Ein Sommer der Reflektionen

Gedanken zum Musiktheater in Zeiten einer Krise

 

Andrea Chenier 2011
Copyright Midou Grossmann

Eigentlich hätte es einen Sommer der Reflektionen hinsichtlich Oper und Konzert werden müssen.  Ein Großteil der Festivals annullierte die Saison, da die Corona-Maßnahmen ein bewegendes Musiktheater nicht erlauben, so schien es. Eine Phase des Nachdenkens hätte nützlich sein können, doch sind natürlich die wirtschaftlichen Begebenheiten nicht immer glänzend und so versuchen manche Institutionen nun eben ein Spagat zwischen Einnahmen und Kunst, zudem auch, um in den Schlagzeilen zu bleiben.

Leider ist doch ein Hype entstanden. Die Medien zeigen Sängerstars in Aktion unter südlichem Sternenhimmel, in heimischen Gärten und sogar in Wohnzimmern, man feiert so die Auferstehung der Kunst. Selbst Bayreuth im kühleren Franken ist enorm aktiv, man präsentiert Konzerte am Badesee. Richard Wagner ist immer gut für eine Schlagzeile, der Bayerische Rundfunk verkündet stolz: „Selbst Corona kann Wagner nichts anhaben“. Dabei wäre es eine perfekte Gelegenheit gewesen, jetzt endlich einmal über die Aussagen der Wagneropern zu sinnieren, gibt es da nicht Parallelen zur aktuellen Krise? Zeigt uns der Komponist nicht einen tieferen Zugang zur vordergründig so flüchtigen irdischen Existenz? Wäre ein kreativer Neubeginn nicht zwingend notwendig gewesen? Nun, was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Salzburger Festspiele setzten auf ‚Salome‘ (in den letzten Jahren) und heuer auf ‚Elektra‘. Diese Opern von Richard Strauss gleichen den antiken Originalen vom Libretto her nun eigentlich sehr wenig. ‚Salome‘, nach Oscar Wilde, von Strauss selbst ‚eingerichtet‘. ‚Elektra‘, von Hugo von Hofmannsthal, nach dem Drama Sophokles’ umgeschrieben, passend für den Zeitgeist einer ‚aufgeklärten‘ Gesellschaft. Beide Opern sind aktuell etwas konturlos geworden, wage ich zu behaupten, nie konnte Richard Strauss an Wagners Mystik anknüpfen . Es könnte reizvoll sein, eine neue ‚Elektra‘ zu konzipieren, enger an Sophokles, und was ‚Salome‘ betrifft, ist die Version von Antoine Mariotte vielleicht doch spannender.

Eine passende Oper für diesen Sommer wäre ‚Andrea Chénier‘ von Umberto Giordano gewesen. Das spannende Libretto von Luigi Illica (die Handlung spielt während der Französischen Revolution), von Giordano mit einer genialen musikalischen Urkraft vertont, geht unter die Haut und ist immer noch hoch aktuell.  Durchleben wir nicht momentan auch eine Zeit des Umbruchs? Zwar hat das Werk in den letzten Jahren einige wichtige Aufführung erlebt, doch der große Durchbruch lässt noch auf sich warten, vielleicht auch aus dem Grund, dass man drei hervorragende Hauptdarsteller aufbieten sollte, die stimmlich sowie darstellerisch den Verismo mit seiner Dynamik verstehen. Dies gilt auch für den Dirigenten, der die ungemein farbenreiche Komposition Giordanos mit all ihrer Dramatik – aber auch Lyrik – packend zu gestalten hat, doch gleichzeitig die Sänger gekonnt durch die anspruchsvolle Partitur bringen muss.

Eine Referenz-Aufnahme ist immer noch der Mitschnitt aus der Mailänder Scala von 1955 mit Maria Callas, Mario Del Monaco und Aldo Protti, unter dem hervorragenden Dirigat von Antonino Votto. Als Musterbeispiel der letzten Jahre darf die Aufführung auf der Bregenzer Seebühne gelten, in der Regie von Keith Warner und dem Dirigat von Ulf Schirmer (2011/12). Hier war perfektes Musiktheater in einem einmaligen Outdoor-Ambiente zu erleben, das mit seiner szenischen Wucht die gesamte Bregenzer Bucht einbezog und so ein einmaliges Kunstwerk schuf, das zu einem wahrhaft transzendenten Erlebnis wurde. Hier darf man auch das beeindruckende Bühnenbild von David Fielding erwähnen. Er schuf ein gelungenes Kunstwerk, das so selten zu erleben ist.

Hoffen wir, dass sich das Musiktheater in den kommenden Jahren in diese Richtung bewegen kann, denn inmitten der Krise öffnen sich kontinuierlich neue Portale.

Copyright Midou Grossmann 2020

Fotos Copyright Midou Grossmann 2012-2020

 

 

Festspiele in Bregenz heuer nur reduziert

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Seebühne Bregenz Austria – Foto Midou Grossmann July 2020

„Es wird alles wieder gut“, so lautet die Nachricht aus dem Festspielhaus Bregenz, und man verkündet, dass Festtage im Festspielhaus von 15. bis 22. August stattfinden werden. Man möchte doch nicht ganz aus dem Feuilleton verschwinden und bis Ende August sollten in Österreich noch weitere Lockerungen bezüglich der erlaubten Zuschauerzahlen verkündet werden. Drei Konzerte, ein Arienabend und eine Musiktheater-Uraufführung laden während der achttägigen Veranstaltungsreihe in den Großen Saal des Festspielhauses. Im Seestudio stehen zwei Abende von Musik & Poesie auf dem Programm. Das Kunsthaus Bregenz wird mit einem Konzert im KUB ebenfalls zum Schauplatz der Festtage.

Die aus Tirol stammende Musicbanda Franui ist gemeinsam mit Bassbariton Florian Boesch bei einem außergewöhnlichen Konzert am 15. August im Festspielhaus zu erleben. Den Schlusspunkt der Festtage bildet am 22. August ein Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker unter Philippe Jordan, der letztmals als deren Chefdirigent in Bregenz zu Gast sein wird. Ein weiteres Konzert spielt das Symphonieorchester Vorarlberg mit Enrique Mazzola am Dirigentenpult sowie Sopranistin Mélissa Petit. Beim Arienabend Viva Verdi – Viva l’Opera sind in kleiner Orchesterbesetzung Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters St. Gallen ebenfalls unter Enrique Mazzola zu erleben, es singt die Sopranistin Anna Princeva.

Angesichts dieser ‚Leckerbissen‘ ist sicherlich so mancher Musikfreund motiviert die Bodenseeregion zu besuchen. Denn nicht nur die Musik klingt hier intensiver, sondern auch die Landschaft am ‚Schwäbischen Meer‘ bezaubert immer wieder und belebt Körper sowie Geist. Kulturgenuss unten im Festspielhaus, Erholung auf dem Berg, ein perfekte Symbiose. So habe ich das über lange Jahre geplant und gelebt.

Neben dem Pfänder, dem über 1000 Meter hohen Hausberg, gilt das weniger überlaufene Eichenberg immer noch als Geheimtipp. Auch als Luftkurort gehandelt, liegt der Ort auf 793 Meter auf einem Sonnenplateau, mit einer Aussicht, die man einmalig bezeichnen darf. Weit bis in das Rheintal schaut man, nach Konstanz, Ravensburg und in das Allgäu hinein. Das bäuerliche Flair des Ortes konnte bis jetzt erhalten bleiben, zugleich sind Hotels sowie Ferienwohnungen vorhanden.

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Terrasse Hotel Sonnenhof Eichenberg Austria Foto Midou Grossmann July 2020

Wunderbar platziert am Dorfausgang, neben einem Wald und mit einer unverbaubaren Terrasse, das Hotel Sonnenhof, welches mit seinen modernen Zimmern, die fast alle mit Küchenzeile ausgestattet sind, für einen Langschläfer ein Segen sein kann.  Wenngleich das opulente Frühstück des Hauses sehr zu empfehlen ist. Eine große Suite mit eigener Terrasse ist ideal für Familien mit Kindern. Zudem bietet auch der Wellnessbereich, mit einem Hallenbad und Liegewiese, einen grandiosen Blick über den See. Was will man mehr? Kultur, Komfort, Natur und gutes Essen in einer geschichtsreichen Region sind immer ein Gewinn in turbulenten Zeiten.  Ein Besuch allein reicht nicht, um all das zu entdecken. Gerade in der Krise mit den Reisebeschränkungen bleibt der Bodensee ein wirklich lohnenswertes Ziel, da es mit seinem internationalen Flair für jeden Besucher etwas zu bieten hat.

 

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Hotel Sonnenhof Eichenberg Austria July 2020 Foto Midou Grossmann

https://bregenzerfestspiele.com/

http://www.sonnenhofhotel.at/site/inhalt.php?ID=18&menu1=18&menu2=0&sprache=1&active=18

https://www.bodensee.de/region/vorarlberg/eichenberg

Copyright Midou Grossmann  – Fotos Copyright Midou Grossmann

 

 

Singen Verboten ? Bitte Aerosol-Tests überdenken!

getintuneMattia Battistini (Youtube)

Seit Monaten ist es zumeist still in der Oper- und Konzertszene. Das Aufatmen war nur kurz als einige mutige Intendanten doch schnell Ein-Personen-Auftritte auf die Bühne brachten. Doch aktuell schockieren Meldung die Musikbranche, weil wissenschaftliche Messungen belegen, dass beim Singen Viren über zwei Meter weit in den Raum geschleudert werden. Ein Aus für Chöre für lange Zeit, für große Oper ebenso?

Ich habe heute gelesen, dass die Tests nach dem Einatmen von Rauch (E-Zigaretten artig) stattfanden, lautes Husten und Singen kennzeichneten die Untersuchungen. Es wäre an der Zeit einmal zu überdenken, ob wir generell nicht zum Belcanto auf breiter Basis zurückkehren müssen. Mattia Battistini betonte immer, dass er nur so leicht beim Singen atmen würde, als ob er an einer Blume riechen wolle, das Ausatmen erfolgt dann auf eine noch sanftere Art. Auch Angelo Loforese sprach immer davon, dass er gar nicht so sehr auf den Atem achten würde, der käme schon von allein, wenn man geistig gut eingestimmt sei. Wer mit einer Art Yogi-Atem das Singen angeht, benötigt bedeutend weniger Volumen, das bestätigte auch die Primadonna Amelita Galli Curci, die über Jahrzehnte eine alte vedische Meditation praktizierte. Der Begriff des Singens in die Maske  ist etwas in Veruf gekommen, das inalare (oft auch als inhalare bekannt) der Stimme ebenso, aber nur weil man heute eigentlich die geistige Art des Singens nicht mehr verstehen und sie auch selten ‘wissend’ lehren kann.

Vielleicht wäre es an der Zeit sich wieder darauf zu besinnen und dann erneut zu messen, wie stark die Luftströme sind. Auch Chöre sollten sich umstellen, einige machen das ja schon seit Jahren. Ich könnte mir vorstellen, dass ein bedeutend geringerer Luftausstoß  gemessen werden würde. Musik und Gesang sind lebenswichtige Elemente für die Menschen, daher gilt es einen Weg zu finden.

Diese Art von Singen setzt eine innere Konzentration voraus, die einigen große Künstlern schon in die ‘Wiege’ gelegt war, andere könnten es lernen, wenn sie denn wollten. Einfach einmal das ‘höhere Selbst’ entdecken mit leichten Übungen und einer besonderen Einstellung der Verinnerlichung.

Copyright Midou Grossmann 2020

The three dimensional Mensch

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Photo Midou Grossmann – Lake Constance 2012

Corona Lockin does give time to go deep inside. Classical Music does help to enhance the journey towards within for those who don’t have a personal technic of meditation.

We as people are somehow three dimension layered energy balls. With our bodies we resonate on the grossest level but with our minds we can go above. And it is not only the mind; we need to heighten our personal vibrational energy to overcome the body vibes which tend to bind us to a limited world with heart and mind. Music – if performed out of the heart chakra – can help us to overcome our body consciousness and that’s why so many people sit extremely still during concert performances. It is a kind of meditation. Music is a free ticket to travel ahead into a vibrational realm where we can find inspiration and solutions for problems seemingly unsolvable, strenght to go on. Music can lead us to the storehouse of magic, the sheer bliss dimension. That’s what we do need in these times. Men and women can rise above the panic and fear. Unfortunately music is closed down. Let’s go inside during these days dear musicians and maybe new masterpieces can be created. Livestream music is helpful but it does rarely have the intense vibrational force as live concerts to provide.

Let’s take this time to create new ways of thinking, rise above the seemingly strong limitations from outside. Music can be very helpful to reach our higher dimensions of being. In this sense we can build a new society free of old control patterns.

Article about Corona and Art – Kulturexpresso

Copyright Midou Grossmann 03/2020

Löse von der Welt mich los….

….oder das Wunder im Orchestergraben – Premiere ‘Tristan und Isolde’ Oper Leipzig 5.10.19

Oper Leipzig
Oper Leipzig – Richard Wagner “Tristan und Isolde” HP2 am 30.09.2019 Foto Tom Schulze Tel. 0049-172-7997706 http://www.tom-schulze.com post@tom-schulze.com

Wer – wie ich – seinen ersten Tristan 1986 in Bayreuth erlebt hat, wird diese Produktion wohl nie mehr vergessen. Das war der sagenhafte Ponnelle-‚Tristan‘, mit dem berühmten silbrigen Baum im zweiten Akt. Dazu noch Peter Hofmann und Janine Altmeyer als Titelpaar! Ich glaube, ich habe jede Aufführung damals gesehen. Löse von der Welt mich los…, das gelang grandios, alle Mitwirkenden sowie das Publikum werden das jederzeit bestätigen. Der große Zauberer Jean-Pierre Ponnelle wusste genau, wie man die Opern von Richard Wagner zu inszenieren hatte.

Der Eindruck der Leipziger Premiere ist ein gespaltener. In den Opern von Richard Wagner geht es immer um den ‚dreidimensionalen‘ (ganzheitlichen) Menschen: Körper, Geist und Seele. Auszugehen ist zudem auch von einer Wiedergeburt der Seele in einem neuen Körper. Diese Sichtweise war Wagners Philosophie und darauf basierte die Erlösung letztendlich in seinen Opern: es geht für uns Menschen in einem anderen Schwingungsfeld als Seele weiter. Nichts mit schwarzem Loch oder Nirwana, das wäre zu einfach.

Wagner sowie Schopenhauer basierten ihre Suche auf den uralten indischen Veden, auch der Buddhismus in seiner aktuellen Form ist aus dem Ur-Hinduismus entstanden. Das Schopenhauer-Archiv in Frankfurt spricht von 179 Werken, die er zu diesem Thema studiert hat, im Archiv selbst ist noch ein Rest von 125 indologischen Titeln vorhanden. Wagner schreibt ebenfalls immer wieder in seinen Aufzeichnungen von diesen uralten indischen Lehren, den Upanischaden, er liest die indischen Märchen und Sagen regelmäßig. Des Weiteren finden sich unzählige Hinweise auf dieses Thema in seinen Schriften, diese Lebensphilosophie ist ihm Trost.

Zeigt Richard Wagner mit seinem Ring des Nibelungen eine karmische ‚Gruppenhandlung‘ über mehrere irdische Leben hinweg, begrenzt er die Handlung bei ‚Tristan und Isolde‘ auf die intime Form der menschlichen Liebe zwischen zwei Menschen, die sich schon vor dem ersten Treffen in Irland in einer anderen Zeit und Form geliebt haben. Daraus ergeben sich nun die tragischen Ereignisse, alles ganz einfach letztendlich.

Theaterregisseur Enrico Lübbe traute der Geschichte wohl nicht so ganz und daher gab es noch den Co-Regisseur Torsten Buß. Gezeigt wird gutes Theater aber kein wirklich großes Musiktheater. War der erste Akt noch spannend, was hoffen ließ, wurde der transzendente zweite Akt zu einer konfusen psychologischen Parabel, die dann letztendlich mit der wunderbaren Musik aus dem Orchestergraben gar nichts mehr zu tun hatte.

Paradisi Gloria Juli 2010 Foto Midou Grossmann
Paradisi Gloria Juli 2010 Foto Midou Grossmann

Überhaupt geschah das Wunder des Abends im Orchestergraben. Intendant und GMD Ulf Schirmer sowie das Gewandhausorchester zauberten Töne in den Raum, ganz auf der Linie von Herbert von Karajan und Leonard Bernstein, welche man so lange nicht mehr gehört hatte. Schon das Vorspiel löste den Geist von der Erdenschwere und hier wurde mit geschlossenen Augen gelauscht, verpasst habe ich dann wohl  einige Hinweise hinter dem Gazevorhang. Lieber Theaterregisseur, so ist das eben mit Opernbesucher, bitte keine Vorlesungen. Die silbrigen Klänge im zweiten Akt, die ganz unterschwellig auch kontinuierliche Walzerrhytmen als Hinweis auf eine höhere Welt beinhalten, wurden durch das Versteckspiel von Tristan und Isolde empfindlich gestört, getrennt wanderten beide nervös am Bühnenrand entlang. Anfassen oder Ansehen war gar verboten.

Was aus dem Graben im dritten Akt erklang, ist so nur sehr selten zu erleben. Wahnsinnsakkorde, die Tristan auf der Bühne fehlten, peitschten das Gewandhausorchester bis an die Grenze des menschlich machbaren Musizierens. Ulf Schirmer hatte die Uraufführungspartitur von München 1865 zur Verfügung und konnte anhand der Anmerkungen erkennen, welches Klangbild Richard Wagner vorschwebte. Breiter, ruhiger Fluss, mit zugleich immer wieder starken Gefühlsausbrüchen, die wie Wellen aus einem Meer aufsteigen und verebben.

Ich gehe nicht im Detail auf das Bühnenbild von Etienne Pluss ein, es genügt zu wissen, dass man sich in einem Schiffswrack befindet, schief und dunkel das Ambiente. Viel Licht gab es daher nicht, wenngleich Olaf Freese doch einiges richten musste, wohl auch die Neonstäbe, die eine Art Rahmen auf der Bühne bildeten, aus diesem Rahmen ‚fallen‘ durften am Premierenabend nur Tristan und Isolde.

Auch gesanglich sowie darstellerisch kann man leider von keiner homogenen Leistung sprechen. Meagan Miller war sicherlich der Pluspunkt der Inszenierung. Ihr gelang es schon den ersten Akt enorm spannend zu gestalten, mit kluger Phrasierung und ausgefeilter Diktion. Sie besitzt eine schöne Stimme mit klarer Höhe, die noch wachsen kann.  Darstellerisch blieb sie ebenfalls ungeschlagen an diesem Abend, bis zur letzten Szene eine verheißungsvolle Leistung. Barbara Kozelj, die  junge Mezzosopranistin in der Partie der Brangäne, wirkte zuweilen doch unsicher, die gesangliche Linie klingt etwas unausgeglichen, abgesehen von dem berühmten Wachgesang, hier schwebte ihre Stimme mit perfektem Legato durch das Haus. Sebastian Pilgrim als König Marke zeigte eindrucksvoll wie Wagner zu singen ist, nämlich mit sprachlicher Stilsicherheit aber auch mit viel Belcanto. Er war ein weiteres Highlight des Abends.

Nun kommen wir zum Helden Tristan alias Daniel Kirch. Das ist nicht seine Partie, Kirch fehlt das heldische Timbre, auch an Ausstrahlung mangelt es ihm. Währen den ersten beiden Akten frug man sich, wie Kirch den dritten Akt schaffen wolle, seine Stimme klang brüchig und sehr baritonal, doch dann überraschte er. Es war nun eine One-Man-Show und hier konnte er gestalten ohne auf andere zu achten, es gab schöne Stellen, die durchaus beachtlich klangen, dennoch fehlte auch in dieser tragischen Szene das Gestalterische. Eigentlich war man froh als Meagan Miller ihren wunderschönen Liebestod sang und endlich mit Tristan vereint in den Kulissen entschwinden durfte. Einspringer Jukka Rasilainen als Kurwenal immer noch sehr beachtlich, ordentlich auch Martin Petzold (Hirt), Franz Xaver Schlecht (Steuermann) und Alvaro Zamrano (junger Seemann).

Mit einigen Retuschen im zweiten Akt könnte diese Inszenierung dann wohl auch für den Wagner-Marathon 2022 zu einem Highlight werden, denn wie gesagt, das Schönste kam aus dem Orchestergraben.

Nächste Vorstellung 12. Oktober

http://www.oper-leipzig.de

Copyright Midou Grossmann 2019

The Window to ‘Reality’?

“Think of a window. It allows us to see whatever is outside. Quantum physics, which, to me, is a visionary window, produces a much more puzzling view. As a result, you may well look at everything in a new and amazing way.” (Amit Goswami Ph.D., Consciousness Scientist)

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If people would turn away from hatred and envy, going forward towards true understanding and longing for peace this planet could become in a short time a good place to live.

The last decades have brought more and more tensions on so many levels of society. People are ready to explode since most are longing for a harmonious life in a safe and healthy surrounding. But many challenges do keep us far from this simple goal. Do you know the expression quantum leap? Going out, being creative, and using the highest creative power in a dynamic way to improve a situation. Yes, this is what is needed. Going above the so called daily routine. A discontinuous mouvement is known as a quantum leap. So please do go into your true inner self and disrupt routine, find this divine spark which is your birthmark from heaven. Start to be true to yourself again. All will be well. Especially in art we need this kind of thinking since now art starts to be fully controlled by an old stagnant way of egoistical thinking. But art should guide people to reach out for the higher self, awaken a desire to become better people. We do not need these endless boring productions of operas which do show us how bad everything is now and these concerts turning into sheer events, business as usual for the Upper Class. There is an urgent need to go hand in hand with the composer and show people that there can be noble and beautiful moments despite seemingly chaos.

“Therefore, since atoms are possible movements, molecules are possible movements, and neurons are possible movements, it follows that the brain itself is a possible movement. Right? But that means that consciousness, if it is created by the brain, is also a possibility!” (Amit Goswami Ph.D., Consciousness Scientist)

Copyright Midou Grossmann 2019 Text and Photo

 

Belcanto! Wanting to sing ‘deep’?

For a classical opera singer talent does build a base of maybe 30%!

Studying the basic technics for some years another 30%!

But this is often not enough for a successful career as a soloist. The last 40% which will provide enough stamina and determination, self-trust, and the power to pursue a long career are based mostly on psychological and spiritual tools.

In Wahrheit ist das Instrument des Sängers der ganze Mensch mit all seinen
seelischen und körperlichen Spannungen. Selbst die Zweiteilung des Instruments ist zuletzt zwanglos aufgelöst. (Franziska Martienssen-Lohmann – berühmte Gesangslehrerin)

In allen Gesellschaften hatte die Musik eine hohe Bedeutung. In den alten Sagen kann man lesen, dass die Musik bereits vor langer Zeit als eine Art Lebenselixier galt. (Herbert von Karajan)

I have studied these ‘interior dimensions’ of success since more than thirty years and I am confident that I could help many talents to prosper during many years in harmony with creative abundance and self awareness. See my flyer, do not hesitate to contact me if you feel that this could enforce your artistic and human potential.

Love and Light – MIDOU

Singing

Richard Wagner’s love for India

In my book – published long ago – I did bring out the resemblance of Wagner’s operas with the ancient Indian Philosophy of karma and reincarnation.  The RING, a karmic story, was outlined therein page by page as a story based on the principles of Vedic philosophy. This is not at all admitted in the West, even after more than two hundred years things do get put on stage with all kind of confusions and misunderstandings.

In Wagner’s memoirs  Das braune Buch  we can read a most interesting quote about the Ramayana. Wagner and his wife Cosima did read frequently the Far Eastern Scriptures, as did Liszt, von Bülow and many other close friends, inspired as well by Arthur Schopenhauer, who owned hundreds of books about this topic. (Can be seen at Schopenhauer Archives in Frankfurt, Germany.)

On page 55 – 57/Aug 1863 we read: “I am disturbed about your (Cosima) visit in Pesth, will take a book:  Ramayana! – Later: O what a beauty the Ramayana, what kind of a world is unfolding! An incredible piece of art, modern literature just seems insignificant. I am in book II: All is alive and does sound for me as real. – Rama is divine, a most beautiful drama is unfolding in my mind, but can I do it? – Rama and Sita and Lakshmana in the forest. A most beautiful poem, divine country of Ganga.  – Good morning dear (Cosima), Rama is around me. All is going down, tears, pain. I do see the queen who did create this sorrow, I see Marantha the hunch back, who is coldly talking to me.”

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Should be reprinted and refreshed. Time to see some news aspects about these operas!

Spielzeit 2019/2020 Oper Leipzig

Altbewährtes und Neues auf einem hohen künstlerischen Niveau

Die Oper Leipzig stellte am Donnerstag, 14. März, ihre Pläne für die nächste Saison vor. Insgesamt 17 Neuproduktionen stehen auf dem Spielplan: Fünf Opernpremieren, vier Premieren des Leipziger Balletts und sieben Premieren der Musikalischen Komödie in der Interimsspielstätte im Westbad, ein Chorprojekt sowie 33 weitere Werke werden im aktiven Repertoire zu sehen sein.

Unter der Intendanz von Ulf Schirmer zeigt sich die Oper Leipzig mittlerweile als ein Haus, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus künstlerische Aufmerksamkeit erregt. Mit dem Gewandhausorchester als musikalischem Partner hat auch der Dirigent Schirmer eines der weltbesten Orchester zur Verfügung. Da gibt es keine A- oder B-Besetzung zwischen den beiden Musiktempeln am Augustusplatz. So wundert es doch etwas, dass Ulf Schirmer, ebenfalls im sinfonischen Repertoire gelobt und gefeiert,  nicht auch im Gewandhaus auftritt; haben seine Orchesterdirigate schon vor Jahrzehnten ganz Wien begeistert. Doch eine im Juni im Opernhaus geplante Aufführung von Beethovens «Missa Solemnis» – unter der Leitung des Hausherrn – sollte man sich unbedingt vormerken.

Richard Wagner und Richard Strauss werden auch in Zukunft die zentralen Säulen des Opern-Spielplans sein. Eine Neuproduktion von Richard Wagners »Tristan und Isolde« wird am 5. Oktober 2019 unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer Premiere feiern. Sie ist ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zu dem erklärten Ziel, bis zum Jahr 2022 alle Werke des in Leipzig geborenen Komponisten fest im Repertoire des Hauses zu verankern. Das wäre weltweit ein Alleinstellungsmerkmal. Für die »Tristan«-Inszenierung verantwortlich, der Intendant des Schauspiels Leipzig, Enrico Lübbe.

Die letzte Neuproduktion der Spielzeit wird am 28. Juni 2020 »Capriccio« von Richard Strauss sein, das den Leipziger Strauss-Kanon um ein weiteres Werk ergänzt. In Szene gesetzt von Regisseur Jan Schmidt-Garre, mit Ulf Schirmer am Pult, der dieses sogenannte Konversationsstück schon 1995 mit den Wiener Philharmonikern für die Decca einspielte. Diese Oper ist sicherlich das am wenigsten bekannte Werk von Richard Strauss, doch für manchen Opernliebhaber vielleicht doch das genialste. Ein geistreiches Libretto (Clemens Krauss) sowie die Altersweisheit haben den Komponisten mitten im zweiten Weltkrieg beflügelt eine Art musikalisches Testament zu komponieren. Die bekanntesten Werke von Richard Strauss werden an einem Themenwochenende vom 10. bis 12. Juli 2020 gebündelt, die mit den Wiederaufnahmen von »Arabella« und »Die Frau ohne Schatten« in der Spielzeit 2019/20 verbunden sind.

Rolando Villazón, der als Nemorino selbst oft erfolgreich auf der Bühne stand, inszeniert Gaetano Donizettis »Der Liebestrank« nun an der Oper Leipzig. Mit viel Witz und Herz, aber auch feinem Gespür für den Tiefsinn des Werkes erzählt er das heitere Liebesabenteuer als turbulenten Western-Movie. Am 14. September 2019 hebt sich der Vorhang für diese erste Premiere der Spielzeit.

Welchen Handlungsspielraum hat der Einzelne im Kampf gegen ein diktatorisches Regime? Dieser Frage gehen Komponist Viktor Ullmann, der 1944 im Konzentrationslager Auschwitz sein Leben verlor, und sein Textdichter Albert Steffen mit ihrer Oper »Der Sturz des Antichrist« auf den Grund, die am 21. März 2020 Premiere feiert. Die selten gespielte Oper wurde 1935 ursprünglich für die Wiener Staatsoper komponiert, wo sie allerdings nicht mehr aufgeführt werden konnte. Für die Inszenierung konnte Balázs Kovalik, Leiter der Opernklasse der Theaterakademie August Everding, München, gewonnen werden, der am Leipziger Haus schon sehr erfolgreich inszeniert hat. Thematisch schließt sich das szenische Chorprojekt »Über.Leben!« anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Ausschwitz-Birkenau am 14., 15. und 16. Februar 2020 an. In Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels setzt sich der Chor der Oper Leipzig zur Musik von Poulenc, Schostakowitsch, Schönberg u.a. mit dem täglichen Grauen und Hoffen, dem Leben und Überleben von Lagerinsassen auseinander. Initiator des Projekts ist Chordirektor Thomas Eitler-de Lint, Regie führt Patrick Bialdyga.

Wolfgang Amadeus Mozarts »Die Zauberflöte«, ein Werk, das für Jung und Alt als Einführung in eine höhere Ethik genannt werden darf, ist ebenfalls als Premiere eingeplant. Die junge tschechische Regisseurin Barbora Horáková  inszeniert, der Vorhang hebt sich am 2. Mai 2020 zum ersten Mal.

Besetzungsmäßig baut diese anspruchsvolle Programmgestaltung zum Großteil auf Ensemblemitglieder der Oper, was beweist, dass Repertoiretheater durchaus auch in der heutigen Zeit möglich ist. Junge Sänger benötigen zudem die Erfahrungen in einem Ensemble, um sich in diesem schweren Beruf etablieren zu können, denn das notwendige geistige Knowhow wird nicht immer während des Studiums vermittelt.

Einfach überirdisch schön

 

 

Fotos + Text Copyright Midou Grossmann 2018

Werke von Morten Lauridsen neu auf CD

Kürzlich gab es im Internet eine Diskussion über lebende Komponisten mit der Frage, wer von ihnen bestehen könnte im Laufe der Geschichte. Morten Lauridsen wurde nicht erwähnt und als ich ihn erwähnte, wurde ich belehrt, dass Lauridsen nur religiöse Musik komponiere, dies zwar sehr gut, aber eben zumeist nur Chormusik. Nun, ich frage mich, was komponierte damals J.S. Bach? Zumeist religiöse Musik und sehr viel Chormusik! Und dennoch wird er immer als einer der Größten bezeichnet. Ein Hauptmerkmal der aktuellen Zeit ist diese enorme Vervielfältigung aller möglichen Facetten des Daseins und ihre Berechtigung im Spektrum der gesellschaftlichen Diskussionen als absolut wahr. Doch das ist vielleicht gut so,  um zu erkennen, dass wir gar nicht so verschieden sind von unseren Vorfahren, letztendlich läuft alles doch auf Glück und Frieden hin. Das menschliche Wesen ist eine schwingende Zellansammlung, das eine große Vorliebe für stark stimulierende Frequenzen hegt, würden wir sonst diesen unsäglichen Kampf um etwas ‚Höheres‘  jeden Tag annehmen ohne überhaupt das ‚Höhere‘ zu kennen?

Die Aufgabe der Kunst war es schon immer diesen Urschmerz im Menschen zu stillen, wenn auch nur manchmal für kurze Zeit. Morten Lauridsens Kompositionen, ob Instrumental- oder Chormusik, fließen direkt aus einem tiefen Erfahren einer höheren Ordnung. Er scheint im Einklang mit der Natur zu atmen und er kann diesen Zustand in Töne setzen. Die neue CD ‚Light Eternal‘, die nun zu seinem 75. Geburtstag bei der Deutschen Grammophon erschienen ist, beginnt mit dem wohl bekanntesten Werk ‚Lux aeterna‘. Komponiert zumeist auf einer einsamen Insel im Nordwesten der USA, nahe der kanadischen Grenze,  ‚sieht‘ man förmlich das Licht durch die Wolken brechen, wie Suchlichter im Pazifik aufleuchten und verglimmen, dennoch unbesiegbar ewig.  Ganz meisterhaft wird das hier musiziert von den I Virtuosi Italiani unter der Leitung von Nicol Matt, der auch den Chamber Choir of Europe auf einem hohen Niveau singen lässt, leicht und schwingend von überirdischer Schönheit. Die Tonaufnahmen fanden letztes Jahr in Kufstein in Zusammenarbeit mit Lauridsen selbst statt, der auch am Klavier begleitete.

Poesie ist für den Komponisten eine wichtige Quelle der Inspiration, sein tägliches Ritual, das Lesen von Gedichten. So vertonte er auch fünf Gedichte von Rainer Maria Rilke in seinem Zyklus ‚Les Chansons des Roses‘. Davon sind zwei hier zu hören, ebenso ein Gedicht aus der Renaissance sowie Pablo Nerudas ‚Ya eres mia‘. Im Zyklus ‚Nocturnes‘ wurden wieder Gedichte von Neruda, Rilke und James Agee vertont. ‚Prayer‘, nach dem Text eines Freundes, dem Schriftsteller Dana Gioia, erzählt von dem Schmerz über den Verlust eines Kindes. ‚O Magnum Mysterium‘ ist ein Mottet, das  von dem Wunder aller Wunder spricht und es bildet den sublim transzendenten Schlusspunkt dieses Musikjuwels, mit dessen Tönen Licht und Trost wahrhaft zu erfahren sind.

Interesting interview with Morten Lauridsen 1999