Griff nach den Sternen

Zum 10. Todestag von Peter Hofmann – Tenor

Als Peter Hofmann am 30. November 2010 im Krankenhaus Selb (Oberfranken) an einer Lungenentzündung verstarb, konnte man vielleicht auch von einer Erlösung sprechen. Geboren, am 22. August 1944 in Marienbad (Böhmen), spiegelt sich in seinem Lebenslauf eine Wirtschaftswunderkarriere, aber auch tiefes Leid sowie große Enttäuschungen. Die Regenbogenpresse hat seinen Lebensweg gerne verfolgt und kommentiert, schillernd und funkelnd der äußere Rahmen, doch das tief verschneite Grab auf dem Friedhof in Wunsiedel erzählte eine andere Geschichte.

Liest man das Buch von Marieluise Müller – gesammelte Gespräche mit dem Tenor – „Singen ist wie Fliegen“ aus dem Jahr 1982, dann ergibt sich ein ganz anderes Bild: Ein Mann mit großem Tiefgang und der Sehnsucht nach dem perfekten Leben präsentiert sich. Als Kind und Jugendlicher suchte er seine Grenzen im Sport, um dann eine seelische Verbindung zu den Opern Richard Wagners über den Tenor Jess Thomas zu entdecken. Letzterer blieb ihm als Mentor und Freund über Jahre verbunden.  Gerne erinnere ich mich noch an ein Treffen mit ihm in seinem Haus bei San Francisco.

Peter Hofmann schien ein Liebling der Götter zu sein, denn nach seinem Debüt am Theater Wuppertal (1972) als Tamino, wurde er schnell zum Geheimtipp für die Opernagenten und schon 1976 gelang ihm als Siegmund bei den Bayreuther Festspielen im Chéreau-Jahrhundertring, unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez, der endgültige Durchbruch. 1976 erhielt Hofmann zudem einen Fünf-Jahres-Vertrag am Staatstheater Stuttgart und war dort festes Ensemblemitglied bis 1983. Man kann durchaus eine stabile Klassik-Karriere von über 20 Jahre erkennen.  

Ich erlebte ihn zum ersten Mal als Parsifal 1986 in Bayreuth und konnte feststellen, dass seine Stimme sowie die darstellerische Bühnenpräsenz durchaus etwas Neues waren. Hier stand ein Künstler auf der der Bühne, der jedes Wort verstand, das er sang, der jede Textzeile Richard Wagners natürlich in Körpersprache umsetzen konnte. Seine Stimme war damals noch vollkommen intakt und er besaß ein schönes warmes Timbre mit Tiefgang. Ich kannte ihn auch von Treffen hinter der Bühne oder von Gesprächen über ein gemeinsames Opernprojekt. Dabei erlebte ich ihn immer als einen enorm reflektierenden Gesprächspartner, der innerlich jedes Wort analysieren zu schien.

Von nur einem Ausflug ins Showgeschäft kann man bei ihm leider nicht reden, es schien, als ob die Rockbühne ihn fast noch mehr faszinierte als die Oper, bis hin zu seinem endgültigen Rückzug, auch krankheitsbedingt, 1994 wurde bei ihm Parkinson festgestellt.

Ganz bestimmt gehörte Peter Hofmann zu den beeindruckendsten Heldentenören seiner Zeit. Aus meinen Gesprächen mit ihm im Jahr 1990 konnte ich dennoch erkennen, dass er durchaus an einen Neustart seiner Opernkarriere dachte. Allerdings kam dann auch 1990 das Angebot in der Titelrolle in dreihundert Aufführungen von ‚Das Phantom der Oper‘, im neu erbauten Theater Neue Flora in Hamburg, aufzutreten, verbunden mit einer hohen Gage. Das Schicksal nahm seinen Lauf, die Krankheit forderte danach immer stärker einen Tribut. Dennoch: Bringt man sein Leben auf einen Nenner, steht im Vordergrund der begnadete Wagnersänger und -darsteller, der die Antworten auf seine Daseinsfragen letztendlich erhalten haben dürfte, wenn auch anders als vielleicht gewünscht.  

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Hofmann_(S%C3%A4nger)

Copyright Midou Grossmann 2021

Fotos Midou Grossmann 2021 und Alte Oper Frankfurt November 1987

Author: Midou Grossmann

Writer, Arts, Philosophy....

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