What you always wanted to know about Leopold Stokowski

Einer der wichtigsten Dirigenten des letzten Jahrhunderts


Leopold Stokowski – Prima la musica

Als Leopold Stokowski am 13. September 1977 in Nether Wallop, England, starb, hatte er fast ein ganzes Jahrhundert musikalisch geprägt. Er war Musiker, Dirigent, Orchestergründer, Wegbereiter der Moderne, Nachwuchsförderer und Visionär. Geboren wurde er am 8. April 1882 in London. Wagner, Brahms, Bruckner, Strauss und Mahler lebten damals noch, ebenso der erste Pultstar der Klassik, Hans von Bülow. Die Ära, in die Stokowski hineingeboren wurde, war musikalisch vielleicht die wichtigste für unsere Zeit.  

Schon in jungen Jahren traf Stokowski fast alle wichtigen Komponisten und lebenslange Freundschaften entstanden, die sich auch künstlerisch später als befruchtend erwiesen. So traf er Richard Strauss in Wien und in München während seiner ‘Lehrjahre‘ in Europa, später auch wieder in den USA. Als Richard Strauss seine eigenen Werke in Philadelphia dirigierte, wurden sie von Stoki, wie er dort genannt wurde, vorab einstudiert. Stokowski war bekannt dafür, dass er sich für die modernen Komponisten bis an sein Lebensende einsetzte, deren Musik er erst einmal vorbehaltlos studierte. Für so manchen Komponisten wurde er sogar zu einer Art Lebensberater, oft auch ein finanzieller Helfer.

Spätestens ab Kriegsbeginn 1914 wurden die Vereinigten Staaten musikalisch, wie auch privat, zu seinem Lebensmittelpunkt. Stokowski erlebte die Katastrophe, die zum ersten Weltkrieg führte, persönlich in München. Dort verbrachte er die Sommermonate 1912, 1913 and 1914 zusammen mit seiner ersten Frau, der Pianistin Olga Samaroff. Beide liebten das europäische Ambiente sowie die künstlerischen Kontakte. Als Erzherzog Ferdinand und seine Frau am 28. Juni 1914 in Sarajewo ermordet wurden, erkannte das junge Ehepaar sofort, dass es Krieg geben würde und flüchtete Hals über Kopf nach Rotterdam, mit nur etwas Gold und der Partitur von Mahlers 8. Sinfonie im Gepäck, um noch mit einem Schiff zurück in die USA zu gelangen. Dort angekommen, beantragte Stokowski umgehend die amerikanische Staatsbürgerschaft, die er auch 1915 verliehen bekam. Ab jetzt waren  die Vereinigten Staaten seine Heimat, da er schon 1905 als Organist nach New York verpflichtet worden war.

Die frühen Jahre in England

Seine Eltern waren Kopernick Stokowski (1862-1924) und Annie-Marion Moore. Kopernick Stokowski war ein Zimmermann und Tischler, der ebenfalls in Marylebone, London, als Sohn eines polnischen Vaters und einer schottischen Mutter geboren worden war. Stokowski hatte noch zwei Geschwister Lydia Stokowski Fanshawe (1883-1911) und Percy James Stokowski (1890-1978). Es werden immer wieder mysteriöse Geschichten über seine Abstammung erzählt, doch davon ist nichts wirklich belegbar. Musik muss im Hause Stokowski eine Rolle gespielt haben, wenn man auch arm war, sangen Leopold sowie sein Bruder Percy schon früh im Kirchenchor der Gemeinde. Leopold galt als Hochbegabter und erzählte selbst, dass die Musik das erste war, was ihm vertraut vorkam in seinem Leben. Unterlagen zeigen, dass er am 6. Januar 1886 – mit 13 Jahren – ins Royal College of Music aufgenommen wurde, er war damit der jüngste Schüler bis zu dieser Zeit. Im Januar 1889 wurde er in die Organisten-Klasse eingetragen. Dennoch muss er schon früher Orgel gespielt haben, wenn auch mit zu kurzen Beinen, wie er erzählt. Zu dieser Zeit erhielt er ebenfalls die Stelle eines Chormeisters sowie Orgelassistenten in der St. James’ Anglican Church, Piccadilly, London.

Neben unzähligen Presseberichten sowie Biografien über ihn, ist die Website stokowski.org von Larry Huffman sehr gut recherchiert. Sämtliche Konzertauftritte, Tondokumente und Informationen wurden hier sorgfältig zusammengetragen. Huffmans unbestechliche musikalische Sicht steht über jeder trivialen Spekulation oder ‘Society Gossip‘. Daher verzichte auch ich, angesichts des beachtlichen Schaffens Stokowski, auf Erklärung, warum man ihn zuweilen als Scharlatan bezeichnete, und ich schließe mich den Worten Huffmans an: “Sollen wir versuchen, diese Suche (Stokowskis) nach Geheimnissen und Neuheiten zu beurteilen?  Ist es nicht besser, sich auf die Musik und die musikalischen Darbietungen, die Freude und die Einsichten zu konzentrieren, die uns die sechzig Jahren seiner Tondokumente vermittelt haben?  Welchen Stellenwert haben die ‘Neuauflagen‘ seiner persönlichen Details und seiner Geschichte?  Die Musik ist der wichtigste Teil dieser Person, die ich als den größten Dirigenten des zwanzigsten Jahrhunderts betrachten würde.“ 4)

Belegt ist, dass der Dirigent Stokowski eine enorme künstlerische Ausstrahlung besaß, ja sogar eine transzendente Aura. Er konnte die Musiker zur höchsten Stufe der Konzentration führen. Diese sprachen von seinen ‚okkulten Fähigkeiten‘, die sie zu Bestleistungen angespornt habe. Man sagt, dass er vor jedem Konzert sowie in den Pausen meditiert habe, dann auf dem Weg zum Podium nicht mehr angesprochen werden durfte. Beim Publikum war er immer beliebt, denn er besaß das Flair des Besonderen, auch sein Klangempfinden konnte die Menschen im Innersten berühren, in seiner Kunst war er kein Scharlatan und als Mensch sicherlich auch nicht.

Stokowski lebte auch lange Jahre in Kalifornien und pflegte Umgang mit Philosophen und Gelehrten, er reiste öfters in den Orient und besuchte zudem die Yogis in Indien. Ihn interessierte der metaphysische Aspekt des Daseins. Zudem verstand er die Kunst, und im Besonderen die Musik, als eine Art wichtiger Bestandteil einer Gesellschaft. Sozusagen als rechte Gehirnhälfte, die die linke Seite, Politik und Wirtschaft, harmonisieren konnte.

Amerika – der rechte Ort zur richtigen Zeit

1905 als Organist nach New York verpflichtet, öffneten sich ihm dort bald viele Türen. Seine Orgelkonzerte wurden zum Geheimtipp unter Musikkennern. Hier schon knüpft er Kontakte zu seiner späteren Frau, Olga Samaroff (1882-1948), geborene Lucy Mary Olga Agnes Hickenlooper aus Texas.  Man erzählt auch, dass er ebenfalls in New York schon mit der mächtigen und reichen Familie Vanderbilt bekannt wurde. Die als schönste Frau der Welt bezeichnete Gloria Vanderbilt (1924-2019), wurde 1945 seine dritte Ehefrau. Eine Ehe, die immerhin 10 Jahre hielt und ihm zwei Söhne beschied. Seine zweite Ehe schloss er 1938 mit Evangeline Johnson, deren Vater zu den Gründern des Pharmakonzerns Johnson & Johnson gehörte und mit der er die beiden Töchter Sadja und Lyuba hatte. Aus der Ehe mit Olga Samaroff entstammt die 1921 geborene Tochter Sonya.

Schon in New York beschäftige sich Stokowski mit Orchestermusik, er spielte Transkriptionen der Tschaikowsky Sinfonien oder auch Werke von Komponisten wie Byrd und Palestrina, ebenso Opernmusik, inklusive Wagner. 1908 kündigte er seine Organistenstelle und begleitete Olga Samaroff nach Europa. Diese sollte im Mai 1909 als Solistin in Paris mit dem Orchestre Colonne auftreten. Glück half den beiden hier, der vorgesehene Dirigent erkrankte und Olga Samaroff konnte Stokowski als Einspringer durchsetzen. Die Pianistin schien über gute Verbindungen und große Willenskraft zu verfügen, denn einige Impresarios beobachten schon damals den jungen Musiker, der allerdings noch nie ein Orchester geleitet hatte.  Der allererste Konzertauftritt in Paris, mit Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1, wurde zu einem Erfolg und schon sechs Tage nach seinem Debüt in Paris, am 18. Mai 1909, hatte er seinen ersten Auftritt mit dem New Symphony Orchestra in der Queens Hall, London. Fünf Monate nach diesen erfolgreichen Anfängen, wurde er im Herbst 1909 zum Chef des Cincinnati Symphony Orchestra ernannt. 1911 heirateten er und Olga, die Ehe hielt zwölf Jahre.

Ouvertüre und erster Satz – molto espressivo

Mit dem Cincinnati Symphony Orchestra hatte er große Erfolge aber auch Reibereien. Der junge und ehrgeizige Dirigent verlangte wohl zu schnell eine Ausweitung der Aktivitäten, sowie Tourneen, was dazu führte, dass er schon nach zwei Jahren um Auflösung seines Vertrags bat, was ihm gewährt wurde. Europa war immer noch das Kernland der Klassik und München das Ziel Stokowskis als er am 12. April 1912 wieder die Reise per Schiff über den Atlantik antrat. Doch Ehefrau Olga bewies erneut ihr Talent als Managerin und verhandelte zwischenzeitlich mit dem Orchester in Philadelphia. Sie konnte umgehend ihrem Ehemann eine Zusage sowie einen Vertrag nach München melden. Im Oktober des Jahres traf der in Philadelphia ein, als erst dritter Chefdirigent, nach Fritz Scheel und Karl Polig. Mit seinem ersten Konzert am 12. Oktober 1912 begann für ihn sowie für den Klangkörper eine künstlerisch segensreiche Zeit, doch der Anfang war nicht leicht. Abram Chasins schreibt in seinem Buch, dass der Klangköper damals nur vier wirklich gute Musiker aufbieten konnte. Mit viel Geduld, Geschick und Zielstrebigkeit verbesserte Stokowski die Arbeitsbedingungen, schon nach der ersten Saison waren viele Musiker ausgetauscht worden.2)

Das Philadelphia Orchestra wurde unter Leopold Stokowski zu einem der renommiertesten des Landes, aktuell gehört es immer noch zu den ‘Big Fives‘ und zeichnet sich durch Flexibilität sowie Sensibilität im Klang aus, beides damals erarbeitet und eine Art Trademark Stokowskis, der auch gerne forderte: „Spielen Sie die Noten nicht, singen Sie diese.“ Die Zusammenarbeit des Orchesters mit Stokowski dauerte 30 Jahre. Gegründet 1900 von Fritz Scheel, gastiert der Klangkörper schon 1902 in der Carnegie Hall. Richard Strauss war 1904 mit Dirigaten seiner eigenen Werke als Gast und kam auch später wieder gerne in die Stadt, war mit Stokowski privat oft zusammen zu sehen. So soll sich Strauss, während der Besichtigung einer grandiosen Privatsammlung alter chinesischer Kunst, selbst als ‚Rokoko-Komponist‘ bezeichnet haben. (Interview Stokowski 1968).

Stokowski war ein Pionier auf vielen Gebieten und er führt Neuerungen ein, die auch heute noch Bestand haben. So wurden schon früh Jugendkonzert veranstaltet und natürlich war er ein Befürworter der Schallplatte, 1917 wurde die erste Produktion unter dem Label Victrola angegangen, unzählige folgten. Über 700 Tonaufnahmen schuf er zwischen 1917 und 1977. Es gelang ihm auch wichtige Sponsoren zu gewinnen, wie die Familie Bok, die dem Orchester beträchtliche Summen überschrieb und Defizite auffing. Auf der Website von Huffman ist zu lesen: „Stokowski überzeugte den Vorstand des Philadelphia Orchestra Anfang 1915, 17.000 Dollar (was heute etwa 360.000 Dollar entspricht) für die US-Premiere der 8. Mahler-Sinfonie bereitzustellen, und Stokowski bereitete die Aufführung in der Saison 1915-1916 vor.  Stokowskis Geschick bei der Organisation und der Öffentlichkeitsarbeit trugen entscheidend zum Erfolg bei.  Das Interesse des Publikums war so groß, dass Schwarzhändler 100 Dollar für die Premierenkarten erzielen konnten, was nach heutigem Wert etwa 2.100 Dollar entspricht.“ 4) Übersetzung

Auf dem Gipfel des Erfolgs

In den Upanischaden steht geschrieben: „Poesie ist subtiler als Prosa, ihr Rhythmus erzeugt eine höhere Einheit und lockert die Fesseln unseres Geistes. Aber Musik ist subtiler als Poesie, sie trägt uns über die Bedeutung der Worte hinaus in einen Zustand intuitiver Empfänglichkeit.“ Auch Stokowski bezog sich immer wieder auf diese Worte, er sah die Musik als gesellschaftlich wichtige Säule. In Philadelphia fand er verständnisvollere Partner als in Cincinnati um seine Visionen zu verwirklichen. Doch die Weltwirtschaftskrise und andere Turbulenzen stellten die Beteiligten immer wieder vor Herausforderungen, dennoch waren die fast 30 Jahre der Zusammenarbeit ein Highlight in der Orchestergeschichte, denkt man nur an die Tournee des Klangkörpers 1936 durch 27 Städte in 35 Tagen, 33 Konzerte fanden statt, finanziert wurde das von RCA Victor. 

Zwischen 1937 und 1939 hielt sich der Dirigent in Kalifornien auf, traf sich mit Walt Disney, was zu einer intensiven Zusammenarbeit führte. Der Film ‘Fantasia‘ ist heute noch verfügbar, dennoch zeigen die Dokumente nur Bruchteile der ursprünglichen Arrangements. Anfänglich arbeitete der Maestro sogar ohne Gage, das Filmgeschäft interessierte ihn enorm so wie auch Greta Garbo, mit dem ihn eine Romanze verband. Eingespielt wurde die Musik zu ‘Fantasia‘ noch mit dem Philadelphia Orchestra. Langfristige Pläne für Ballett- und Opernaufführungen konnte er leider nicht verwirklichen. Der große Traum von einem alle Sparten umfassenden Musikzentrum manifestierte sich nicht. So war es Zeit für etwas Neues und er gründete das All-American Youth Orchestra im Jahr 1940. Eugene Ormandy wurde zum alleinigen Chef in Philadelphia und blieb es bis 1980.

Aus 1000 jungen Musiker formte Stokowski ein Orchester, mit dem er sofort eine Südamerika-Tournee startete. 1941 integrierte er jüngere Musiker (zwischen 19 und 22 Jahre) in das Orchester und startete eine Sommer-Tournee durch 51 Städte in den USA und Kanada, finanziert wurde es aus seiner Privatschatulle. Für die jungen Musiker waren diese Tourneen der Einstieg zu Positionen bei den großen Orchestern, zudem waren die Konzerte bei dem Publikum enorm beliebt. Mit nun fast sechzig Jahren näherte sich Stokowski einem Alter, in dem man in der damaligen Zeit schon einmal an Ruhestand denken durfte. Das war nicht nach seinem Geschmack, er dirigierte bis kurz vor seinem Tod 1977 (95 Jahre alt), Auftritte waren bis 1982 eingeplant.

Er agierte nun kurzfristiger und verteilte sein musikalisches Genie an verschiedene Klangkörper. So war er am Pult des NBC Symphony Orchestra von 1941-1943 zu erleben. Ursprünglich war dieses Orchester für Toscanini gegründet worden, dieser benötigte eine Schaffenspause und so übernahm Stokowski, der angeblich der einzige Dirigent dieser Zeit war, der dieselbe Gage wie Toscanini forderte und auch erhielt. 4)  Als Toscanini wieder zum NBC Orchester zurückkam, konnte man beide Dirigenten am Pult erleben. In dieser Zeit fing Stokowski an ohne Taktstock zu dirigieren, man sagt, wegen einer Entzündung in der Hand, jedenfalls war er fortan taktstocklos zu erleben und seine großen ausdrucksstarken Hände konnten sehr viel bewirken. 4)

Für das NBC Orchester war das eine inspirierende Zeit, denn man hatte nun nicht nur ein weiteres Pultgenie verpflichtet, sondern tauchte zudem ein in die Welt der zeitgenössischen Musik. Stokowski dirigierte viele Premieren der neueren Musik wie Prokofievs ‘Symphonic Cantata‘, Ausschnitte von Prokofievs Opern, Stravinskys ‘Feuervogel Suite‘, Gustav Holsts ‘Die Planeten‘ and Ralph Vaughan Williams Sinfonie Nr. 4 wurden ein Erfolg, ebenso die Plattenmitschnitte. Stokowski und das Orchester glänzten zudem mit Debussys ‘Prélude à l’après-midi d’un faune’, Tchaikovskys ‘Slawischer Marsch op. 31‘ sowie dessen Sinfonie Nr. 4, auch Stokowskis Transkriptionen von Bach und Chopin kamen ins Programm, viele davon wurden ebenfalls auf Tonträger aufgenommen von RCA Victor. 4) Das ist und bleibt Musikgeschichte sowie eine Dokumentation einer Zeit, die sich der Musik verpflichtet gefühlt hat und nicht den Verkaufszahlen. Eine solche Aufbruchsstimmung fehlt aktuell gänzlich. Man kann sogar sagen, die Klassik ist heute in der Gesellschaft nicht wirklich präsent und kämpft ums Überleben mit Anpassung an Showelemente sowie mit Starallüren so mancher Künstler.

Während des zweiten Weltkriegs war der ‘griechische Apoll‘, wie der Dirigent auch genannt wurde, zudem aktiv mit Konzerten für die Armee. Des Weiteren gründete er zusammen mit dem Bürgermeister von New York, La Guardia, 1944 die New York City Symphony, welche seinen Wunsch nach niedrigen Eintrittspreisen umsetzte. Die Konzerte waren ein Erfolg, die aufstrebende Mittelschicht in der Boom-Stadt New York bildete das Publikum. Das Orchester wurde später von dem jungen Leonard Bernstein übernommen.

1945 sah man Stokowski wieder in Kalifornien. Er gründete dort das Hollywood Bowl Orchestra. Dieser magische Ort war wie für ihn wie geschaffen. Neben den versierten Orchestermusikern aus dem LA Philharmonic Orchestra, engagiert er die besten Musiker der Filmbranche sowie einige europäische Emigranten, die es bis nach Los Angeles geschafft hatten. Er dirigierte dort allerdings nur zwei Sommer, man sagt seine dritte Frau – Gloria Vanderbilt – soll nach der Ostküste verlangt haben. Kalifornien mit seinem ‘New Spirit‘, der sich offener und kreativer präsentierte als das Establishment der Ostküste, wäre für ihn ideal gewesen, seine Visionen künstlerisch zu verwirklichen. Auch seine Begeisterung für die Oper hätte er im Hollywood Bowl umsetzen können, es soll zudem Pläne für Outdoor-Produktionen gegeben haben. Außer einer unglücklichen Episode 1961 an der Met, mit Puccinis ‚Turandot‘, die er unter Schmerzen leitete, da er sich beim Spiel mit seinen kleinen Söhnen die Hüfte gebrochen hatte, gab es keine weiteren Engagements in Sachen Musiktheater. Lange vor Stokowskis Zeit in Los Angeles, fanden im Hollywood Bowl große Chorkonzerte, wie auch Opernaufführungen statt.  Selbst Wagners ‚Walküre‘ wurde dort szenisch aufgeführt.

Die Werke Richard Wagners schätzte er und führte immer wieder Ausschnitte daraus auf. Den ‘Parsifal‘ auch einmal in Gänze im Frühjahr 1933 in Philadelphia, an drei verschiedenen Tagen. Zwei Konzerte wurden im Columbia Radio übertragen. Neben den bekannten Transkriptionen verschiedener Werke Bachs, hat er auch für Wagners Opern Transkription/Arrangements verfasst, welche aktuell wieder aufgeführt werden. Auch die damalige ‘Parsifal‘-Aufführung war als Arrangement Stokowskis bezeichnet. 1933 war Wagners ‚Parsifal‘ wohl noch ziemlich unbekannt, und Stokowski sah sich immer gerne als eine Art ‘Forrunner‘ der Kultur, scheute sich nie Noten zu übersehen bzw. abzuändern, im Gegensatz zu Toscanini.

Weltweite Engagements – unermüdliches Entdecken und Lernen

Wieder in New York, begann der Dirigent seine Arbeit mit dem New York Philharmonic Orchestra. Arthur Judson, dessen damaliger Manager von Columbia Artist, kontaktierte Stokowski und bot ihm die Position des Principal Guest Conductor an. Chefdirigent war Artur Rodzinski, der aber bald darauf seinen Vertrag kündigte. Stokowski teilte sich dann von 1949 – 1950 mit Dimitri Mitropoulos das Amt des Chefdirigenten. Aus dieser Zeit gibt es eine Menge hervorragender Mitschnitte, doch als Mitropoulos 1950 zum alleinigen Chefdirigenten ernannt wurde, zog sich Stokowski zurück und begann seine europäische Karriere wieder zu beleben. Beide Dirigenten schätzten sich, doch war es wohl das Orchester, welches für Mitropoulos tendierte. William R. Trotter schreibt, dass der bekannte Oboist Marcel Tabuteau über Stokowski sagte, dass dieser wie wohl keiner in den Dimensionen von Engeln lebte und musizierte, aber dass für ihn Mitropoulos der größte Dirigent der damaligen Zeit war.  Trotter berichtet auch von einem Statement Oliver Daniels die Orchestersituation in New York betreffend. „Warum sollten die Orchester Loyalität zeigen? Sie waren mehr an ihren Kartenspielen hinter den Kulissen interessiert als an der Musik. Sie liebten es nicht so viel neue Musik einzustudieren, die mehr Konzentration und Proben erforderte als die alten ‘Schlachtpferde‘ der Klassik, die sie sogar im Schlaf spielen konnten. Bruno Walter war ihnen lieber als Stokowski oder Mitropoulos.“ 3) Stokowski allerdings überlebt alle und bis zu seinem Tod bereiste er fast jedes Land in Europa, auch den Ostblock sowie Japan. Gleichzeitig weitete er auch die Auftritte in den USA aus. Seine Energie wurde zweifelslos von den Engeln immer wieder erneuert

1954 suchte das Houston Symphony Orchestra nach einem neuen Chefdirigenten und 1955 unterzeichnete der 73jährige einen Vertrag für 3 Jahre. Houston erlebte ein musikalisches Upgrade mit diesem Engagement, Radio- und Fernsehübertragungen der Konzerte fanden regelmäßig statt. Im Oktober 1955 startete er mit der Premiere der 2. Sinfonie von Alan Hovhaness (1911-2000) ‘Mysterious Mountain‘, die im Radio übertragen wurde. Leider blieben Reibereien mit dem Orchestermanagement nicht aus, wie auch schon bei früheren Engagements, machte der Maestro keine Kompromisse und er verließ Texas, in dem er nie so wirklich angekommen war.

1960 erfolgte dann die ruhmreiche Rückkehr nach Philadelphia. Ich habe mit einigen Musikern gesprochen, die damals mit ihm musizierten. Damals fand Stoki auch noch Musiker aus seiner ersten Zeit dort vor und der berühmte Stokowski-Klang war sofort wieder erlebbar. Nur größte Hochachtung und Zuneigung sind auch heute noch in Gesprächen zu erfahren. Stokowski stand für das musikalische Philadelphia während Jahrzehnten und der aktuelle Bekanntheitsgrad des Orchesters ist durch ihm gegründet worden. Der Violinist Herbert Light war schon in jungen Jahren beim Philadelphia Orchestra engagiert und erlebte Stokowski 1960 als Dirigent mit Mahlers 2., das blieb für ihn ein tiefgehendes Erlebnis. Er hatte auch das Glück mit ihm während einer Zugfahrt nach Tanglewood im Speisesaal den Tisch zu teilen und erinnert sich lebhaft an ein Gespräch Bogenführung und Klangmöglichkeiten der Geige betreffend, beides war für den Dirigenten immer von enormer Wichtigkeit.

Dass Stokowski eine Art ‘König‘ von Philadelphia war, bestätigte mir zudem seine musikalische Assistentin und Orchesterbibliothekarin Nancy Shear, die mit ihm bis einige Wochen vor seinem Tod zusammenarbeitete. Er erlaubte ihr seine Proben zu besuchen als sie 16 war, danach war sie halbtags in der Musikbibliothek des Orchesters und auch zugleich privat für Stokowski in New York tätig. Nancy Shear sieht in Stokowski einen Menschen, der seiner Zeit weit voraus war. Fokussiert darauf, die Klassik allen Schichten der Gesellschaft näherzubringen, im Besonderen Kinder und Jugendliche zu gewinnen, denen er immer große Aufmerksamkeit sowie Vertrauen bekundete. Sein Wunsch war es auch die Menschen, die sich keinen Konzertbesuch leisten konnten, einzubeziehen. Für ihn war das Leben ein fortwährender organischer Prozess, der immer neue Formen der Kreativität hervorbringen würde. „Keine Probe, kein Konzert klang gleich bei ihm“, so Nancy Shear. „Musizieren war immer ein lebendiger Prozess, der jedes Mal aufregend neu erschien.“ – „Er war ein sehr privater Mensch, der selten sein Innerstes zeigte, wir aber bekamen gute Freunde in New York, später in England sowie in Frankreich von 1972 bis zu seinem Tod 1977. In seinem Haus in Südfrankreich brachte er mir sogar das Pokerspiel bei. Dabei erzählte er von den Poker-Partien mit Rachmaninow während den Ozeanüberquerungen, die sie gemeinsam gemacht hatten. Im Besonderen war er sehr misstrauisch den Journalisten gegenüber und erzählte öfters Geschichten mit falschen Fakten während den Interviews, weil er nichts enthüllen wollte.“ Natürlich benutzte auch er später Flugzeuge und bedauerte gegenüber Nancy Shear die viele Zeit, die er auf den Ozeanriesen verbracht hatte, doch seine Abneigung gegen das Fliegen resultierte wohl aus einem Flugzeugabsturz, den er 1945 überlebte.

American Symphony Orchestra 1962-1972

Nach den Erfahrungen in Houston dachten viele, dass Stokowski nach New York gehörte, dort hatte er auch seine Karriere in den USA begonnen. Die New Yorker Philharmoniker waren zwischenzeitlich in das Lincoln Center umgezogen, und man suchte wieder ein Orchester, dass die Carnegie Hall präsentierten konnte. Zudem wollte Stokowski sich erneut in New York beweisen, er hatte zwar die Entscheidung der NYPO für Mitropoulos elegant weggesteckt, doch wohl nicht vergessen. Am 26. April 1962 wurde das American Symphony Orchester, das noch heute besteht, gegründet. Mittlerweile war Stokowski achtzig Jahre alt, doch seine künstlerische Energie war ungebrochen, endlich konnte er wieder ein Orchester nach seinen Vorstellungen aufbauen. Er musste nichts mehr beweisen, auch unterstützte die gesellschaftliche Aufbruchstimmung dieser Zeit seine Visionen.  Er blieb seinen Idealen treu, engagierte herausragende junge Musiker aus verschiedenen Ländern, darunter viele Frauen, junge Dirigenten wie Itzhak Perlman sowie die erfahrenen und angesehenen Karl Böhm und Igor Markevitch. Auch wurde Judith Somogi in der zweiten Saison seine Assistentin. Er zahlte gute Gagen, auch an die Musiker, die nicht in einer Gewerkschaft waren. Als die Planung der ersten Konzertserie an der Finanzierung zu scheitern drohte, kam er aus seinem Sommerurlaub in Europa zurück und finanzierte das Orchester mit USD 60.00 aus seiner eigenen Tasche, er dirigierte zudem über Jahre ohne Honorar.2)

Hier eine Programmzusammenstellung aus dieser Zeit:

Contemporary Music Society concert

Alan Hovhaness (1911-2000) -The Burning House, one act opera opus 185 (1959): Overture

Donald Erb (1927-2008) – Four for Percussion – percussive tone row sound

Lou Harrison (1917-2003) – Suite for Symphonic Strings: Estampie – Et in Arcadia Ego – In Honor of Hercules – In Honor of Eros – Lament – In Honor of Apollo – Viola’s Reward – In Honor of Hermes – Nocturne

Richard Donovan (1891-1970) – Soundings (1953) 4)

Sein großes Engagement für neue Musik zeigte er auch 1965. Nach jahrelangen Arbeiten hatte man Charles Yves 4. Sinfonie rekonstruiert und sie wurde zum ersten Mal im Manhattan Center aufgeführt. Ein mediales Ereignis. Man benötigte 10 Proben sowie drei Dirigenten, ein interessantes Video mit Interviews ist aktuell noch verfügbar.

In den ersten drei Jahren baute das Orchester vier Konzertreihen auf: Reguläre Konzerte zu niedrigen Eintrittspreisen, Jugendkonzerte für Teenager, Konzerte für Kinder ab acht Jahren und zudem noch Konzerte für Kinder zwischen fünf und sieben Jahren. Stokowski wollte zeitig eine Generation von Musikliebhabern gewinnen. Viele bekannte Persönlichkeiten sowie Künstler in New York bekamen Sponsoren, das größte Geschenk von USD 1,5 Millionen spendete die Ford Foundation. Das New York Board of Education plante alle Schulkinder unentgeltlich in die Konzerte zu bringen. Der 83-jährige Maestro blühte formlich auf und kooperierte zudem mit den United Nations, indem er jedes Jahr ein internationales Eröffnungskonzert veranstaltete, um somit Menschen vieler Nationalitäten zu verbinden.  2)

Zwischendurch war Stokowski immer wieder in Philadelphia sowie auch in Europa. Er gastierte mit den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig, in den Städten Frankfurt, Stuttgart, Saarbrücken. Mit dem HR-Sinfonieorchester arbeitete er 1955 zusammen, unter dem Titel ‚Berühmt und berüchtigt‘ kann man auf deren Website nachlesen, was so alles passieren konnte, wenn ein Weltstar in das Nachkriegsdeutschland kam. Hans Werner Henze verpasste damals seine eigene live Uraufführung ‘Quattro poemi‘. Wenngleich Stoki in jungen Jahren in München viel Zeit verbrachte, ist dort kein Konzert mit ihm in späteren Zeiten in den Verzeichnissen vermerkt. Interessant noch die Konzertprogramme aus Cincinnati ganz zu Beginn seiner Karriere. 1910, Richard Strauss ist mit ‚Tod und Verklärung‘ vermerkt, doch sind auch viele Konzerte mit Musik von Richard Wagner zu entdecken. Zu Bruckner fand er keinen Zugang, Werke von ihm hat er wohl nur zwei Mal aufgeführt. Mahler dagegen gewann sein Interesse. 4) Auch von Mozart gibt es nur zwei Aufnahmen, obwohl er Ausschnitte aus dessen Opern öfters aufs Programm setzte. Dennoch, die ungeheure Fülle sowie die Vielseitigkeit der Programmgestaltung, das breite Repertoire sowie die unermüdliche geistige Auseinandersetzung mit der Musik, machen ihn sicherlich zu einem der wichtigsten Dirigenten des letzten Jahrhunderts.

Sein Klangideal, seine Ziele, seine Philosophie

Schon in einem Interview in New York im Jahr 1950 sprach er davon, dass es in der Zukunft weniger gute Dirigenten geben würde, weil die Ausbildung einfach nicht genügend Praxis vermitteln könne. Wer habe wohl als Dirigent sein Instrument zuhause? Er forderte mehr Sommercamps und Übungsmöglichkeiten mit den großen Orchestern für junge Dirigenten. Was den ‚rich lush‘ (reichen und üppigen) Klang von Stokowski betrifft, der gerne so beschrieben wird, so darf man sich nicht vorstellen, dass es ein Einheitsklang war. Sein Interesse an zeitgenössischer Musik erlaubte das mitnichten. Zum Beispiel ein beliebtes Encore: Morton Goulds ‘Guaracha‘, aus ‘Latin-American Symphonette‘, ist ein heißer Rumba-Rhythmus und den musiziert Stokowski sehr überzeugend. Der reiche und üppige Klang ist dann aber wieder passend für Elgars ‘Nimrod‘, aufgenommen in Prag mit der Tschechischen Philharmonie. Sein Klangideal trug er in seiner Seele und konnte es jedem Orchester fast telepathisch vermitteln.  

Stokowskis Buch “Music for All of Us” ist durchaus wertvoll, er scheint sogar visionäre Einsichten besessen zu haben. Er prophezeit im Kapitel “Music and World Culture”, dass die Welt an einen Scheideweg der Entscheidungen kommen könnte: “Es ist wichtig, einen Weg zu finden, das Leiden mit intensiver Freude auszugleichen – dann wird das Leben voll und vollständig sein. Manchmal ergibt das Zusammenspiel von Leid und Freude, wie Schatten und Sonnenschein, ein pulsierendes, reiches Leben, aus dem das Höchste in Kunst und Musik wachsen kann.“ Und weiter: “Die Situation der Welt und die aller Menschen werden mit zwei Möglichkeiten konfrontiert sein. Die eine ist es, mit negativen und zerstörerischen Kräften weiterzumachen – einer Reihe von Kriegen – jeder Konflikt bereitet den nächsten vor. Da diese Kriege nicht mehr lokal, sondern weltweit stattfinden, ist es möglich, dass sie mit der Zeit alle Künste – alles Lernen – alle Institutionen der Wissenschaft – die schönen Gebäude der Vergangenheit – die Zentren der Kultur zerstören werden. Schlimmer noch, sie können die Hoffnung in den Köpfen und Herzen der Menschen zerstören, so dass es keine Vision für die Zukunft gibt – keine Erleuchtung – sondern nur Verzweiflung.” 1) (Übersetzt) Diese Worte gelten auch noch für die Gegenwart, denn seine angedachte Utopie inmitten des 2. Weltkriegs konnte sich nicht manifestieren. Im Gegenteil, aktuell stehen wir an einem Wendepunkt in der Weltgeschichte.

Was macht einen Dirigenten zum Maestro

Das Berufsleben eines Dirigenten ist nicht einfach. Am Anfang kann das Talent noch tragen, aber wenn die Routine und der Kampf ums Überleben zwischen Agenturen, Managern, Intendanzen und Presse beginnt, dann benötigt man eine starke Persönlichkeit sowie enorme Stärke mit Weitsicht, um das Talent und die musikalischen Überzeugungen zu festigen und zu intensivieren. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Aktuell sehen wir den Trend in der die Klassik, dass man sich am Showbusiness anzupassen versucht, was nun in die ganz falsche Richtung geht. Zudem leidet die Klangqualität unter solchen Äußerlichkeiten. Aktuell klingt fast jedes Orchester ähnlich, was auf gewisse Art und Weise auch für die Singstimmen zu gelten scheint. Was bedeutet nun Klangtradition und wie wird sie entwickelt? Früher wurde oft von einem Dirigenten verlangt, das Orchester zum Fliegen zu bringen, alle auf einem Atmen schwingen zu lassen und dazu noch das Publikum einzubeziehen. Das sind dann die sogenannten Sternstunden. Liest man Konzertrezensionen über Stokowskis Auftritte, dann dürfte das beim ihm stattgefunden haben, und zwar ziemlich oft. Sicherlich war ein ‚wissender‘ Künstler, denn in seinem Buch schreibt er auch über die verschiedenen Dimensionen des Geistes, mit denen man Musik erleben könne. Eine transzendente Form des Musizierens war ihm bekannt sowie ein Anliegen. Die Klangsprache eines Orchesters beruht zudem auch auf der Ebene des Bewusstseinszustands aller im Moment des Musizierens. Aus dem tiefsten Inneren heraus findet man Ausdrucksformen, die so nicht über den Intellekt entstehen können.

Stokowski wusste ebenso viel über die Beschaffenheit der Instrumente sowie deren Handhabung. Im Besonderen war die Bogenführung bei den Streichinstrumenten für ihn von größtem Interesse. Auch der Platzierung der Instrumentengruppen innerhalb des Orchesters widmete er lebenslange Aufmerksamkeit und experimentierte immer wieder. Auch hier finden sich interessante Sichtweisen in seinem Buch, wie auch Aufnahmetechniken, Frequenzen und Modulationen betreffend, bis hin zur Filmmusik. Während seiner unzähligen Reisen rund um den Globus hat er die verschiedenen Urformen der Musik erkundet, die antiken Instrumente im Alten Ägypten, ebenso wie die in Persien, Indien und selbst die in Afrika sowie in Südamerika studiert. Diese Aktivitäten waren sicherlich auch ein Grund für seine enorme Geisteskraft bis ins hohe Alter hinein. Die meisten seiner Freunde bestätigen ihm musikalische Genialität sowie eine enorme Kreativität.

Am Ende seines langen Lebens kehrte er wieder nach Europe und England zurück, wo er auch starb. Der Lebenskreis schloss sich, wo er angefangen hatte. Laut Wikipedia leitete er 7000 Konzert, davon 2000 Uraufführungen. Mit dem London Symphony Orchestra verband ihn eine über 60jährige Tätigkeit. 1972 feierte Stokowski seinen 90. Geburtstag und gleichzeitig den 60. Jahrestag seines Debüts mit dem Orchester. Er dirigierte das LSO in der Royal Festival Hall mit demselben Programm, das es 1912 gespielt hatte. Auf dem Programm stand das Violinkonzert von Glazunov, das 1912 von Efrem Zimbalist gespielt worden war, 1972 war es Silvia Marcovici. Auch auf dem Video von dem Ereignis, ist der warme, runde Stokowski-Klang wieder hörbar.

Ein Leben im Dienst der Musik, ist ein gelungenes, so wie es Stokowski selbst beschreibt:

Viele Künstler sagen während ihrer Arbeit immer wieder: “Ich fühle mich, als ob ich es nicht selbst täte – etwas treibt mich an – die Sache scheint von selbst zu wachsen – oft mit großen Schwierigkeiten.” Dieses Gefühl, das über uns hinausgeht – dass wir nur der Kanal des Ausdrucks sind – macht jeden Egoismus unmöglich – macht uns demütig vor den unsichtbaren, aber allmächtigen Kräften, die wir in uns und in allem Leben spüren. 1)

Copyright Midou Grossmann 2022

[i] 1)       Music For All of Us. – Leopold Stokowski – Simon and Schuster, New York 1943

2)         Leopold Stokowski – A Profile by Abram Chasins – Robert Hale – London 1981

3)         Priest of Music -The Life of Dimitri Mitropoulos – William R. Trotter – Amadeus Press 1995

4)         Larry Huffman – http://www.stokowski-org

5)         YouTube – Videos, Interviews Stokowski

6)         https://www.library.upenn.edu/collections/special-notable/groups/leopold-stokowski-collection


 

Author: Midou Grossmann

Writer, Arts, Philosophy....

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