Franz Liszt und seine letzten Tage in Bayreuth

Pünktlich zum 200. Geburtstagsjahr von Franz Liszt hat Ernst Burger wieder eine sehr lesenswerte Liszt-Hommage veröffentlich. Nach seiner grandiosen Ehrung in Buchform von 1986 (100. Todestag ), erschien nun im ConBrio Verlag ‚Franz Liszt – Leben und Sterben in Bayreuth‘. Darin beleuchtet Burger noch einmal das einzigartige Verhältnis der beiden Giganten Franz Liszt und Richard Wagner. Er lässt Zeitzeugen sprechen, bringt einige Berichte sogar zum ersten Mal in die Öffentlichkeit, wie auch interessante neue Fotografien. Hier sprechen die Betroffenen selbst, und es wird viel Falsches berichtigt, das im Laufe der Jahre von verschiedenen Autoren einfach ohne gründliche Prüfung übernommen worden ist.

Ohne Franz Liszt und dessen Tochter Cosima Wagner, würden die Bayreuther Festspiele wohl nicht bestehen, und gerade diese beiden werden immer wieder gegeneinander ausgespielt. Für Franz Liszt war Cosima eine wichtige Bezugsperson, etwas verschämt schreibt er einmal, dass er für sie immer eine besondere Liebe empfunden habe, entschuldigt dies mit Cosimas Zerbrechlichkeit in der Kindheit.

Franz Liszt starb am 31. Juli 1886 in Bayreuth und Cosima sagte kurz vor ihrem Tod zu ihrer Tochter Daniela: „Ich kann dir nicht aussprechen, wie es mich rührt, wenn ich an Großpapas Franziskanerkapelle hier denke und dass er hier ruht; das haben die Sterne gewollt, da wir nicht miteinander leben konnten (…) Ich kannte Großpapa vielleicht anders, wie man ihn sonst kennt. Er fehlt doch sehr als Persönlichkeit und ich möchte sagen als Hilfe.“ Der Vorwurf, den man oft hört, dass Cosima ihren Vater einsam und getrennt von all seinen Freunden habe sterben lassen, ist eine oberflächliche Behauptung, die nun mit den Tagebüchern von Lina Schmalhausen widerlegt wird.

Der französische Musikwissenschaftler Pierre-Antoine Huré hat 1987 für sein Buch ‚Liszt en son temps’ in den Weimarer Archiven die Aufzeichnungen von Lina Schmalhausen eingesehen und schon teilweise veröffentlicht, 2002 folgte Alan Walker mit nicht ganz exakten Zitaten, in Ernst Burgers Buch sind diese Aufzeichnungen zum ersten Mal in voller Länge zu lesen. Lina Schmalhausen empfand für Franz Liszt eine schwärmerische Jungmädchenliebe, der sich der alternde Musiktitan wohl nicht entziehen konnte. Lina war in Bayreuth als Liszt dort mit einer Lungenentzündung erkrankte und saß in den letzten Tagen fast ununterbrochen vor dem Fenster des Sterbezimmers. Sie beobachtet alles, was in dem Zimmer vorging und berichtet von den vielen Besuchen Cosimas, denen der Kinder sowie von den anwesenden Freunden, auch kümmerten sich verschiedene Ärzte um Liszt. In den wenigen Momenten, in denen Liszt nur von seinem Diener Mihal und Bernard Stavenhagen betreut wird, schleicht Lina sich an das Bett des Meisters und wird von Cosima sogar im Sterbezimmer geduldet.

Wieder einmal bewegt uns das Leben des großen Musikers Franz Liszt, der als Weltbürger gelebt hat, seiner Zeit weit voraus war, und der sich vielleicht nur aus Rücksicht auf die Fürstin Wittgenstein nicht permanent in Bayreuth niedergelassen hatte. Denn aus künstlerischer Sicht waren für ihn Richard und Cosima Wagner eine Art wirkliche Heimat.

Author: Midou Grossmann

Writer, Arts, Philosophy....

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