Das unmittelbare Kunsterlebnis

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Fotos Copyright Midou Grossmann 2014

Bregenzer Festspiele – Die Seebühne ein kultischer Ort
Intendantenwechsel steht bevor

Tja, der Bodensee. Wem immer man auch nur sagt, dass man dorthin fährt, der bekommt große Augen und haucht: “Oh, es ist so wunderbar dort.” Ja, es ist wunderbar dort und dennoch darf man sagen, dass es viele schöne Seen gibt in Europa, auch mit viel Landschaft drum herum. Was den Bodensee einen großen Reiz verleiht, ist sicherlich die Vielschichtigkeit der Bewohner. Man nennt die Region aus das ‚Dreiländereck‘ – Deutschland, Österreich, Schweiz sind die Anrainer von Europas dritt größtem See. Auch heute in einer globalisierten Welt sind die mentalen Grenzen rund um den See noch nicht verschwunden, sie bestehen weiter in den Besonderheiten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Gegend um das ‚Schwäbische Meer‘, wie der See auch oft genannt wird, wurde schon von den Kelten besiedelt, ein internationales, offenes Flair kennzeichnet die Region.

Österreich besitzt nur 28km Seeufer von den insgesamt 273km, doch kann sich Bregenz, die Landeshauptstadt des Vorarlbergs, gut behaupten inmitten der Nachbarn Schweiz und Deutschland. Gleich hinter der Stadt steigt der Bregenzerwald in die Höhe und man ist schnell auf dem Hausberg dem Pfänder, der mit seinen 1064 Metern eine grandiose Aussichtsplattform bildet. Bregenz grenzt unmittelbar an Lindau und stand lange Zeit im Schatten dieses Touristenmagnets. Heute kann man sagen, dass Bregenz ‘aufgerüstet’ hat. Kontinuierlich wurde das Stadtbild verschönert, die Verkehrswege entzerrt und die Uferpromenade ist mittlerweile eine der schönsten am Bodensee. Wo Lindau sich auf seinem alten Image zu sehr ausgeruht hat, scheint Bregenz für die Zukunft gerüstet zu sein. Neben dem Pfänder sind natürlich auch die Bregenzer Festspiele ein Wahrzeichen der Stadt.

Dreier-Team prägt Festspiele über 20 Jahre
Wopmann.Pountney.Schirmer

1983 übernimmt Alfred Wopmann die Intendanz der Festspiele. Der Philosoph, Musiker und Regisseur Wopmann kann hier sein Kunstideal verwirklichen, er macht aus dem etwas verschlafenen Festspielort ein Festival der Superlative im Positiven und doch bleibt er immer seiner künstlerischen Überzeugung, seiner künstlerischen Ästhetik verpflichtet, die auch anknüpft an die Tradition des griechischen Theaters.

Wopmann hat die Bregenzer Festspiele auf die drei Säulen aufgebaut, die er schon von Anfang an als Vision in sich trug: »Der erste Aspekt ist, dass dieser Ort die selten gemeinsam auftretende Trinität von Open Air, einem Guckkasten- Musiktheater, wie es in allen großen Städten vorhanden ist, und einer modernen Werkstatt-Bühne besitzt. Die durch diese drei sehr unterschiedlichen Bühnentypen entstandenen Möglichkeiten erlaubten Theater auf vielseitige Art und Weise zu machen, das bedeutete gleichermaßen Abenteuer und Herausforderung. Im Mittelpunkt stand natürlich für mich die Seebühne, die letztlich ein kultischer Platz ist. Das Wasser ist ein Element des Spirituellen, eine Spiegelfläche, die alles, was auf ihr geschieht, testet. Daher brauchte die Seebühne Menschen, die keine Angst haben, sich dem Willen der Natur auszusetzen. Die äußere Natur fordert die innere Natur. Wer nur kommt, um sich selbst zu inszenieren, hat auf der Seebühne keine Chance. PR-Kunst kann auf dieser immensen Bühne nicht bestehen, kann kein unmittelbares Kunsterlebnis schaffen.« Die zweite Säule ist das Haus mit seiner Bühne, die für Opernproduktionen sowie Orchesterkonzerte genutzt wird, die Werkstattbühne bildet dann die dritte Säule in diesem Kunstensemble.

In diesem Sommer wird David Pountney als Intendant ausscheiden. Angefangen hat alles vor mehr als 20 Jahren, als ihn der ehemalige Intendant Alfred Wopmann per Telefon in Australien kontaktierte, um ihn für die Regie des ‚Fliegenden Holländers‘ zu verpflichten.Pountney kannte damals die Seebühne gar nicht, doch das Spiel auf und um den See herum fasziniert ihn nun seit 1989 bis heute. Lebendige und demokratische Festspiele sollten auch während seiner Intendanz die Bodenseeregion prägen.

Auch der Dirigent Ulf Schirmer kam 1989 nach Bregenz als Dirigent des Holländers und er hat dort bis heute unzählige Produktionen musikalisch betreut, die die Festspiele musikalisch geprägt haben. Auch das hervorragende Sound-System wurde von ihm entscheidend mitentwickelt und es verleiht den Aufführungen noch einen besonderen Reiz.

Der Visionär Schirmer, der perfekt die Handschrift der großen Komponisten der
Vergangenheit lesen kann und die Moderne fördert, der seinen Beruf von der Pike auf gelernt hat, ist sicherlich ein Musiker, der das Musikleben des 21. Jahrhunderts auch prägt. Zudem besitzt er noch die seltene Begabung in jeder Komposition eine Identität aufzuspüren, die dem Werk letztendlich Form und Aussage gibt. Und das ist im Eigentlichen die Hauptaufgabe eines jeden Dirigenten, denn er ist die Seele einer Opernaufführung, eines jeden Konzerts, das Orchester sein erster Helfer. Der Idealzustand ist, wenn beide auf einem Atem musizieren und so eine Energie aufbauen, die das Publikum mit einschließt und berührt, was in unruhigen Zeiten, wie den heutigen, absolut segensreich ist.

Dieses grandioses Festspiel-Konzept wird für die Nachfolger eine große Herausforderung darstellen. Hoffen wir, dass die neue Intendantin das Erreichte erkennen und respektieren wird und weiterhin für eine starke Postistionierung der Festspiele auf internationalem Niveau arbeiten kann.

Copyright Text und Fotos: Midou Grossmann 2014

http://www.bregenzerfestspiele.com

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Classical Music And Its Healing Power

Rhythm means vibratory energy in music; it is the most important tool. People react to rhythm; rhythm can be health, inspiration, a broader perspective of mind. For musicians it is the first duty to present the rhythm hidden in the music! Also so called ‘atonal music’ does have a rhythm.

Spoken words are sounds occasioned by the vibrations of thoughts; thoughts are vibrations sent forth by ego or soul. Every word you utter should be potent with soul vibration. A man’s words are lifeless if he fails to impregnate them with spiritual force. The same goes for the musician. His music is stall if not impregnated with spiritual force. And the conductor has the duty to rouse the consciousness of the entire orchestra towards this higher state of mind.

A quote from the Chandogya Upanisad:
‘ the essence of all beings is earth,
the essence of earth is water,
the essence of water are the plants,
the essence of plants is man,
the essence of man is speech,
the essence of speech is the RgVeda, (poetry)
the essence of RgVeda is Samavda,(music)
the essence of the Samaveda is the Udgita (which is OM).
that Udgita is the best of all the essences, the highest,
Deserving the highest place, the eighth.’

Poetry is subtler than prose, it’s rhythm producing a higher unity and loosens the fetters of our mind.
But music is subtler than poetry, it carries us beyond the meaning of words into a state of intuitive receptivity.

It seems that not many conductors of today’s musical scene are aware of these topics and if they are, they do not know how to reach the dimension where music becomes magic. All this is also valuable for singers, choirs and so on. Spiritual force should be the goal for all art but at its highest form is found in music.

copyright Midou Grossmann 2018

 

Dem Glück auf der Spur – Traditions-Kurort ganz im Trend der Zeit

Bad Wörishofen im Frühling

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Eine Kneipp-Wasserkur ist heute aktueller denn je zuvor. Zwar wird Sebastian Kneipp immer als der Erfinder genannt, doch er brachte nur eine alte Heilmethode wieder in das Bewusstsein einer breiteren Bevölkerungsschicht.

1849 erkrankte Kneipp selbst an Tuberkulose und entdeckte zufällig das Buch ‚Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers‘ von Johann Siegmund Hahn. Daraufhin badete er mehrfach einige Augenblicke in der eiskalten Donau bei Dillingen und wurde schnell wieder gesund. Fortan ließ ihn das Thema nicht mehr los und er folgte konsequent seiner Intuition, ohne aber seine theologischen Studien zu vernachlässigen. Nicht nur den Wasseranwendungen galt sein Interesse, auch in der Landwirtschaft und in der Botanik erlangte er ein tiefes Wissen. Im Mai 1855 wurde Kneipp Beichtvater und Hausgeistlicher im Kloster der Dominikanerinnen in Wörishofen, baute hier seine Heilmethode weiter aus, schon 20 Jahre später setzte ein reger Kurbetrieb ein. Auch heute noch vertritt dieser Ort vorbildlich die Geistes- sowie Heilprinzipien des Sebastian Kneipp.

Die Stadt – mit ca. 15.000 Einwohnern – konnte sich ihre familiäre Ursprünglichkeit bewahren, wenngleich dort unzählige Kurhotels sowie Privatunterkünfte auf die Gäste warten. Man spricht von über 700.000 Besuchern pro Jahr. In Bad Wörishofen sind aktuell fast alle Naturheilverfahren im Angebot. Auch Ayurveda sowie Yoga sind fest verankert in den Behandlungen. Gerade für den heutigen Menschen, in einer Umwelt, die immer schnelllebiger wird, die die Menschen zu verschlingen droht im digitalen Alltag, findet sich in der Stadt in Allgäu eine große Angebotspalette. Kein Wunder, dass auch Psychosomatik sowie Burn-Out-Symptome hier im Vordergrund stehen.

Sebastian Kneipp setzte auf drei Säulen: Wasser – Natur – gesunde Ernährung. Damit trifft er ganz den Zeitgeist. Schade nur, dass der Bachlauf mitten durch das Städtchen in ein Betonbett gedrängt wurde, wohl auch aus Angst vor Hochwasser. Doch gerade das Wassertreten in freier Natur, in einem natürlichen Flussbett, sollte im Sommer in der Kneipstadt wieder möglich sein. Dies wäre auch möglich außerhalb der Stadt, denn dort schlängelt sich das Flüsschen malerisch durch einen Wiesengrund. Ein einfacher Zugang anhand kleiner Stufen könnte zum neuen Treffpunkt werden im Sinne des Sebastian Kneipp, dessen Worte: „Vergesst mir die Seele nicht“ aktuell wieder ganz im Mittelpunkt stehen sollte. Er war sich sicher, Leib und Seele sind eine untrennbare Einheit, wenn es um Gesundung geht. Psychosomatische Zusammenhänge werden heute bei vielen Krankheiten als Auslöser gesehen. Ein wichtiger Faktor hier ist zudem auch die Prävention, eine gesunde Seele wird nicht so schnell krank.

Dem Glück auf der Spur ist man auch auf dem Barfußpfad in Bad Wörishofen, auf dem man immer wieder glückliche Menschen trifft, die einfach begeistert sind von dieser Art der kindlichen Fortbewegung. Die liebliche Landschaft des Allgäus wird von sanften Wiesen, Wäldern und kleinen Hügeln dominiert, die bestens für Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad geeignet sind. Wer nicht gerne allein wandert, für den gibt es unzähligen Themenwanderungen, denen man sich anschließen kann. Dann gibt es seit 16 Jahren noch die Therme Bad Wörishofen, die zudem mit einer Südsee-Abteilung unter Palmen aufwarten kann. Also, für alle Geschmäcker ist etwas zu finden. Doch ganz groß steht Regeneration sowie Prävention über allen Angeboten, die in einer erstaunlich intakt gebliebenen Infrastruktur fast alle zu Fuß erreichbar sind.

Unterbringungsangebote sind in allen Preisklassen vorhanden, vom 5-Sterne-Hotel bis hin zu Privatunterkünften. In vielen Hotels und Pensionen ist ein Kurpacket buchbar, aber auch der Individualist ist dort gut aufgehoben und kann sich seinen Speisen- sowie Kurplan selbst zusammenstellen. Bad Wörishofen kann auch mit seinem Einzelhandel mit jeder größeren Stadt konkurieren, gemütliche Cafés sowie Restaurants sind in überall in den Straßen der Innenstadt zu finden. Und zu guter Letzt gilt es zu vermelden, dass Elektrosmog-Empfindsamkeit auch hier keine Chance hat, die Mobilfunkantennen beherrschen noch nicht die Dächer der Stadt. Also, in Sachen Gesundheit kann man entspannt sagen: warum denn in die Ferne streifen, wenn das Gute vor der Haustür liegt.

http://www.bad-woerishofen.de/
© Text und Fotos Midou Grossmann 2014