Franz Liszt – Jahre in Rom und Tivoli

Für jeden ernsthaften Musikfreund zeigt sich Ernst Burgers drittes Liszt-Buch ‚Die Jahre in Rom und Tivoli‘ als ein wahres Wunderbuch. Wer weiß schon, dass Rom mit zu den bedeutendsten Wohnstätten Liszts gehört hat? Alle sprechen zumeist nur von Weimar und Budapest, doch die letzten 25 Jahre seines Lebens verbrachte Liszt überwiegend in Rom und Tivoli. Doch schon 1839 verbringt er zusammen mit Marie d’Agoult einige Zeit in Italien und auch davon findet der Leser in Burgers Buch sorgsam ausgewählte Briefe, Aussagen von Freunden und Zeitzeugen. Obwohl vom antiken Rom begeistert, waren beide von der Stadt doch ziemlich enttäuscht. Marie bezeichnet das antike Rom ‚überwältigend‘, das katholische Rom allerdings ‚armselig und abgeschmackt‘, und ihre Stadtplanung liest sich so: „Wenn ich Herr von Rom wäre, so würde ich das ganze moderne Rom niederreißen lassen und verbieten, es jemals wieder aufzubauen. Ich würde den Römern eine Stadt in Ostia oder anderswo erbauen und in Rom nur eine lange Straße für Hotels lassen. Rings um die Ruinen wurde ich weite Gärten anlegen.“

Franz Liszt schreibt im Jahr 1839 an Hector Berlioz: „Da ich entschlossen war, nacheinander die bedeutendsten Städte Italien zu bereisen, aber mich in keiner länger niederzulassen, wäre es sinnlos gewesen, auf andere einwirken zu wollen und mir eine Aufgabe zuzuweisen, mit der ich nur nutzlos meine Kräfte vergeudet hätte. (…) Ein weites Feld tat sich vor mir auf. Die Musik der Sixtinischen Kapelle, diese Musik, die wie die Fresken Raffaels und Michelangelos von Tag zu Tag mehr entstellt wird und verblaßt, führte mich zu höchst interessanten Forschungen. (…) Das Schöne erschien mir in diesem privilegierten Land in seinen reinsten und erhabensten Formen. Die Kunst bot sich meinen Augen in ihrer ganzen Herrlichkeit dar; sie enthüllte sich mir in ihrer Universalität und in ihrer Einheit.“

Burgers großer Bildband, mit unzähligen interessanten Abbildungen, teilweise Erstveröffentlichungen, enthüllt mit einer ungeheuren Eindringlichkeit die Großartigkeit des Künstlers Franz Liszt – gleichermaßen Musiker, Visionär und Philosoph. Mit beeindruckender Genauigkeit hat Burger ein bezwingendes Porträt gezeichnet, das diese wichtige Lebensphase Liszts sowie sein großartiges Künstlertum in den Mittelpunkt stellt.

(Franz Liszt – Die Jahre in Rom und Tivoli – Schott Verlag 2010)

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