Forgotten Opera Revived In Glory

proserpine1_mg

Foto Copyright Midou Grossmann

Klassik Award für eine Opern-Rarität

»Proserpine« von Camille Saint-Saëns neu entdeckt

Prof. Ulf Schirmer, Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig, erhält für seine CD-Einspielung »Proserpine« von Camille Saint-Saëns mit dem Münchner Rundfunkorchester den International Classical Music Award (ICMA) 2018 in der Kategorie »Audio: Oper«. Die CD erschien im Mai 2017 in der Reihe »Opéra français« des Palazzetto Bru Zane, dem wichtigsten Forschungszentrum für französische Musik der Romantik, mit dem die Oper Leipzig in der Spielzeit 2016/2017bei der Neuproduktion der Opernausgrabung von Charles Gounods »Der Rebell des Königs (Cinq-Mars)« zusammenarbeitete.

Zudem hat Professor Schirmer in seiner Zeit als Chef des Münchner Rundfunkorchesters weitere Projekte zusammen mit dem Palazzetto Bru Zane erarbeitet, neben »Cinq Mars« auch Benjamin Godards »Dante«, beide Werke wurden erfolgreich in München, Wien sowie in Paris/Versailles aufgeführt. Verdient ging der Klassik Award an »Proserpine«, erweist sich die Oper doch beim genauen Studium als echte Fundgrube von kompositorischen Finessen und Farben. Saint-Saëns war immer von seiner Oper überzeugt und bezeichnete diese oft als seine beste Arbeit. Doch das Werk erschließt sich nicht sofort beim ersten Hören, gegensätzlich der großen Operntradition, setzt der Komponist hier nicht auf vordergründige Effekte oder orientiert sich an der Tradition der Grand Opéra mit opulenten Arien und Chorpassgen. Als ein Zeitgenosse der Freunde Franz Liszt und Richard Wagner, der er beide kannte, darf man sagen, dass Einflüsse dieser beiden Genies auch in der Oper »Proserpine« zu finden sind, in einer harmonische Symbiose, und das gerade macht das Werk so interessant. Eine durchweg impressionistische Klangsprache dominiert zumeist, wenn auch zuweilen dramatisch musikalische Eruptionen zu erleben sind. Bemerkenswert ist die Ausgestaltung der Gesangspartien, welche konsequent über die Musik hinweg gesungen werden und manchmal sogar à Cappella, zudem glänzend dem französischen Sprachrhythmus angepasst. Ulf Schirmer und das ungemein differenziert musizierende Münchner Rundfunkorchester zeigen sich hier als geniale Interpreten der Partitur, sicherlich ganz im Sinne des Komponisten.

Gesanglich darf ebenfalls von einem hohen Niveau gesprochen werden, die wunderbare Véronique Gens beeindruckt erneut mit ihrem dunkel timbrierten Sopran, der große Gestaltungsfacetten und eine leuchtenden Höhe entfaltet. Die Entwicklung von der dominanten Kurtisane Proserpine bis hin zur verzweifelt Liebenden, die den Tod sucht, kann die Sängerin stimmlich überzeugend umsetzen. Die liebliche Angiola wird von Marie-Adeline Henry ebenso brillant mit einem schönen lyrischen Sopran gestaltet. Die Männerriege ergänzt diese homogene Gesangsteam bestens: Grandios alle, Tenor Frédéric Antoun (Sabatino), Bass-Bariton Andrew-Forster Williams (Squarocca), Bass Jean Teitgen (Renzo). Der Flämische Radio Chor wurde von Chorleiter Hervé Niquet hervorragend für dieses Projekt vorbereitet.

Für jeden Opernliebhaber dürfte diese hervorragende Einspielung sicherlich eine Bereicherung sein. Ob sich das Werk allerdings auf den Opernbühnen etablieren kann, bleibt abzuwarten, denn das Libretto zeigt sich nicht wirklich überzeugend.

Ulf_Schirmer

Professor Ulf Schirmer 2012 Foto copyright Midou Grossmann

Copyright Midou Grossmann 2018

Advertisements

Der Bodensee – Was ein See alles erzählen kann

Foto Midou Grossmann

Kürzlich fuhr ich bei frühlungshaften Temperaturen mit dem Katamaran von Friedrichshafen nach Konstanz. Ein Segen diese Verbindung, zumal der Fahrplan stündlich angelegt ist. Sehr passend für eine spontane Reise über den See. Ein Katamaran liegt flach im Wasser und gleitet mit einer beachtlichen Geschwindigkeit dahin. Dieser Frühlingstag – Ende Januar – zeichnete die Landschaft in Pastel, leichte Nebelschwaden gaben dem Bild etwas aquarellhaftes. Träumerisch, fern der sogenannten Wirklichkeit, gleitet so die eigene Seele mit dem Schiff dem Ziel entgegen. Doch hatte man tatsächlich ein Ziel oder war es nur der Wunsch nach einer anderen Realität gewesen, der einem bewog über das Wasser zu fahren?

Der See erzählt viel von der Vergangenheit, gespeichert hat er in seinen Molekülen wunderbare Geschichen.  Auf dem Schiff ist man in der Gemeinschaft des Augenblicks verhaftet und es ergeben sich interessante Gespräche, wenn man dazu Lust hat. Die Silhouetten der vielen Kirchen grüßen im leichten Nebel. Ja, es sind immer die Kirchtürme, die harmonisch in der Landschaft stehen, dagegen erzählen die vielen Hochhäuser auf der deutschen Seite trotzig von der Gegenwart und deren Prioritäten. Und doch bestätigen alle Reisenden, dass der Bodensee etwas Besonderes sei; ‘aufgehellt’ verlassen die meisten das Schiff.

Heilig, heil….

Interessant, das spirituelle Dreieck, das den See umspannt. Damit gemeint ist der Bregenzer Gebhardsberg, Konstanz mit seinem Münster und Petershausen sowie die Basilika Weingarten. Alle drei Orte sind verflochten: der Welf Konrad, Bischof von Konstanz (um 900 – 975), kam von Altdorf, heute Weingarten. Er wurde schon zu Lebzeiten als besonderer Mensch verehrt. Sein Neffe Gebhard (949-995), aus der Linie der Grafen von Bregenz/Winterthur, wurde von ihm erzogen, da die Mutter dessen Geburt nicht überlebte. Er wurde mit 29 Jahren Konrads Nachfolger, in Mainz von Kaiser Otto zum Bischof geweiht. Gebhard entstammte dem bedeutenden alemannischen Geschlecht der Udalrichinger

Beide adlig geborene Kirchenmänner benutzten ihr Vermögen und Erbe zum Wohle der Armen und Kranken. Sankt Gebhard gründete das Kloster Petershausen in Konstanz, geografisch gesehen liegt es ziemlich genau auf einer Linie mit der ehemaligen Burg Hohenbregenz, heute Gebhardsberg mit der Wallfahrtskirche Bregenz.

Kloster Petershausen ist mittlerweile zu einem Museum geworden, Zerstörungen in der Reformationszeit haben nicht viel vom Ursprung gelassen. Die Klosteranlage in Weingarten ist zur Zeit ohne Mönche, man sucht dringend eine ‘Nachfolge’. Allein das Kloster Mehrerau in Bregenz agiert noch mit unmittelbarer geistiger Kraft. Doch auch hier fehlt der Nachwuchs.

Man kann die frühere Zeit immer noch erahnen, wenn man auf dem See unterwegs ist. Dreimal war der Hl. Konrad in Jerusalem, viele Male in Rom. Das gilt auch für den Hl. Gebhard. Man wundert sich über die enorme Reisetätigkeit im frühen Mittelalter. Auch international war der Bodensee mit seinen Fürsten eine Region, die hohes Ansehen verzeichnen konnte. So holte sich Welf IV (1030/1040 – 1101) seine zweite Gemahlin in London. Warum es ausgrechnet Judith von Flandern sein musste, die Kusine Wilhelm des Erobers und Halbschwester des Graf Balduin V von Flandern, die mit ihren 44 Jahren schon Witwe war und zwei erwachsene Söhne hatte, ist nicht bekannt. Doch brachte sie die Heiligblut-Reliquie mit nach Weingarten. Vielleicht war es ja Liebe. Sie gebar dem kinderlosen Welfen noch drei Nachkommen.

Das Bodenseeufer der Schweiz ist der Legende nach immer noch in einen Lichtkreis des Bruder Klaus’ (Niklaus von Flühe, 1417 -1487) gehüllt, dem Schutzpartron des Landes, der die Schweiz auch während den beiden verheerenden Kriegen im letzten Jahrhundert beschützt haben soll. Die Berge trotzten zudem diesen kriegerischen Ereignissen.

All das hat der Bodensee erlebt, und wer während einer Schifffahrt mit dem Herzen ‘hört’, dem kann noch Vieles mehr erzählt werden, über sich selbst und über die aktuelle Zeit. Es wäre wünschenswert, dass sich die Bodenseeregion mit Bezug auf die alten Traditionen spirituell erneuern würde, um Zeichen zu setzen für ein neues, humanitäres Europa.

Midou Grossmann 2018

Another version 🙂 !

https://madere.de/2018/01/29/der-bodensee-bietet-geschichte-und-geschichten-waehrend-einer-fahrt-mit-einem-katamaran-von-friedrichshafen-nach-konstanz/

 

 

Cosima Wagner and ‘Tannhäuser’

Cosima Wagner is often interpreted today as the ‘black sheep’ in the Bayreuth history. Whenever someone wants to criticize Richard Wagner and his works, blame is given also to Cosima as the major source of troubles. But I would say that without Cosima there would be no Festspiele in Bayreuth anymore. She did persevere after Wagner’s death with all her strength (after a phase of deep mourning) to bring his artistically visions into life. She was the daughter of Franz Liszt and the Countess d’Agoult, both strong personalities who dedicated their lives for art in a higher (spiritual) sense. Cosima Wagner did therefore understand Richard Wagner’s artistically intentions fully and felt compelled to assist him. Without her and Franz Liszt Wagner’s life would have been even more difficult. Contrary to many reports she was close to her father till his death and Liszt did not die alone in Bayreuth, no, he did die in her arms. All can be read in an article I did write for the Festspielnachrichten/MS 2008: “Selbstbestimmte Lebenswege”.

This summer the Bayreuth Festival will open with ‘Tannhäuser’. 120 years ago, on July 22 1891, Cosima Wagner did bring the opera for the first time on the stage of the Festspielhaus in Bayreuth. Stage director: Cosima Wagner, Conductor: Felix Mottl, 1894 the production was conducted by Richard Strauss. Here a statement of Cosima Wagner:

“(Tannhäuser) was our task par excellence, since what we were dealing with here was a battle between opera and drama, and since the melodic richness of the work had until now overwhelmed its poetical content to such an extent that our chief priority was a dramatic reworking of the piece in which the music, for all its wealth of melody, would no longer affect the listener simply as music but rather as the expression of particular characters and situations.”
Cosima Wagner, in an unpublished introduction to a review of the Festival of 1891

Siegfried Wagner (assistent to Cosima Wagner in 1891) writes in his memories 1923:
“Unfortunately, it was not only her sworn enemies who threw obstacle upon obstacle, which was already a difficult situation, no, it was also her so-called friends. A certain type of hyper-Wagnerian began to appear and they proved to be even more objectionable than our actual enemies: this were people who spent the whole day with quoting excerpts from my father’s writings.(…) These ‘supporters’ considered my mother as not sufficiently Teutonic. They knew that on her mother’s side she had French blood in her veins, and that she had been brought up in Paris. These were highly disturbing factors, encouraging her enemies to doubt in the Germanness of her outlook!

The most absurd witch-hunt was launched against her on all levels when my mother announced the production of Tannhäuser.(…) An initial source of indignation was the fact that a production of this opera was in planning now for Bayreuth, it was said that this work was immature, still partly an ‘old style’ opera and this with the additional scene written for Paris, the very word caused people to shudder with horror! Not only her enemies but her apparent friends as well joined forces in order to discredit my mother as much as possible in the public. And when the day of the performance finally came, much turmoil began. But, as often the case when malice seems to triumph, the opposite was the result. The Tannhäuser production witnessed in the year 1891 a decisive battle. My mother had won.”

So far Siegfried Wagner. Text source is the program of the Bayreuth Festival 1985. The translations into English from the program were slightly modified by me; the original translation seemed not always convincing.

If we make the effort and read the personal letters of Richard Wagner, Cosima Wagner, Franz Liszt and the many other witnesses, then a very different picture of the personality Cosima Wagner will be revealed. Many statements that are actually not true, but are repeated again and again during the years without verifying, now stand nearly as truth.

A little side note to Cosima’s family tree. Still it is not known to many that Cosima’s grandmother was German, a daughter of the Bethmann banking family in Frankfurt/Main. Marie d’Agoult spent many summer weeks with the family of her mother in Germany and did meet J.W. von Goethe many times during her childhood. All this can be read in her memories.

Richard Wagner und seine Opern

Heute war in der Presse zu lesen, dass Nike Wagner die Meinung vertritt die Oper ‘Parsifal’ passe nicht zu Ostern, weil das Werk spirituell vielschichtig sei und nicht nur auf dem Christentum basiere. Na, das ist schon lange bekannt. Wann endlich wird einmal über die großen philosophischen Fragen diskutiert, die in Richard Wagners Opern enthalten sind und die Handlung all seiner Werke sehr vordergründig prägen? Ich habe ein Buch über diese Thematik geschrieben, leider momentan nur als Mail-Datei verfügbar, da die Druckversion vergriffen ist. Bei Interesse sende ich gerne ein PDF – 120 Seiten: Eine Mitteilung an seine Freunde, Richard Wagner – Künstler und Philosoph
midou_grossmann@yahoo.de
ISBN 3-00-012332-6
USA: http://catalog.loc.gov/ – Library of Congress