Haben Künstler einen Auftrag?

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Friedrich von Hetsch – Schiller als Regimentsarzt

Sommerzeit – Festspielzeit – hat Kunst noch eine gesellschaftliche Relevanz?

Reflexionen während einer ‚Mondfinsternis‘

Heute Morgen beim Aufstehen fiel mein Blick auf Rüdiger Safranskis Schiller-Biographie in meinem Bücherregal. Sofort dachte ich wieder an die Schelte, die ein Politiker kürzlich Schiller angedeihen ließ, weil dieser Kunst als eine ‚moralische Anstalt‘ bezeichnet hatte. Schiller war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, Künstler und Philosoph gleichermaßen, und man sollte ihm das Wort ‘Anstalt’ verzeihen, da es sicherlich zu Schillers Zeiten für Schule, Universität stand.

Der Untertitel der Biographie lautet: Die Erfindung des Deutschen Idealismus. Schiller trat für eine Geisteshaltung ein, die man auch humanistisch nennen darf. Ein Lichtstrahl in dem Grau des damaligen Alltagslebens. Er hatte es schwer, aber konnte sich letztendlich durchsetzen. In Jena stürmte man sozusagen den Saal bei seiner ersten Vorlesung, sodass man mit der gesamten Zuhörerschaft einfach durch die Stadt wanderte, um in einen größeren Saal zu übersiedeln.  Diese Völkerwanderung beunruhigte die Ordnungshüter und man dachte an Revolution. Ob Schiller heute noch derselbe Erfolg beschieden wäre, wage ich fast zu verneinen. Humanistische Bewegungen, Spiritualität, sind etwas untergegangen in den Turbulenzen, die ein Überleben im globalen Wettbewerb so mit sich bringt. Man spricht von einer Verrohung der Gesellschaft, doch im Gegensatz zu damals, finden viele Menschen dies auch notwendig und versuchen keine Änderungen herbeizuführen, auch weil man Politiker hat, die den Abbau eines Sozialstaats vorantreiben. Eine Sozialsystem, das zwei Weltkriege überlebt hat, soll nun nicht mehr finanzierbar sein. Eine ungeheuerliche Einstellung, die aber so manchen Menschen gar nicht interessiert.

Natürlich haben Künstler auch heute noch eine Sonderstellung in der Gesellschaft. Nur ist es selten, dass sie sich wie Schiller mit gesellschaftlich, philosophischen Gedanken, die eine ästhetische Erziehung des Menschen voraussetzen, beschäftigen. Aktuell darf man wieder vermehrt von einem geistigen Niedergang sprechen. Die Aussage eines Intendanten: Kunst habe die Aufgabe das Bewusstsein der Menschen positiv zu verändern, zu erhöhen, war vor 30 Jahren noch eine Selbstverständlichkeit. Doch wer aktuell eine Opern- oder Schauspielaufführung besucht, darf mit einer willkürlichen Besitzübernahme der Werke zwecks ‚Egolifting‘ rechnen. Geradezu penetrant wird jeder ästhetische Gedanke ausgemerzt und mit billigem Gedankengut ersetzt.

Wenn ich nur an die Opern von Richard Wagner denke, die von A-Z auf eine geistige Weiterbildung des Menschen setzen, so werden diese immer vermehrt in das Gegenteil verdreht. Das hat gerade wieder die ‚Lohengrin‘-Premiere in Bayreuth gezeigt. Und so etwas ist Vorsatz. Wenn am Ende einer Oper, die als Kernaussage das Vertrauen in eine höhere Macht beinhaltet, nun doch das Dunkle siegt, ist das sehr traurig. Auch die dunkle, blaue Ausstattung sowie die lächerlichen Kostüme wurden meiner Ansicht nach absichtlich entworfen, um die positive Aussage des Werks zu eliminieren. Sehr gut bezahlt wurden alle für diese Arbeit. Muss eine Gesellschaft so etwas tolerieren, an einem Ort, der mit öffentlichen Geldern gefördert wird? Nein, Kunst darf nicht alles! Ein Friedrich von Schiller steht mit seinen Forderungen immer noch im Raum und ist aktueller als vielleicht in seiner damaligen Zeit.

Copyright Midou Grossmann 2018

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Franz Liszt und seine letzten Tage in Bayreuth

Pünktlich zum 200. Geburtstagsjahr von Franz Liszt hat Ernst Burger wieder eine sehr lesenswerte Liszt-Hommage veröffentlich. Nach seiner grandiosen Ehrung in Buchform von 1986 (100. Todestag ), erschien nun im ConBrio Verlag ‚Franz Liszt – Leben und Sterben in Bayreuth‘. Darin beleuchtet Burger noch einmal das einzigartige Verhältnis der beiden Giganten Franz Liszt und Richard Wagner. Er lässt Zeitzeugen sprechen, bringt einige Berichte sogar zum ersten Mal in die Öffentlichkeit, wie auch interessante neue Fotografien. Hier sprechen die Betroffenen selbst, und es wird viel Falsches berichtigt, das im Laufe der Jahre von verschiedenen Autoren einfach ohne gründliche Prüfung übernommen worden ist.

Ohne Franz Liszt und dessen Tochter Cosima Wagner, würden die Bayreuther Festspiele wohl nicht bestehen, und gerade diese beiden werden immer wieder gegeneinander ausgespielt. Für Franz Liszt war Cosima eine wichtige Bezugsperson, etwas verschämt schreibt er einmal, dass er für sie immer eine besondere Liebe empfunden habe, entschuldigt dies mit Cosimas Zerbrechlichkeit in der Kindheit.

Franz Liszt starb am 31. Juli 1886 in Bayreuth und Cosima sagte kurz vor ihrem Tod zu ihrer Tochter Daniela: „Ich kann dir nicht aussprechen, wie es mich rührt, wenn ich an Großpapas Franziskanerkapelle hier denke und dass er hier ruht; das haben die Sterne gewollt, da wir nicht miteinander leben konnten (…) Ich kannte Großpapa vielleicht anders, wie man ihn sonst kennt. Er fehlt doch sehr als Persönlichkeit und ich möchte sagen als Hilfe.“ Der Vorwurf, den man oft hört, dass Cosima ihren Vater einsam und getrennt von all seinen Freunden habe sterben lassen, ist eine oberflächliche Behauptung, die nun mit den Tagebüchern von Lina Schmalhausen widerlegt wird.

Der französische Musikwissenschaftler Pierre-Antoine Huré hat 1987 für sein Buch ‚Liszt en son temps’ in den Weimarer Archiven die Aufzeichnungen von Lina Schmalhausen eingesehen und schon teilweise veröffentlicht, 2002 folgte Alan Walker mit nicht ganz exakten Zitaten, in Ernst Burgers Buch sind diese Aufzeichnungen zum ersten Mal in voller Länge zu lesen. Lina Schmalhausen empfand für Franz Liszt eine schwärmerische Jungmädchenliebe, der sich der alternde Musiktitan wohl nicht entziehen konnte. Lina war in Bayreuth als Liszt dort mit einer Lungenentzündung erkrankte und saß in den letzten Tagen fast ununterbrochen vor dem Fenster des Sterbezimmers. Sie beobachtet alles, was in dem Zimmer vorging und berichtet von den vielen Besuchen Cosimas, denen der Kinder sowie von den anwesenden Freunden, auch kümmerten sich verschiedene Ärzte um Liszt. In den wenigen Momenten, in denen Liszt nur von seinem Diener Mihal und Bernard Stavenhagen betreut wird, schleicht Lina sich an das Bett des Meisters und wird von Cosima sogar im Sterbezimmer geduldet.

Wieder einmal bewegt uns das Leben des großen Musikers Franz Liszt, der als Weltbürger gelebt hat, seiner Zeit weit voraus war, und der sich vielleicht nur aus Rücksicht auf die Fürstin Wittgenstein nicht permanent in Bayreuth niedergelassen hatte. Denn aus künstlerischer Sicht waren für ihn Richard und Cosima Wagner eine Art wirkliche Heimat.

Richard Wagner und seine Opern

Heute war in der Presse zu lesen, dass Nike Wagner die Meinung vertritt die Oper ‘Parsifal’ passe nicht zu Ostern, weil das Werk spirituell vielschichtig sei und nicht nur auf dem Christentum basiere. Na, das ist schon lange bekannt. Wann endlich wird einmal über die großen philosophischen Fragen diskutiert, die in Richard Wagners Opern enthalten sind und die Handlung all seiner Werke sehr vordergründig prägen? Ich habe ein Buch über diese Thematik geschrieben, leider momentan nur als Mail-Datei verfügbar, da die Druckversion vergriffen ist. Bei Interesse sende ich gerne ein PDF – 120 Seiten: Eine Mitteilung an seine Freunde, Richard Wagner – Künstler und Philosoph
midou_grossmann@yahoo.de
ISBN 3-00-012332-6
USA: http://catalog.loc.gov/ – Library of Congress