to be in my comfort zone all the time now, my job is already too much.”- “ Leave me alone with my fancy food, wine and the digital tools. Give me an injection if necessary and please do quiet all those who want to put my cozy world upside down. I am a modern man living in the most advanced society, no time to fear higher dimensions, we are the champions.”

But what is this nagging void inside, why can’t I sit quiet for 30 minutes and reflect about my true nature? Where do I come from, where am I heading? Am I just a sparkling light in the universe, close to vanish soon? Hmm….they say that humans are a holy spark, eternal. How come???

No, we do feel according to what we think. Thoughts do create our life. But showbiz is not the way to escape.

We are fragile human beings, belonging to a higher dimension in this cosmos. Let‘s think about it and help each other. So easy – but forgotten. Blessed spritual resurrection!

Das Glück muss man sich erarbeiten

Achill unter den Mädchen – Prinzregententheater München – Theater Akademie – 17.3.2023

Trailer Theater Akadmie August Everding

Es war eine gute Fügung für das Münchner Musikleben als die Theaterakademie August Everding 1993 in das Prinzregententheater einziehen durfte. Sie ist mit ihren acht Studiengängen die größte Ausbildungsstätte für Bühnenberufe im deutschsprachigen Raum. In einem solch großartigen Theaterbau studieren zu können, ist wahrhaft ein Geschenk. Kunst gedeiht am besten in einem inspirierenden Umfeld, zudem zählt das Haus sicherlich zu den schönsten Theaterbauten im Land. Durchschnittlich werden mit den Studierenden pro Studienjahr über 40 Produktionen erarbeitet. Der Talentpool ist groß, das konnte man auch kürzlich wieder beim Open House erleben. Bei Opernproduktionen setzt man gerne auf zeitgenössische Werke, als Partner im Orchestergraben steht den Studierenden das Münchner Rundfunkorchester zur Verfügung. Also beste Bedingungen, die letzte Woche bei der Premiere der Oper von Wolfgang-Andreas Schultz (*1948 in Hamburg) Achill unter den Mädchen, einen wichtigen Bonuspunkt einbrachten.

Das Sujet ist nicht unbekannt, schon Händel schrieb darüber eine Oper, die in der Spielzeit 1958/59 ebenfalls im Prinzregententheater aufgeführt wurde. Schultz und sein Librettist Hanns-Josef Ortheil schrieben die Oper 1997 für das Haus in Kassel, in München sah man nun die 2. Inszenierung. Handlung: Der junge Achill, dessen Tod als Krieger seiner Mutter, der Meeresnymphe Thetis, geweihsagt wurde, wird von derselben auf die Insel Skyros gebracht und als Mädchen verkleidet unter den Töchtern des Königs Lykomedes versteckt. Doch seinem Schicksal kann man nicht entrinnen. Achill – der Held – wird von Odysseus gesucht, letztendlich in der Frauenidylle aufgespürt und in den Trojanischen Krieg ‚entführt‘.

Das vereinfachte Libretto, die Handlung umfasst nur einen Tag, beginnt mit der Liebesgeschichte zwischen Achill und Deidamia: Urlaubsidylle auf einer griechischen Insel, die von der Ankunft Odysseus’ aufgewirbelt wird, Strandidylle, am Abend plant man ein Theaterstück (Acis und Galatea), danach der traurige Abschied.

Die etwas spröde Inszenierung von Franziska Severin, Bühne und Kostüme Jürgen Franz Kriner, verlangt szenischen Gestaltungswillen. Auch gesanglich muss man höchst konzentriert agieren, die Partitur hilft nur wenig. Wenngleich die Klangssprache nicht dissonant, sondern leicht und durchsichtig wirkt, sind die Protagonisten dennoch gefordert Spannung auf der ‚einsamen Insel‘ aufzubauen. Eine Feuerprobe, die alle grandios bestehen mit Textverständlichkeit, Spielfreude sowie Bühnenpräsenz.

Countertenor Elmar Hauser agiert brillant mit weicher Stimme, überzeugend als Mädchen sowie als junger Held Achill, der nur schwer auf die wunderschöne Deidamia verzichten vermag. Mezzosopranistin Klara Brockhaus, mit viel Farbe und lyrischer Höhe, macht es ihm auch nicht leicht, gerne würde man beide als antikes Traumpaar erleben, doch Störenfried Odysseus verhindert es. Bariton Isaac Tolley zeigt uns mit kraftvoller Stimme, wie man seine Forderungen durchsetzt. Sein Begleiter Phönix präsentiert sich als eine Art Genießer in allen Lebenslagen, Tenor Haozhou Hu stimmlich und darstellerisch ein Juwel. Nerea/Henrike Legner muss diesem Charme einfach erliegen, was sie mit perfekten Koloraturen auch tut. Bass Manuel Winckler ist ein großzügiger Inselvater mit sonorer Stimme. Die drei Beobachterinnen des Geschehens, alias Katya Semenisty, Elisabeth Freyhoff und Harpa Ósk Björnsdóttir, ganz in Schwarz gehüllt und immer im Hintergrund agierend,  erinnern an Wagners Nornen. Das Münchner Rundfunkorchester, Dirigent Olivier Tardy, musiziert die zuweilen minimalistisch angelegte Partitur überzeugend klangintensiv.

Midou Grossmann Copyright März 2023

https://www.theaterakademie.de/theater-erleben/stueckinfo/achill-unter-den-maedchen

Herrin beider Länder – Hatschepsut

So lautet der Titel eines Buches des Ethnologen Peter H. Schulze, das mich seit 1980 begleitet und das mein Interesse an Hatschepsut, die Schulze als Frau, Gott und Pharao bezeichnete, geweckt hat. Ich beschäftige mich mit dem Alten Ägypten seit ich denken kann, doch diese Pharaonin war damals noch unbekannt. Heute ist sie der absolute Star im Internet und viele verkitschte Bücher und Videos wurden und werden über sie produziert. Schulzes Bildband erschien 1976 im Gustav Lübbe Verlag, gleichzeitig auch das interessante Werk der Französin Suzanne Ratié, im Brockhaus Verlag, Wiesbaden. Damit dürfte die geheimnisvolle Herrscherin der 18. Dynastie (1479 bis 1458 v. Chr.) in das Licht der größeren Öffentlichkeit gelangt sein. Bei Ägyptologen war diese Herrscherin schon lange bekannt, auch gerade deshalb, weil es schien, als trachtete man später die Zeugnisse ihrer Zeit auszumerzen.  Viele Mythen ranken sich um Hatschepsut und ihre Zeit, wenngleich ihr Wirken reichhaltig dokumentiert wurde und auch heute noch jedem Betrachter ein Bild vermitteln kann. Der 1977 erschienene Roman von Pauline Gedge, Original Titel Child Of The Morning, romantisch verklärt, hat sicherlich die Berühmtheit noch verstärkt, dennoch sind viele Komponente weiterhin nicht wirklich erforscht, auch die aktuelle Vermarktung des von Hatschepsuts erbauten Tempels Deir el-Bahari trägt nicht zu einer konstruktiven Analyse bei. 

Ich möchte hiermit keine wissenschaftlichen Thesen angreifen bzw. umdeuten, doch scheint es mir ein Manko zu sein, wenn man aus der Sicht der heutigen Zeit die Geschichte Alt Ägyptens interpretieren will. Vielmehr sollte man aus der Sicht der Urzeiten urteilen, doch wer kennt diese schon verbindlich. Eine Richtschnur könnte die alt indische Yuga-Rechnung bilden. Sind Indien und Ägypten nicht die einzigen alten Zivilisationen, die noch bestehen? Indien hat den Vorteil, dass die uralte vedische Tradition auch heute noch gelebt wird. Der Weise Swami Sri Yukteswar (1855-1936) bekam 1894 den Auftrag – von einem Heiligen aus dem Himalaya – ein Buch über Atma Jnanam (Selbsterkenntnis) zu schreiben, dazu gehört auch die Lehre der auf- und absteigenden Zeitfenster, welche das geistige Allgemeinbewusstsein des Planeten Erde immer wieder erneuern bzw. absteigen lassen, während einem Zyklus von 24.000 Jahren. Wer Interesse an Details hat, sollte das Buch von Swami Sri Yukteswar Die heilige Wissenschaft lesen. Darin erfahren wir von 12.000 Jahren eines aufsteigenden Zyklus und von 12.000 Jahre eines absteigenden Zyklus des geistigen ‘Wissens’. Jedoch ist der einzelne Mensch nicht ganz Sklave dieser Zyklen, durch Selbsterkenntnis kann man sich jederzeit darüber erheben.

Nehmen wir also an, dass das Reich des Alten Ägypten in einem Goldenen Zeitalter entstanden ist, ca. 12.000 vor Chr. Danach in die Phase einer Bewusstseinstrübung ging, die ca. um die Geburt Jesus’ den Tiefpunkt erreichte und danach wieder langsam aufwärtsstrebte (Daten basieren auf Erklärungen Sri Yukteswars). Folgern könnte man aus dieser These, dass die damaligen Menschen der 18. Dynastie aus der Ausstrahlung einer goldenen Zeit noch profitierten, dagegen unsere Interpretationsansätze aus einer anderen Sicht geprägt werden, schwingende Zeichen der Vergangenheit sind immer präsent.

Ich gehe davon aus, dass Hatschepsut und ihr Kreis mit dem alten Wissen verbunden waren, es inkarnieren sich immer gewisse Seelengruppen gemeinsam, wenn man eine höhere ‘Aufgabe’ durchzuführen hat. Daher gehe ich nicht konform mit der Annahme von Peter H. Schulze, dass die Herrscherin ihren engsten Kreis (Nehesi, Senmut, Hapuseneb und andere) einfach entlassen habe wegen verwaltungstechnischer Unstimmigkeit, nein, ich denke vielmehr, dass ihr Stiefsohn Thutmosis III den Weg zur Macht mit kriegerischen Eroberungen suchte, was völlig konträr zur Politik von Hatschepsut stand, die nur Kriege führte, wenn die Diplomatie versagt hatte und notwendig wurden zwecks Verteidigung des Landes. Sie war allerdings kein Feigling, sondern führte selbst mehrere Feldzüge an.

Thutmosis III wurde von Hatshepsut zum Mitregenten ernannt, zum Heerführer und hatte Macht, nur die Pharaokrone besaß er nicht. Die neue Strömung einer Ego-Gesellschaft konnte sich langsam aufbauen und ich sehe es durchaus als logisch, dass man versuchte Hatshepsut zu schwächen, indem ihre engsten Vertrauten entfernte oder tötete. Sie selbst zu töten, verbot noch das alte Ethos, dem auch Thutmosis III, der kein Träumer, wie sein Vater war, prägte. Auch hätte es zu einer Revolution durch die alten Familien kommen können, die noch eine spirituelle Philosophie lebten. Also entließ man sie in die Isolation. Mord an ihrem Stiefsohn war ihre Sache nicht. Die halbherzige ´Ausradierung‘ der Herrschaft Hatschepsuts kann zudem als Zeichen eines durchaus schuldbewussten Thutmosis III gewesen sein.  

Neben Senmut und Hapuseneb war sicherlich der General und Schatzmeister Nehesi (der Nubier) einer der großen Stützen der Pharaonin. Ich denke, dass er schon ihrem Vater diente und von diesem zum ´Leibwächter‘ seiner Tochter beauftragt wurde. Er besaß die Löwenkraft, die jeder männliche Pharao symbolisch besitzen musste.

Senmut und Hapuseneb bildeten geistige Verbündete und bauten auch die Tempel, wobei ich nicht mit der Bezeichnung Totentempel für Deir el-Bahari nicht konform gehe. Dieser Tempel war hauptsächlich ein Ort, an dem die Mysterien und die geistige Erneuerung zelebriert werden konnten.

Zudem bestehen in Kreisen der Ägyptologen große Zweifel, dass es sich um Hatschepsuts Mumie handelt, die seit Jahren immer wieder sensationssüchtig präsentiert wird. Hätten die damaligen Menschen gewusst, dass ihre Mumien nun als Schaustücke durch die Welt reisen würden, man hätte sicherlich davon Abstand genommen.

Ich habe diesen Artikel zur Anregung geschrieben, nicht alle aktuellen PR-Nachrichten aus der ägyptischen Welt unreflektiert zu übernehmen. Zudem habe ich ein Libretto für eine Oper über diese Zeit schon lange in der Schublade, welche ich aber nun umschreiben werde, denn neue Erkenntnisse, anhand langer Analysen und Meditationen, haben das Bild etwas ergänzt – eine spannende Entwicklung.

Link zum Übersetzen in andere Sprachen https://www.deepl.com/translator

Copyright Midou Grossmann 2022

Swami Sri Yukteswar Giri

Yuga system Swami Sri Yukteswar

What you always wanted to know about Leopold Stokowski

Einer der wichtigsten Dirigenten des letzten Jahrhunderts – Kurzfassung in Das Orchester – Sept. 2022 – erschienen


Leopold Stokowski – Prima la musica

Als Leopold Stokowski am 13. September 1977 in Nether Wallop, England, starb, hatte er fast ein ganzes Jahrhundert musikalisch geprägt. Er war Musiker, Dirigent, Orchestergründer, Wegbereiter der Moderne, Nachwuchsförderer und Visionär. Geboren wurde er am 8. April 1882 in London. Wagner, Brahms, Bruckner, Strauss und Mahler lebten damals noch, ebenso der erste Pultstar der Klassik, Hans von Bülow. Die Ära, in die Stokowski hineingeboren wurde, war musikalisch vielleicht die wichtigste für unsere Zeit.  

Schon in jungen Jahren traf Stokowski fast alle wichtigen Komponisten und lebenslange Freundschaften entstanden, die sich auch künstlerisch später als befruchtend erwiesen. So traf er Richard Strauss in Wien und in München während seiner ‘Lehrjahre‘ in Europa, später auch wieder in den USA. Als Richard Strauss seine eigenen Werke in Philadelphia dirigierte, wurden sie von Stoki, wie er dort genannt wurde, vorab einstudiert. Stokowski war bekannt dafür, dass er sich für die modernen Komponisten bis an sein Lebensende einsetzte, deren Musik er erst einmal vorbehaltlos studierte. Für so manchen Komponisten wurde er sogar zu einer Art Lebensberater, oft auch ein finanzieller Helfer.

Spätestens ab Kriegsbeginn 1914 wurden die Vereinigten Staaten musikalisch, wie auch privat, zu seinem Lebensmittelpunkt. Stokowski erlebte die Katastrophe, die zum ersten Weltkrieg führte, persönlich in München. Dort verbrachte er die Sommermonate 1912, 1913 and 1914 zusammen mit seiner ersten Frau, der Pianistin Olga Samaroff. Beide liebten das europäische Ambiente sowie die künstlerischen Kontakte. Als Erzherzog Ferdinand und seine Frau am 28. Juni 1914 in Sarajewo ermordet wurden, erkannte das junge Ehepaar sofort, dass es Krieg geben würde und flüchtete Hals über Kopf nach Rotterdam, mit nur etwas Gold und der Partitur von Mahlers 8. Sinfonie im Gepäck, um noch mit einem Schiff zurück in die USA zu gelangen. Dort angekommen, beantragte Stokowski umgehend die amerikanische Staatsbürgerschaft, die er auch 1915 verliehen bekam. Ab jetzt waren  die Vereinigten Staaten seine Heimat, da er schon 1905 als Organist nach New York verpflichtet worden war.

Die frühen Jahre in England

Seine Eltern waren Kopernick Stokowski (1862-1924) und Annie-Marion Moore. Kopernick Stokowski war ein Zimmermann und Tischler, der ebenfalls in Marylebone, London, als Sohn eines polnischen Vaters und einer schottischen Mutter geboren worden war. Stokowski hatte noch zwei Geschwister Lydia Stokowski Fanshawe (1883-1911) und Percy James Stokowski (1890-1978). Es werden immer wieder mysteriöse Geschichten über seine Abstammung erzählt, doch davon ist nichts wirklich belegbar. Musik muss im Hause Stokowski eine Rolle gespielt haben, wenn man auch arm war, sangen Leopold sowie sein Bruder Percy schon früh im Kirchenchor der Gemeinde. Leopold galt als Hochbegabter und erzählte selbst, dass die Musik das erste war, was ihm vertraut vorkam in seinem Leben. Unterlagen zeigen, dass er am 6. Januar 1886 – mit 13 Jahren – ins Royal College of Music aufgenommen wurde, er war damit der jüngste Schüler bis zu dieser Zeit. Im Januar 1889 wurde er in die Organisten-Klasse eingetragen. Dennoch muss er schon früher Orgel gespielt haben, wenn auch mit zu kurzen Beinen, wie er erzählt. Zu dieser Zeit erhielt er ebenfalls die Stelle eines Chormeisters sowie Orgelassistenten in der St. James’ Anglican Church, Piccadilly, London.

Neben unzähligen Presseberichten sowie Biografien über ihn, ist die Website stokowski.org von Larry Huffman sehr gut recherchiert. Sämtliche Konzertauftritte, Tondokumente und Informationen wurden hier sorgfältig zusammengetragen. Huffmans unbestechliche musikalische Sicht steht über jeder trivialen Spekulation oder ‘Society Gossip‘. Daher verzichte auch ich, angesichts des beachtlichen Schaffens Stokowski, auf Erklärung, warum man ihn zuweilen als Scharlatan bezeichnete, und ich schließe mich den Worten Huffmans an: “Sollen wir versuchen, diese Suche (Stokowskis) nach Geheimnissen und Neuheiten zu beurteilen?  Ist es nicht besser, sich auf die Musik und die musikalischen Darbietungen, die Freude und die Einsichten zu konzentrieren, die uns die sechzig Jahren seiner Tondokumente vermittelt haben?  Welchen Stellenwert haben die ‘Neuauflagen‘ seiner persönlichen Details und seiner Geschichte?  Die Musik ist der wichtigste Teil dieser Person, die ich als den größten Dirigenten des zwanzigsten Jahrhunderts betrachten würde.“ 4)

Belegt ist, dass der Dirigent Stokowski eine enorme künstlerische Ausstrahlung besaß, ja sogar eine transzendente Aura. Er konnte die Musiker zur höchsten Stufe der Konzentration führen. Diese sprachen von seinen ‚okkulten Fähigkeiten‘, die sie zu Bestleistungen angespornt habe. Man sagt, dass er vor jedem Konzert sowie in den Pausen meditiert habe, dann auf dem Weg zum Podium nicht mehr angesprochen werden durfte. Beim Publikum war er immer beliebt, denn er besaß das Flair des Besonderen, auch sein Klangempfinden konnte die Menschen im Innersten berühren, in seiner Kunst war er kein Scharlatan und als Mensch sicherlich auch nicht.

Stokowski lebte auch lange Jahre in Kalifornien und pflegte Umgang mit Philosophen und Gelehrten, er reiste öfters in den Orient und besuchte zudem die Yogis in Indien. Ihn interessierte der metaphysische Aspekt des Daseins. Zudem verstand er die Kunst, und im Besonderen die Musik, als eine Art wichtiger Bestandteil einer Gesellschaft. Sozusagen als rechte Gehirnhälfte, die die linke Seite, Politik und Wirtschaft, harmonisieren konnte.

Amerika – der rechte Ort zur richtigen Zeit

1905 als Organist nach New York verpflichtet, öffneten sich ihm dort bald viele Türen. Seine Orgelkonzerte wurden zum Geheimtipp unter Musikkennern. Hier schon knüpft er Kontakte zu seiner späteren Frau, Olga Samaroff (1882-1948), geborene Lucy Mary Olga Agnes Hickenlooper aus Texas.  Man erzählt auch, dass er ebenfalls in New York schon mit der mächtigen und reichen Familie Vanderbilt bekannt wurde. Die als schönste Frau der Welt bezeichnete Gloria Vanderbilt (1924-2019), wurde 1945 seine dritte Ehefrau. Eine Ehe, die immerhin 10 Jahre hielt und ihm zwei Söhne beschied. Seine zweite Ehe schloss er 1938 mit Evangeline Johnson, deren Vater zu den Gründern des Pharmakonzerns Johnson & Johnson gehörte und mit der er die beiden Töchter Sadja und Lyuba hatte. Aus der Ehe mit Olga Samaroff entstammt die 1921 geborene Tochter Sonya.

Schon in New York beschäftige sich Stokowski mit Orchestermusik, er spielte Transkriptionen der Tschaikowsky Sinfonien oder auch Werke von Komponisten wie Byrd und Palestrina, ebenso Opernmusik, inklusive Wagner. 1908 kündigte er seine Organistenstelle und begleitete Olga Samaroff nach Europa. Diese sollte im Mai 1909 als Solistin in Paris mit dem Orchestre Colonne auftreten. Glück half den beiden hier, der vorgesehene Dirigent erkrankte und Olga Samaroff konnte Stokowski als Einspringer durchsetzen. Die Pianistin schien über gute Verbindungen und große Willenskraft zu verfügen, denn einige Impresarios beobachten schon damals den jungen Musiker, der allerdings noch nie ein Orchester geleitet hatte.  Der allererste Konzertauftritt in Paris, mit Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1, wurde zu einem Erfolg und schon sechs Tage nach seinem Debüt in Paris, am 18. Mai 1909, hatte er seinen ersten Auftritt mit dem New Symphony Orchestra in der Queens Hall, London. Fünf Monate nach diesen erfolgreichen Anfängen, wurde er im Herbst 1909 zum Chef des Cincinnati Symphony Orchestra ernannt. 1911 heirateten er und Olga, die Ehe hielt zwölf Jahre.

Ouvertüre und erster Satz – molto espressivo

Mit dem Cincinnati Symphony Orchestra hatte er große Erfolge aber auch Reibereien. Der junge und ehrgeizige Dirigent verlangte wohl zu schnell eine Ausweitung der Aktivitäten, sowie Tourneen, was dazu führte, dass er schon nach zwei Jahren um Auflösung seines Vertrags bat, was ihm gewährt wurde. Europa war immer noch das Kernland der Klassik und München das Ziel Stokowskis als er am 12. April 1912 wieder die Reise per Schiff über den Atlantik antrat. Doch Ehefrau Olga bewies erneut ihr Talent als Managerin und verhandelte zwischenzeitlich mit dem Orchester in Philadelphia. Sie konnte umgehend ihrem Ehemann eine Zusage sowie einen Vertrag nach München melden. Im Oktober des Jahres traf der in Philadelphia ein, als erst dritter Chefdirigent, nach Fritz Scheel und Karl Polig. Mit seinem ersten Konzert am 12. Oktober 1912 begann für ihn sowie für den Klangkörper eine künstlerisch segensreiche Zeit, doch der Anfang war nicht leicht. Abram Chasins schreibt in seinem Buch, dass der Klangköper damals nur vier wirklich gute Musiker aufbieten konnte. Mit viel Geduld, Geschick und Zielstrebigkeit verbesserte Stokowski die Arbeitsbedingungen, schon nach der ersten Saison waren viele Musiker ausgetauscht worden.2)

Das Philadelphia Orchestra wurde unter Leopold Stokowski zu einem der renommiertesten des Landes, aktuell gehört es immer noch zu den ‘Big Fives‘ und zeichnet sich durch Flexibilität sowie Sensibilität im Klang aus, beides damals erarbeitet und eine Art Trademark Stokowskis, der auch gerne forderte: „Spielen Sie die Noten nicht, singen Sie diese.“ Die Zusammenarbeit des Orchesters mit Stokowski dauerte 30 Jahre. Gegründet 1900 von Fritz Scheel, gastiert der Klangkörper schon 1902 in der Carnegie Hall. Richard Strauss war 1904 mit Dirigaten seiner eigenen Werke als Gast und kam auch später wieder gerne in die Stadt, war mit Stokowski privat oft zusammen zu sehen. So soll sich Strauss, während der Besichtigung einer grandiosen Privatsammlung alter chinesischer Kunst, selbst als ‚Rokoko-Komponist‘ bezeichnet haben. (Interview Stokowski 1968).

Stokowski war ein Pionier auf vielen Gebieten und er führt Neuerungen ein, die auch heute noch Bestand haben. So wurden schon früh Jugendkonzert veranstaltet und natürlich war er ein Befürworter der Schallplatte, 1917 wurde die erste Produktion unter dem Label Victrola angegangen, unzählige folgten. Über 700 Tonaufnahmen schuf er zwischen 1917 und 1977. Es gelang ihm auch wichtige Sponsoren zu gewinnen, wie die Familie Bok, die dem Orchester beträchtliche Summen überschrieb und Defizite auffing. Auf der Website von Huffman ist zu lesen: „Stokowski überzeugte den Vorstand des Philadelphia Orchestra Anfang 1915, 17.000 Dollar (was heute etwa 360.000 Dollar entspricht) für die US-Premiere der 8. Mahler-Sinfonie bereitzustellen, und Stokowski bereitete die Aufführung in der Saison 1915-1916 vor.  Stokowskis Geschick bei der Organisation und der Öffentlichkeitsarbeit trugen entscheidend zum Erfolg bei.  Das Interesse des Publikums war so groß, dass Schwarzhändler 100 Dollar für die Premierenkarten erzielen konnten, was nach heutigem Wert etwa 2.100 Dollar entspricht.“ 4) Übersetzung

Auf dem Gipfel des Erfolgs

In den Upanischaden steht geschrieben: „Poesie ist subtiler als Prosa, ihr Rhythmus erzeugt eine höhere Einheit und lockert die Fesseln unseres Geistes. Aber Musik ist subtiler als Poesie, sie trägt uns über die Bedeutung der Worte hinaus in einen Zustand intuitiver Empfänglichkeit.“ Auch Stokowski bezog sich immer wieder auf diese Worte, er sah die Musik als gesellschaftlich wichtige Säule. In Philadelphia fand er verständnisvollere Partner als in Cincinnati um seine Visionen zu verwirklichen. Doch die Weltwirtschaftskrise und andere Turbulenzen stellten die Beteiligten immer wieder vor Herausforderungen, dennoch waren die fast 30 Jahre der Zusammenarbeit ein Highlight in der Orchestergeschichte, denkt man nur an die Tournee des Klangkörpers 1936 durch 27 Städte in 35 Tagen, 33 Konzerte fanden statt, finanziert wurde das von RCA Victor. 

Zwischen 1937 und 1939 hielt sich der Dirigent in Kalifornien auf, traf sich mit Walt Disney, was zu einer intensiven Zusammenarbeit führte. Der Film ‘Fantasia‘ ist heute noch verfügbar, dennoch zeigen die Dokumente nur Bruchteile der ursprünglichen Arrangements. Anfänglich arbeitete der Maestro sogar ohne Gage, das Filmgeschäft interessierte ihn enorm so wie auch Greta Garbo, mit dem ihn eine Romanze verband. Eingespielt wurde die Musik zu ‘Fantasia‘ noch mit dem Philadelphia Orchestra. Langfristige Pläne für Ballett- und Opernaufführungen konnte er leider nicht verwirklichen. Der große Traum von einem alle Sparten umfassenden Musikzentrum manifestierte sich nicht. So war es Zeit für etwas Neues und er gründete das All-American Youth Orchestra im Jahr 1940. Eugene Ormandy wurde zum alleinigen Chef in Philadelphia und blieb es bis 1980.

Aus 1000 jungen Musiker formte Stokowski ein Orchester, mit dem er sofort eine Südamerika-Tournee startete. 1941 integrierte er jüngere Musiker (zwischen 19 und 22 Jahre) in das Orchester und startete eine Sommer-Tournee durch 51 Städte in den USA und Kanada, finanziert wurde es aus seiner Privatschatulle. Für die jungen Musiker waren diese Tourneen der Einstieg zu Positionen bei den großen Orchestern, zudem waren die Konzerte bei dem Publikum enorm beliebt. Mit nun fast sechzig Jahren näherte sich Stokowski einem Alter, in dem man in der damaligen Zeit schon einmal an Ruhestand denken durfte. Das war nicht nach seinem Geschmack, er dirigierte bis kurz vor seinem Tod 1977 (95 Jahre alt), Auftritte waren bis 1982 eingeplant.

Er agierte nun kurzfristiger und verteilte sein musikalisches Genie an verschiedene Klangkörper. So war er am Pult des NBC Symphony Orchestra von 1941-1943 zu erleben. Ursprünglich war dieses Orchester für Toscanini gegründet worden, dieser benötigte eine Schaffenspause und so übernahm Stokowski, der angeblich der einzige Dirigent dieser Zeit war, der dieselbe Gage wie Toscanini forderte und auch erhielt. 4)  Als Toscanini wieder zum NBC Orchester zurückkam, konnte man beide Dirigenten am Pult erleben. In dieser Zeit fing Stokowski an ohne Taktstock zu dirigieren, man sagt, wegen einer Entzündung in der Hand, jedenfalls war er fortan taktstocklos zu erleben und seine großen ausdrucksstarken Hände konnten sehr viel bewirken. 4)

Für das NBC Orchester war das eine inspirierende Zeit, denn man hatte nun nicht nur ein weiteres Pultgenie verpflichtet, sondern tauchte zudem ein in die Welt der zeitgenössischen Musik. Stokowski dirigierte viele Premieren der neueren Musik wie Prokofievs ‘Symphonic Cantata‘, Ausschnitte von Prokofievs Opern, Stravinskys ‘Feuervogel Suite‘, Gustav Holsts ‘Die Planeten‘ and Ralph Vaughan Williams Sinfonie Nr. 4 wurden ein Erfolg, ebenso die Plattenmitschnitte. Stokowski und das Orchester glänzten zudem mit Debussys ‘Prélude à l’après-midi d’un faune’, Tchaikovskys ‘Slawischer Marsch op. 31‘ sowie dessen Sinfonie Nr. 4, auch Stokowskis Transkriptionen von Bach und Chopin kamen ins Programm, viele davon wurden ebenfalls auf Tonträger aufgenommen von RCA Victor. 4) Das ist und bleibt Musikgeschichte sowie eine Dokumentation einer Zeit, die sich der Musik verpflichtet gefühlt hat und nicht den Verkaufszahlen. Eine solche Aufbruchsstimmung fehlt aktuell gänzlich. Man kann sogar sagen, die Klassik ist heute in der Gesellschaft nicht wirklich präsent und kämpft ums Überleben mit Anpassung an Showelemente sowie mit Starallüren so mancher Künstler.

Während des zweiten Weltkriegs war der ‘griechische Apoll‘, wie der Dirigent auch genannt wurde, zudem aktiv mit Konzerten für die Armee. Des Weiteren gründete er zusammen mit dem Bürgermeister von New York, La Guardia, 1944 die New York City Symphony, welche seinen Wunsch nach niedrigen Eintrittspreisen umsetzte. Die Konzerte waren ein Erfolg, die aufstrebende Mittelschicht in der Boom-Stadt New York bildete das Publikum. Das Orchester wurde später von dem jungen Leonard Bernstein übernommen.

1945 sah man Stokowski wieder in Kalifornien. Er gründete dort das Hollywood Bowl Orchestra. Dieser magische Ort war wie für ihn wie geschaffen. Neben den versierten Orchestermusikern aus dem LA Philharmonic Orchestra, engagiert er die besten Musiker der Filmbranche sowie einige europäische Emigranten, die es bis nach Los Angeles geschafft hatten. Er dirigierte dort allerdings nur zwei Sommer, man sagt seine dritte Frau – Gloria Vanderbilt – soll nach der Ostküste verlangt haben. Kalifornien mit seinem ‘New Spirit‘, der sich offener und kreativer präsentierte als das Establishment der Ostküste, wäre für ihn ideal gewesen, seine Visionen künstlerisch zu verwirklichen. Auch seine Begeisterung für die Oper hätte er im Hollywood Bowl umsetzen können, es soll zudem Pläne für Outdoor-Produktionen gegeben haben. Außer einer unglücklichen Episode 1961 an der Met, mit Puccinis ‚Turandot‘, die er unter Schmerzen leitete, da er sich beim Spiel mit seinen kleinen Söhnen die Hüfte gebrochen hatte, gab es keine weiteren Engagements in Sachen Musiktheater. Lange vor Stokowskis Zeit in Los Angeles, fanden im Hollywood Bowl große Chorkonzerte, wie auch Opernaufführungen statt.  Selbst Wagners ‚Walküre‘ wurde dort szenisch aufgeführt.

Die Werke Richard Wagners schätzte er und führte immer wieder Ausschnitte daraus auf. Den ‘Parsifal‘ auch einmal in Gänze im Frühjahr 1933 in Philadelphia, an drei verschiedenen Tagen. Zwei Konzerte wurden im Columbia Radio übertragen. Neben den bekannten Transkriptionen verschiedener Werke Bachs, hat er auch für Wagners Opern Transkription/Arrangements verfasst, welche aktuell wieder aufgeführt werden. Auch die damalige ‘Parsifal‘-Aufführung war als Arrangement Stokowskis bezeichnet. 1933 war Wagners ‚Parsifal‘ wohl noch ziemlich unbekannt, und Stokowski sah sich immer gerne als eine Art ‘Forrunner‘ der Kultur, scheute sich nie Noten zu übersehen bzw. abzuändern, im Gegensatz zu Toscanini.

Weltweite Engagements – unermüdliches Entdecken und Lernen

Wieder in New York, begann der Dirigent seine Arbeit mit dem New York Philharmonic Orchestra. Arthur Judson, dessen damaliger Manager von Columbia Artist, kontaktierte Stokowski und bot ihm die Position des Principal Guest Conductor an. Chefdirigent war Artur Rodzinski, der aber bald darauf seinen Vertrag kündigte. Stokowski teilte sich dann von 1949 – 1950 mit Dimitri Mitropoulos das Amt des Chefdirigenten. Aus dieser Zeit gibt es eine Menge hervorragender Mitschnitte, doch als Mitropoulos 1950 zum alleinigen Chefdirigenten ernannt wurde, zog sich Stokowski zurück und begann seine europäische Karriere wieder zu beleben. Beide Dirigenten schätzten sich, doch war es wohl das Orchester, welches für Mitropoulos tendierte. William R. Trotter schreibt, dass der bekannte Oboist Marcel Tabuteau über Stokowski sagte, dass dieser wie wohl keiner in den Dimensionen von Engeln lebte und musizierte, aber dass für ihn Mitropoulos der größte Dirigent der damaligen Zeit war.  Trotter berichtet auch von einem Statement Oliver Daniels die Orchestersituation in New York betreffend. „Warum sollten die Orchester Loyalität zeigen? Sie waren mehr an ihren Kartenspielen hinter den Kulissen interessiert als an der Musik. Sie liebten es nicht so viel neue Musik einzustudieren, die mehr Konzentration und Proben erforderte als die alten ‘Schlachtpferde‘ der Klassik, die sie sogar im Schlaf spielen konnten. Bruno Walter war ihnen lieber als Stokowski oder Mitropoulos.“ 3) Stokowski allerdings überlebt alle und bis zu seinem Tod bereiste er fast jedes Land in Europa, auch den Ostblock sowie Japan. Gleichzeitig weitete er auch die Auftritte in den USA aus. Seine Energie wurde zweifelslos von den Engeln immer wieder erneuert

1954 suchte das Houston Symphony Orchestra nach einem neuen Chefdirigenten und 1955 unterzeichnete der 73jährige einen Vertrag für 3 Jahre. Houston erlebte ein musikalisches Upgrade mit diesem Engagement, Radio- und Fernsehübertragungen der Konzerte fanden regelmäßig statt. Im Oktober 1955 startete er mit der Premiere der 2. Sinfonie von Alan Hovhaness (1911-2000) ‘Mysterious Mountain‘, die im Radio übertragen wurde. Leider blieben Reibereien mit dem Orchestermanagement nicht aus, wie auch schon bei früheren Engagements, machte der Maestro keine Kompromisse und er verließ Texas, in dem er nie so wirklich angekommen war.

1960 erfolgte dann die ruhmreiche Rückkehr nach Philadelphia. Ich habe mit einigen Musikern gesprochen, die damals mit ihm musizierten. Damals fand Stoki auch noch Musiker aus seiner ersten Zeit dort vor und der berühmte Stokowski-Klang war sofort wieder erlebbar. Nur größte Hochachtung und Zuneigung sind auch heute noch in Gesprächen zu erfahren. Stokowski stand für das musikalische Philadelphia während Jahrzehnten und der aktuelle Bekanntheitsgrad des Orchesters ist durch ihm gegründet worden. Der Violinist Herbert Light war schon in jungen Jahren beim Philadelphia Orchestra engagiert und erlebte Stokowski 1960 als Dirigent mit Mahlers 2., das blieb für ihn ein tiefgehendes Erlebnis. Er hatte auch das Glück mit ihm während einer Zugfahrt nach Tanglewood im Speisesaal den Tisch zu teilen und erinnert sich lebhaft an ein Gespräch Bogenführung und Klangmöglichkeiten der Geige betreffend, beides war für den Dirigenten immer von enormer Wichtigkeit.

Dass Stokowski eine Art ‘König‘ von Philadelphia war, bestätigte mir zudem seine musikalische Assistentin und Orchesterbibliothekarin Nancy Shear, die mit ihm bis einige Wochen vor seinem Tod zusammenarbeitete. Er erlaubte ihr seine Proben zu besuchen als sie 16 war, danach war sie halbtags in der Musikbibliothek des Orchesters und auch zugleich privat für Stokowski in New York tätig. Nancy Shear sieht in Stokowski einen Menschen, der seiner Zeit weit voraus war. Fokussiert darauf, die Klassik allen Schichten der Gesellschaft näherzubringen, im Besonderen Kinder und Jugendliche zu gewinnen, denen er immer große Aufmerksamkeit sowie Vertrauen bekundete. Sein Wunsch war es auch die Menschen, die sich keinen Konzertbesuch leisten konnten, einzubeziehen. Für ihn war das Leben ein fortwährender organischer Prozess, der immer neue Formen der Kreativität hervorbringen würde. „Keine Probe, kein Konzert klang gleich bei ihm“, so Nancy Shear. „Musizieren war immer ein lebendiger Prozess, der jedes Mal aufregend neu erschien.“ – „Er war ein sehr privater Mensch, der selten sein Innerstes zeigte, wir aber bekamen gute Freunde in New York, später in England sowie in Frankreich von 1972 bis zu seinem Tod 1977. In seinem Haus in Südfrankreich brachte er mir sogar das Pokerspiel bei. Dabei erzählte er von den Poker-Partien mit Rachmaninow während den Ozeanüberquerungen, die sie gemeinsam gemacht hatten. Im Besonderen war er sehr misstrauisch den Journalisten gegenüber und erzählte öfters Geschichten mit falschen Fakten während den Interviews, weil er nichts enthüllen wollte.“ Natürlich benutzte auch er später Flugzeuge und bedauerte gegenüber Nancy Shear die viele Zeit, die er auf den Ozeanriesen verbracht hatte, doch seine Abneigung gegen das Fliegen resultierte wohl aus einem Flugzeugabsturz, den er 1945 überlebte.

American Symphony Orchestra 1962-1972

Nach den Erfahrungen in Houston dachten viele, dass Stokowski nach New York gehörte, dort hatte er auch seine Karriere in den USA begonnen. Die New Yorker Philharmoniker waren zwischenzeitlich in das Lincoln Center umgezogen, und man suchte wieder ein Orchester, dass die Carnegie Hall präsentierten konnte. Zudem wollte Stokowski sich erneut in New York beweisen, er hatte zwar die Entscheidung der NYPO für Mitropoulos elegant weggesteckt, doch wohl nicht vergessen. Am 26. April 1962 wurde das American Symphony Orchester, das noch heute besteht, gegründet. Mittlerweile war Stokowski achtzig Jahre alt, doch seine künstlerische Energie war ungebrochen, endlich konnte er wieder ein Orchester nach seinen Vorstellungen aufbauen. Er musste nichts mehr beweisen, auch unterstützte die gesellschaftliche Aufbruchstimmung dieser Zeit seine Visionen.  Er blieb seinen Idealen treu, engagierte herausragende junge Musiker aus verschiedenen Ländern, darunter viele Frauen, junge Dirigenten wie Itzhak Perlman sowie die erfahrenen und angesehenen Karl Böhm und Igor Markevitch. Auch wurde Judith Somogi in der zweiten Saison seine Assistentin. Er zahlte gute Gagen, auch an die Musiker, die nicht in einer Gewerkschaft waren. Als die Planung der ersten Konzertserie an der Finanzierung zu scheitern drohte, kam er aus seinem Sommerurlaub in Europa zurück und finanzierte das Orchester mit USD 60.00 aus seiner eigenen Tasche, er dirigierte zudem über Jahre ohne Honorar.2)

Hier eine Programmzusammenstellung aus dieser Zeit:

Contemporary Music Society concert

Alan Hovhaness (1911-2000) -The Burning House, one act opera opus 185 (1959): Overture

Donald Erb (1927-2008) – Four for Percussion – percussive tone row sound

Lou Harrison (1917-2003) – Suite for Symphonic Strings: Estampie – Et in Arcadia Ego – In Honor of Hercules – In Honor of Eros – Lament – In Honor of Apollo – Viola’s Reward – In Honor of Hermes – Nocturne

Richard Donovan (1891-1970) – Soundings (1953) 4)

Sein großes Engagement für neue Musik zeigte er auch 1965. Nach jahrelangen Arbeiten hatte man Charles Yves 4. Sinfonie rekonstruiert und sie wurde zum ersten Mal im Manhattan Center aufgeführt. Ein mediales Ereignis. Man benötigte 10 Proben sowie drei Dirigenten, ein interessantes Video mit Interviews ist aktuell noch verfügbar.

In den ersten drei Jahren baute das Orchester vier Konzertreihen auf: Reguläre Konzerte zu niedrigen Eintrittspreisen, Jugendkonzerte für Teenager, Konzerte für Kinder ab acht Jahren und zudem noch Konzerte für Kinder zwischen fünf und sieben Jahren. Stokowski wollte zeitig eine Generation von Musikliebhabern gewinnen. Viele bekannte Persönlichkeiten sowie Künstler in New York bekamen Sponsoren, das größte Geschenk von USD 1,5 Millionen spendete die Ford Foundation. Das New York Board of Education plante alle Schulkinder unentgeltlich in die Konzerte zu bringen. Der 83-jährige Maestro blühte formlich auf und kooperierte zudem mit den United Nations, indem er jedes Jahr ein internationales Eröffnungskonzert veranstaltete, um somit Menschen vieler Nationalitäten zu verbinden.  2)

Zwischendurch war Stokowski immer wieder in Philadelphia sowie auch in Europa. Er gastierte mit den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig, in den Städten Frankfurt, Stuttgart, Saarbrücken. Mit dem HR-Sinfonieorchester arbeitete er 1955 zusammen, unter dem Titel ‚Berühmt und berüchtigt‘ kann man auf deren Website nachlesen, was so alles passieren konnte, wenn ein Weltstar in das Nachkriegsdeutschland kam. Hans Werner Henze verpasste damals seine eigene live Uraufführung ‘Quattro poemi‘. Wenngleich Stoki in jungen Jahren in München viel Zeit verbrachte, ist dort kein Konzert mit ihm in späteren Zeiten in den Verzeichnissen vermerkt. Interessant noch die Konzertprogramme aus Cincinnati ganz zu Beginn seiner Karriere. 1910, Richard Strauss ist mit ‚Tod und Verklärung‘ vermerkt, doch sind auch viele Konzerte mit Musik von Richard Wagner zu entdecken. Zu Bruckner fand er keinen Zugang, Werke von ihm hat er wohl nur zwei Mal aufgeführt. Mahler dagegen gewann sein Interesse. 4) Auch von Mozart gibt es nur zwei Aufnahmen, obwohl er Ausschnitte aus dessen Opern öfters aufs Programm setzte. Dennoch, die ungeheure Fülle sowie die Vielseitigkeit der Programmgestaltung, das breite Repertoire sowie die unermüdliche geistige Auseinandersetzung mit der Musik, machen ihn sicherlich zu einem der wichtigsten Dirigenten des letzten Jahrhunderts.

Sein Klangideal, seine Ziele, seine Philosophie

Schon in einem Interview in New York im Jahr 1950 sprach er davon, dass es in der Zukunft weniger gute Dirigenten geben würde, weil die Ausbildung einfach nicht genügend Praxis vermitteln könne. Wer habe wohl als Dirigent sein Instrument zuhause? Er forderte mehr Sommercamps und Übungsmöglichkeiten mit den großen Orchestern für junge Dirigenten. Was den ‚rich lush‘ (reichen und üppigen) Klang von Stokowski betrifft, der gerne so beschrieben wird, so darf man sich nicht vorstellen, dass es ein Einheitsklang war. Sein Interesse an zeitgenössischer Musik erlaubte das mitnichten. Zum Beispiel ein beliebtes Encore: Morton Goulds ‘Guaracha‘, aus ‘Latin-American Symphonette‘, ist ein heißer Rumba-Rhythmus und den musiziert Stokowski sehr überzeugend. Der reiche und üppige Klang ist dann aber wieder passend für Elgars ‘Nimrod‘, aufgenommen in Prag mit der Tschechischen Philharmonie. Sein Klangideal trug er in seiner Seele und konnte es jedem Orchester fast telepathisch vermitteln.  

Stokowskis Buch “Music for All of Us” ist durchaus wertvoll, er scheint sogar visionäre Einsichten besessen zu haben. Er prophezeit im Kapitel “Music and World Culture”, dass die Welt an einen Scheideweg der Entscheidungen kommen könnte: “Es ist wichtig, einen Weg zu finden, das Leiden mit intensiver Freude auszugleichen – dann wird das Leben voll und vollständig sein. Manchmal ergibt das Zusammenspiel von Leid und Freude, wie Schatten und Sonnenschein, ein pulsierendes, reiches Leben, aus dem das Höchste in Kunst und Musik wachsen kann.“ Und weiter: “Die Situation der Welt und die aller Menschen werden mit zwei Möglichkeiten konfrontiert sein. Die eine ist es, mit negativen und zerstörerischen Kräften weiterzumachen – einer Reihe von Kriegen – jeder Konflikt bereitet den nächsten vor. Da diese Kriege nicht mehr lokal, sondern weltweit stattfinden, ist es möglich, dass sie mit der Zeit alle Künste – alles Lernen – alle Institutionen der Wissenschaft – die schönen Gebäude der Vergangenheit – die Zentren der Kultur zerstören werden. Schlimmer noch, sie können die Hoffnung in den Köpfen und Herzen der Menschen zerstören, so dass es keine Vision für die Zukunft gibt – keine Erleuchtung – sondern nur Verzweiflung.” 1) (Übersetzt) Diese Worte gelten auch noch für die Gegenwart, denn seine angedachte Utopie inmitten des 2. Weltkriegs konnte sich nicht manifestieren. Im Gegenteil, aktuell stehen wir an einem Wendepunkt in der Weltgeschichte.

Was macht einen Dirigenten zum Maestro

Das Berufsleben eines Dirigenten ist nicht einfach. Am Anfang kann das Talent noch tragen, aber wenn die Routine und der Kampf ums Überleben zwischen Agenturen, Managern, Intendanzen und Presse beginnt, dann benötigt man eine starke Persönlichkeit sowie enorme Stärke mit Weitsicht, um das Talent und die musikalischen Überzeugungen zu festigen und zu intensivieren. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Aktuell sehen wir den Trend in der die Klassik, dass man sich am Showbusiness anzupassen versucht, was nun in die ganz falsche Richtung geht. Zudem leidet die Klangqualität unter solchen Äußerlichkeiten. Aktuell klingt fast jedes Orchester ähnlich, was auf gewisse Art und Weise auch für die Singstimmen zu gelten scheint. Was bedeutet nun Klangtradition und wie wird sie entwickelt? Früher wurde oft von einem Dirigenten verlangt, das Orchester zum Fliegen zu bringen, alle auf einem Atmen schwingen zu lassen und dazu noch das Publikum einzubeziehen. Das sind dann die sogenannten Sternstunden. Liest man Konzertrezensionen über Stokowskis Auftritte, dann dürfte das beim ihm stattgefunden haben, und zwar ziemlich oft. Sicherlich war ein ‚wissender‘ Künstler, denn in seinem Buch schreibt er auch über die verschiedenen Dimensionen des Geistes, mit denen man Musik erleben könne. Eine transzendente Form des Musizierens war ihm bekannt sowie ein Anliegen. Die Klangsprache eines Orchesters beruht zudem auch auf der Ebene des Bewusstseinszustands aller im Moment des Musizierens. Aus dem tiefsten Inneren heraus findet man Ausdrucksformen, die so nicht über den Intellekt entstehen können.

Stokowski wusste ebenso viel über die Beschaffenheit der Instrumente sowie deren Handhabung. Im Besonderen war die Bogenführung bei den Streichinstrumenten für ihn von größtem Interesse. Auch der Platzierung der Instrumentengruppen innerhalb des Orchesters widmete er lebenslange Aufmerksamkeit und experimentierte immer wieder. Auch hier finden sich interessante Sichtweisen in seinem Buch, wie auch Aufnahmetechniken, Frequenzen und Modulationen betreffend, bis hin zur Filmmusik. Während seiner unzähligen Reisen rund um den Globus hat er die verschiedenen Urformen der Musik erkundet, die antiken Instrumente im Alten Ägypten, ebenso wie die in Persien, Indien und selbst die in Afrika sowie in Südamerika studiert. Diese Aktivitäten waren sicherlich auch ein Grund für seine enorme Geisteskraft bis ins hohe Alter hinein. Die meisten seiner Freunde bestätigen ihm musikalische Genialität sowie eine enorme Kreativität.

Am Ende seines langen Lebens kehrte er wieder nach Europe und England zurück, wo er auch starb. Der Lebenskreis schloss sich, wo er angefangen hatte. Laut Wikipedia leitete er 7000 Konzert, davon 2000 Uraufführungen. Mit dem London Symphony Orchestra verband ihn eine über 60jährige Tätigkeit. 1972 feierte Stokowski seinen 90. Geburtstag und gleichzeitig den 60. Jahrestag seines Debüts mit dem Orchester. Er dirigierte das LSO in der Royal Festival Hall mit demselben Programm, das es 1912 gespielt hatte. Auf dem Programm stand das Violinkonzert von Glazunov, das 1912 von Efrem Zimbalist gespielt worden war, 1972 war es Silvia Marcovici. Auch auf dem Video von dem Ereignis, ist der warme, runde Stokowski-Klang wieder hörbar.

Ein Leben im Dienst der Musik, ist ein gelungenes, so wie es Stokowski selbst beschreibt:

Viele Künstler sagen während ihrer Arbeit immer wieder: “Ich fühle mich, als ob ich es nicht selbst täte – etwas treibt mich an – die Sache scheint von selbst zu wachsen – oft mit großen Schwierigkeiten.” Dieses Gefühl, das über uns hinausgeht – dass wir nur der Kanal des Ausdrucks sind – macht jeden Egoismus unmöglich – macht uns demütig vor den unsichtbaren, aber allmächtigen Kräften, die wir in uns und in allem Leben spüren. 1)

Copyright Midou Grossmann 2022

[i] 1)       Music For All of Us. – Leopold Stokowski – Simon and Schuster, New York 1943

2)         Leopold Stokowski – A Profile by Abram Chasins – Robert Hale – London 1981

3)         Priest of Music -The Life of Dimitri Mitropoulos – William R. Trotter – Amadeus Press 1995

4)         Larry Huffman – http://www.stokowski-org

5)         YouTube – Videos, Interviews Stokowski

6)         https://www.library.upenn.edu/collections/special-notable/groups/leopold-stokowski-collection


 

Bitte entschleunigen!

Was wünscht man sich für 2030

Morning Meditation – Encinitas Gardens SRF – around 1983

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass unsere Lebenssituationen immer schneller, hektischer werden. Zwei Jahre auf Sparflamme wegen Corona, nun scheint ein Hype vorzuherrschen, der ungesund ist. Na ja, was verstehen wir unter ungesund, in einem Zeitalter der kontrollierten Gesundheit bzw. einer Überfokussierung auf Krankheit??? Alles hat mit Bewusstsein in diesem Erdendasein zu tun und auch Gesundheit ist Bewusstseinsarbeit. Horrormeldungen strömen ununterbrochen auf uns ein, gleichzeitig steigen die Anforderungen an den erfolgreichen Menschen. Coaching, Yoga, Meditationen, Motivationsseminare sind ebenso im Aufwind, wie die Religionen im Abseits. Ja, wir erleben den Anfang einer Zeitenwende. Doch ein Goldenes Zeitalter wird es nicht werden. Respekt, Frieden und harmonisches Miteinander sind noch Utopien auf dem Planeten. Dennoch müssen neue Wege gefunden werden, um einer besseren Zukunft den Weg zu bereiten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es für viele Menschen mit dem Euro bergab ging. Gerade die DM-Generation, die ihre Lebensleistung mit dieser Währung abgeschlossen hatte, ein freies Europa kannte, musste Einbußen hinnehmen. Der Abbau vieler sozialen Leistungen war in Deutschland für manche Menschen schon enorm, unüberlegte Einschnitte und Preissteigerungen fingen mit dem neuen Jahrtausend gezielt an, das war spitze in Europa. Es waren nicht alle betroffen, so konnte man testen, wo und wie man eingreifen konnte, in die Leben der Menschen ohne eine Revolution. Die Franzosen haben früher verstanden, aber hier im Land lachte man über die Gelbwesten.

Aktuell scheint Vieles außer Kontrolle geraten zu sein, auch in den Köpfen. Gehirnsynapsen sind blockiert, eine positive Kreativität ist nicht bemerkbar, zumeist bestimmen nur marktkonforme Aktionen die Medien. Impf- und Testmillionäre werden, das ist der Traum vieler junger Menschen. Gesundheit wird nun zum Wirtschaftsmodell. Zurück geht kein Weg, vorwärts geht es nur durchs Gestrüpp. Lasst uns also Pfade anlegen, im Sinne einer humanen Gesellschaft, basierend auf ethischer Loyalität, Respekt vor der Natur und den geistigen Werten der Vergangenheit, die sich bewährt haben. Wir sind aktuell nicht der Gipfel einer Zivilisation, Lösungen können nicht über Nacht via Zoom-Konferenzen gefunden werden. Ein langer Weg steht uns bevor, dennoch müssen die Menschen versuchen ihr Innerste zu erkunden, das benötigt Zeit, was auch immer Seminarleiter versprechen: Erleuchtung ist keine Ware. Der Weg ist das Ziel! Das gilt zudem für die Klassikszene. Musik ist ein großer Heiler, aber wie sie aktuell benutzt wird, scheint der falsche Weg zu sein. Klassik ist nicht Entertainment, sondern erfordert Sorgfalt, inneres Wissen und Demut.  Musik zum Abschalten!

Copyright Midou Grossmann 2022

War früher alles besser, auch die Kunst???

Erinnerung an Wolfgang Ziemssen – Schauspieler und mehr….!

Heute fand ich diese Hommage (von 2010) an einen außergewöhnlichen Künstler in meiner Artikel-Datei. Ja, er verstarb schon 2012, dennoch veröffentliche ich den Text hier. Damals erschien er in den Bayreuther Festspielnachrichten. Künstler mit seiner ethischen Loyalität gibt es nicht mehr viele. Es wäre zu wünschen, dass wir die enorme Entgeistigung in der Kunst sowie in der Gesellschaft schnell überwinden können!

Foto Copyright Midou Grossmann 2010

‚Lohengrin’ und ein Affenkostüm in New York

Der Schauspieler Wolfgang Ziemssen und ‚sein’ Richard Wagner

Midou Grossmann 2010

Die Musik hatte für Wolfgang Ziemssen immer eine große Bedeutung, sie war für ihn eine Kraftquelle. Privaten Gesangsunterricht erhielt er schon in jungen Jahren. Selbst als Operetten-Buffo ist er aufgetreten, u.a. als Ottokar in ‚Der Zigeunerbaron’ und als Wenzel in ‚Die verkaufte Braut. Eine besondere Liebe hegt er aber für die Opern Richard Wagners. Als er im jugendlichen Alter den ‚Fliegenden Holländer’ an der Kieler Oper zum ersten Mal sah, war’s um ihn geschehen, noch heute besitzt das Werk einen besonderen Stellenwert für ihn. Die eindrucksvolle Ouvertüre ging sofort unter die Haut, er wurde förmlich weggetragen in die aufpeitschende Gischt der Wellen, so etwas vergisst ein ‚Kieler Jung’ nie mehr, der selbst ein begeisterter Segler war und die Ostsee als Skipper oft durchsegelt hat. Wagner hat für ihn die Oper revolutioniert: „Er war ein Reformer, ein Genie, der etwas ganz Neues geschaffen hat, ein einmaliges Gesamtkunstwerk. Er war der Erste, der sich von der Tradition der Arienoper distanzierte und eine durchkomponierte Handlung schuf. Wagners Texte sind gewaltig, basierend auf einer musikalischen Kunstsprache, die zusammen mit der Musik einen gigantischen Klangteppich bildet. Die gestalterische Dichte fasziniert mich, ja, berauscht mich zuweilen. “ Ebenso beeindruckend ist für ihn die inhaltliche Fokussierung Wagners auf die vielschichtige mythologische Thematik seiner Opern.

Wolfgang Ziemssen hat, abgesehen von den Frühwerken, alle Wagneropern auf der Bühne erlebt. Den ‚Fliegenden Holländer’ sah er in den Fünfziger Jahren auch auf dem Grünen Hügel in Bayreuth, mit Anja Silja als Senta, sie hat ihn damals tief beeindruckt. Ebenso, wie der geniale Wieland Wagner mit seiner neuen Schaffensperspektive, die erfolgreich den Bayreuther Neuanfang markierte. „Eine ungeheure künstlerische Energie hat Bayreuth damals geprägt“, so Ziemssen, der auch im Gespräch Wieland Wagner und Anja Silja kennengelernt hat: „Frau Silja brachte frischen Wind in die weihevolle Atmosphäre der Festspiele, sie brauste mit ihrem roten Cabriolet durch die Stadt, jeder kannte sie. Sie wirkte ungeheuer modern und losgelöst frei und dennoch war sie eine echte Künstlerin. Von dieser Frau musste man einfach fasziniert sein. Dass Wieland ihre große Liebe war, das sah man sofort.“

In New York erlebte Ziemssen am 4. 12. 1976 die ‚Opening Night’ des ‚Lohengrin’, in der Regie von Gustav Everding, die ersten Takte der Ouvertüre trugen ihn gleich in andere Dimensionen, für Helden und Mystik hatte er schon immer ein Faible. Es sangen (laut Internet): Lorengar, Dunn, Kollo, McIntyre, Giaiotti, am Pult stand James Levine. Doch auch die Beobachtungen hinter der Bühne waren für ihn hoch interessant. Sein Freund, der Bassbariton Gerd Nienstedt (Heerrufer), nahm ihn mit in die Kulissen der Met. Die ungezwungene Art der Amerikaner imponierte ihm ungemein. Beeindruckt war er auch von der Lässigkeit Levines, dem er auf dem Platz vor dem Haus manchmal begegnete. Damals gastierte Ziemssen in New York und feierte Triumphe mit Kafkas Ein-Mann-Stück ‚Ein Bericht für die Akademie’. Als Ziemssens Affenkostüm einmal Schaden nahm, brachte Nienstedt es in die Kostümabteilung der Met, die das Fell sofort ausbesserte. Alle waren neugierig auf den Affenmann aus Deutschland, der das Chelsea Theatre jeden Abend füllte. Mit weiteren deutschsprachigen Künstlern, zu denen auch Herbert von Karajan gehörte, wurde er vom gerade gewählten Präsidenten Jimmy Carter sogar im Weißen Haus empfangen.

Wolfgang Ziemssen, Jahrgang 1928, beginnt 1945 eine Schauspielausbildung in seiner Geburtsstadt Kiel, die das Rüstzeug für eine lange, erfolgreiche Karriere gibt. Seine Berufung zum Theater entdeckt er schon als Kind, mit 14 Jahren debütiert er in seinem ersten Film (‚Das Ferienkind’ mit Hans Moser). Begegnungen mit Schauspielgrößen wie Bernhard Minetti, René Deltgen und Elisabeth Flickenschild prägen und inspirieren ihn. Seine ersten Bühnenengagements führen ihn durch das vom Krieg zerstörte Deutschland,  schmutzige Theater sowie möblierte Zimmer in kaputten Städten gehören ebenso zum Alltag wie Hunger und Kälte. Aber seine Begeisterung für das Theater und die Kunst sowie sein lebensbejahender Optimismus gaben ihm immer wieder die Kraft sich nach harten Schicksalsschlägen durchzusetzen und aufzustehen, wie nach dem Tod seiner Frau (2008) oder einer Zungenkrebserkrankung (1985). 1968 kommt Wolfgang Ziemssen als Schauspieler an das Staatstheater Wiesbaden, als festes Ensemblemitglied bleibt er dem Haus bis 2003 erhalten. In dieser etwas sonderbaren Stadt, die mit ‚satter Selbstgefälligkeit’ auffällt, ist er letztendlich heimisch geworden. Bis kurz vor seinem Schlaganfall im letzten Jahr stand er immer noch auf der Bühne, sehr oft auch bei seiner früheren Schauspieldirektorin Annegret Ritzel in Koblenz. Gastspiele bei Film und Fernsehen gehörten ebenfalls zum farbenreichen Lebensweg des vielschichtigen Künstlers. Heute lebt er in einer Seniorenresidenz am Wiesbadener Kurpark, doch sein Lebenselan ist weiterhin ungebrochen, in einem nächsten Leben würde er gerne wieder auf der Bühne stehen, vielleicht sogar als Showmaster im Fernsehen. Die Liebe zur Musik begleitet den Schauspieler bis heute. Immer pflegte er Kontakte mit den Kollegen vom Musiktheater, auch während den langen Jahren in Wiesbaden. Sehr kritisch sieht Ziemssen die aktuelle Entwicklung auf den Bühnen, obwohl er gerade eine grandiose Aufführung der Shakespeare-Sonette nach Robert Wilson, mit dem Berliner Ensemble, am Hessischen Staatstheater erlebt hat. „Die Kunst sollte immer ihrer wahren Bestimmung treu bleiben.“ Für ihn bedeutet das, die Menschen in den tieferen Schichten ihres Seins zu berühren, sein Credo lautet: „Der Künstler sollte über dem Rahmen des Alltäglichen hinaus eine besondere Form des schöpferischen Schaffens präsentieren.“

Quote from Gnostic Writings: This is the generation that appeared through Edokla. For by the word she gave birth to truth and justice. This is the source of the seed of life eternal, which belongs to those who endure through knowledge of where they came from. This is the great incorruptible generation that has come through three worlds into world. ‼

Music Of The Future – Leopold Stokowski’s predictions

By Midou Grossmann – September 3, 2021

September – autumn is approaching – each day opera houses, and concert venues are rising from summer slumber and announce new activities. After a long silence, they just jump backwards. Business as usual is mostly the slogan. Nobody does mention that their full houses do exclude now some 30% of the population and these are mostly the healthy citizens. All so grotesque, but let’s look to some true genius of classical music of the past.

Leopold Stokowski, somehow known, somehow forgotten, was certainly one of the last great Maestro with a deep global and spiritual wisdom. Born in England of Polish origin, later a naturalized American citizen, educated at the Royal College in London, in Paris and in Munich, his influence on music was revolutionary. ( * 18. April 1882 in London, England; † 13. September 1977 in Nether Wallop, England. ) He conducted till the end of his life and was booked up to age 100 when he passed with 95. His entire life was dedicated to music and art and at the same time his quest for a spiritual concept of existence never left him. He did meditate and was initiated into the ancient technique of Kriya Yoga by Paramahansa Yogananda whom he often visited during his years in Southern California, together with Greta Garbo.  

His book ‘Music for All of Us’ (1943) is most revealing and he even seems to be a visionary soul and does predict in the chapter ‘Music and World Culture’ that the world might come to a crossroad of choices:

“It is vital to find the way to balance suffering with intense joy – then life will be full and complete. Sometimes the interplay of suffering and joy, like shadow and sunshine, make a vibrant rich life out of which can grow the highest in art and music.

The music of the future cannot fail to be powerfully influenced by general world culture – and world culture by the degree of world unity. World conditions and all men will be faced by two possibilities. One, to continue with negative and destructive forces – a series of wars – each conflict preparing for the next. As these wars are no longer local, but world-wide, it is possible that they will in time destroy all the arts – all learning – all the institutions of science – the beautiful buildings of the past – the centers of culture. Even worse, they can destroy hope in the minds and hearts of men so that there will be no vision for the future – no illumination – but only despair.

The opposite possibility is constructivepositive – the whole world is co-operating in world unity. Gradually the evolution of thought and feeling will lead us to the conviction that competition and war are negative and destructive. We shall replace these with co-operationpositive, constructive, and creative thought. When this happens every form of art – all artists – every form of scientific knowledge, will be at the disposal of the whole world. Artists and scientists will travel freely so as to have intimate personal contact – in addition, the knowledge and discoveries of science as well as every form of art will be transmitted to all countries of the world through television and radio. Every gifted artist will be given the environment and time necessary to express what is in him. (…) The ambition which some have to become rich will be replaced by the desire for a high level of living, with free time to develop all our faculties – physical, mental, emotional, spiritual. Almost everyone will have the physique of an athlete – as it was in Greece. The race will be not for gold but self-development. The effort will be not for war but to preserve peace. Slums, disease, hunger will be like evil dreams of the past. (…) One of the highest forms of this creation will be music – more inspired – more thrilling – more beautiful – more dynamic then even the greatest music of the past. This music will be available of everyone in the world and will be one of the highest expressions of the world unity and world culture. “

(Simon and Schuster – New York – 1943)

What is totally forgotten nowadays is that the earth is like a human and does have two brain parts as well. The right part stands for art, inspiration, devotion, creativity, compassion. The left part works for economics, laws, business, organizations. When things get out of balance, danger starts to crawl in, which is the case now on the planet. Maybe we should hold on for a while, freeze all drama for 4 weeks and introspect. Nothing gone won’t come back, let’s create a better new world – now!
https://en.wikipedia.org/wiki/Leopold_Stokowski

Copyright Midou Grossmann Sept. 2021

Wagner and Schopenhauer

Richard Wagners Opern in Einklang mit Schopenhauers Philosophie!

Text Midou Grossmann


Ich fand gerade Notizen von den Medientagen 16. – 18.5.1994 in der Alten Oper Frankfurt! Erstaunlich, was man damals empfand. Rückblickend könnte man sagen, wir haben Europa in den Sand gesetzt, der Euro hat die Blickwinkel ziemlich ‘verschoben’, mal ganz mild gesagt. Welches Zitat zu welchem Teilnehmer gehört, kann ich nicht mehr genau sagen, notiert habe ich als Sprecher: Mancur Olsen, Brouillard, Berato, April Greiman!
1) Germany is overorganized, see Austria, Norway or Sweden!
2) Jede Organisation will mehr Vorteile, Germany is a case of British desease! 3) Wir haben es überall mit perversen Effekten zu tun!
4) Kunst ermöglicht es eine neue Dimension im Leben zu erreichen!
5) Verweigerung des Teilens ist Sünde!
6) Das Neue kommt aus den Unternehmen selbst, nicht von der Direktion!
7) Das virtuelle Unternehmen kommt mit der Auflösung des Unternehmens als soziale Struktur!
English Translation

I just found notes from the media days May 16-18, 1994 in the Alte Oper Frankfurt! Amazing what people felt at the time. In retrospect, one could say that we have set Europe in the ‘sand’, the euro has ‘shifted’ our perspectives quite a bit, to put it mildly. I can no longer say exactly which quote belongs to which participant, I wrote down as the speakers: Mancur Olsen, Brouillard, Berato, April Greiman!

1) Germany is overorganized, see Austria, Norway or Sweden!
2) Every organization wants more advantages, Germany is a case of British desease!
3) We are dealing with perverse effects everywhere!
4) Art makes it possible to achieve a new dimension in life!
5) Refusing to share is a sin!
6) The new comes from the company itself, not from the management
7) The virtual company comes with the dissolution of the company as a social structure!

I truely think that Europe might go down as did the Middle East – if we dont wake up fast!